PSYCHOTIC WALTZ - das 'The God Shaped Void' Gangbang-Review

Man möge mich als Blasphemiker brandmarken, aber ich habe bisher noch keine einzelne Note von PSYCHOTIC WALTZ gehört und nehme hier nur teil, weil ich das aufgrund vehementer Empfehlungen dringend ändern wollte und zum Jahresanfang Lust auf ein amtliches Progressive Metal Album, an ein solches ich mich ja ohnehin eher gediegen rantaste, hatte. Alles, was ich über die amerikanische Legende (das spricht sich nunmal rum...) also weiß, ist dass sie seit 1996 kein neues Werk mehr veröffentlicht haben und sich im Jahre 2010 unter Anderem für Live-Shows reformierten. Das wird sich mit "The God-Shaped Void" am 14. Februar ändern.

 

In einen qualitativ wertenden Kontext zu den bisherigen vier Alben kann ich ebenjenes also nicht stellen, da ich dafür im Anschluss an das neue Album schlichtweg noch nicht genug Zeit mit jenen verbracht habe. Was ich aber sagen kann, ist dass es a) die Neugierde ob der vorherigen Veröffentlichungen nährte und sich b) stilistisch eher weniger, im Entferntesten noch zu Beginn von "Stranded", am intelligent komponierten aber dennoch knackigen Heavy Metal Debüt orientiert und sich stattdessen im feinsinnigen Progressive Metal der Nachfolgewerke, die viel größeren Wert auf blumige Kompositionen legen und einem trotzdem nicht zu Kopf steigen, üben möchte. Am ehesten ist es aus meiner noch relativ ungeschulten Perspektive mit "Mosquito" und insbesondere "Bleeding" vergleichbar, wobei man "The God-Shaped Void", welches mutmaßlich sieben Jahre in der Entstehung gewesen sein soll, auch anhören kann, dass zwischen letzterem und ihm eine große Zeitspanne liegt, was ich nicht als negative Bestandsaufnahme verstanden haben will. Natürlich entwickelt man sich sowohl als Kollektiv als auch als einzelner Künstler selbst dann weiter, wenn man keinem geregelten Output nachgeht - und dann gesellen sich selbstredend auch noch moderne Produktionsmöglichkeiten hinzu.

 

Im Opener "Demons And Angels" fühlt man sich aber speziell im Refrain und im gesanglichen Aufbau der Strophen, wie man sicherlich auch den Aussagen der anderen Gangbangpartizipanten sowie zahlreichen people of the internet entnehmen kann, zunächst noch geringfügig an die jüngeren, hymnisch-eingängigen GHOST erinnert (vielleicht aber auch vice versa?), wohingegen das mystische Flöten- und Keyboard-Intro eindeutig PSYCHOTIC WALTZ zuzuordnen ist. Grundsätzlich dürfte man somit kaum Probleme dabei haben, das Quintett wiederzuerkennen, denn "The God-Shaped Void" betreibt bedachte Denkmal-Pflege, ohne jedoch altbacken zu klingen.

 

Was die anfängliche Begeisterung dann letztlich aber doch abflachen ließ, waren einerseits die Vocals, mit denen ich mir auf Dauer ähnlich schwer wie mit einem James LaBrie dabei tue, eine standhafte, emotionale Connection zu finden, sowie andererseits das teilweise vorhersehbare Songwriting, das einen zunächst zwar noch mit wohligen Details binden kann, sich nach mehreren Durchläufen dann aber doch relativ rasch in sich selbst erschöpft, weil es in seinen Motiven etwas zu linear bzw. eintönig bleibt. Man findet im späteren Verlauf zwar immer wieder großartige Soli ("While The Spiders Spin" z.B.), psychedelisch-sphärische Tastentöne ("Into The Silence" z.B.) und auch akustische Gitarren sowie ätherische Flötenklänge ("Demystified") vor, die diesen Eindruck zwischenzeitlich aufbrechen können, doch reicht das alleine – zumindest bei mir – nicht für einen nachhaltigen Spannungsbogen, der mich wieder und wieder zurücklocken würde. Diese Eindimensionalität ließe sich nicht zwingend durch klarer definierbare Parameter à la Tempowechsel oder dem megalomanisch-arroganten Umgang mit detailversessener Brillanz egalisieren, sondern spielt sich eher auf der unterbewussten Gefühlsebene zwischen Bauch und Kopf ab – "The God-Shaped Void" bewegt sich also in einem Grenzbereich, der mich zwischen den Höhepunkten weder fordert noch überfordert, der zu selten die richtige Balance findet, um mich persönlich langfristig zu fesseln. Ein gutes, soundtechnisch nahezu ideal abgemischtes Album ist es zweifelsohne, aber mehr lässt der Status Quo bei mir schlichtweg nicht zu.

 

3,5 / 5 – Pascal Staub

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Pascal Staub
Seite 3: Martin Weckwerth
Seite 4: Hans Unteregger
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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