PSYCHOTIC WALTZ - das 'The God Shaped Void' Gangbang-Review

Von PSYCHOTIC WALTZ kannte ich bislang an sich nur den Namen und die Tatsache, dass der Gitarrero im Rollstuhl sitzt, das war es dann aber auch schon.  Bei „The God-Shaped Void“ handelt es sich um das erste neue Studioalbum der Band seit satten 23 Jahren. Das nenn ich mal eine wirklich lange Pause.

Nichts von einer Band zu kennen hat ja durchaus seine guten Seiten, so kommt man zwangsläufig nicht in die Verlegenheit, neue Veröffentlichungen mit alten Klassikern (sofern vorhanden) zu vergleichen, welche dann in der Regel oftmals gegen die Heldentaten aus grauer Vorzeit stark abfallen. Lt. Kollegenberichten und kurzer Fortbildung auf den üblichen Portalen sollte mich also „Prog“ erwarten, ein Genre, das mir durchaus mundet.

Dennoch war ich nach dem ersten Start der neuen Scheiben erst einmal ziemlich überrascht: Statt proggigen Frickeleien wartet „Devils & Angels“ nach spannungsgeladenem Flöten- und Keyboard-Intro erst einmal mit recht straightem Riffing auf. Der eher langsame Beginn mündet in einen flotten Rhythmus und als dann der Gesang einsteigt denkt man sich zuerst, dass es sich sowohl sound- als auch songtechnisch um einen neuen Song von GHOST mit etwas härterer Ausrichtung handeln muss. Gerade der Gesang erinnert doch arg an die Schweden. Wer da wohl wen kopiert? Letztlich aber ein durchaus starker Opener. Äußerst positiv fällt die druckvolle und sehr transparente Produktion auf, die bereits in der vorliegenden mp3-Download-Fassung vorzüglich klingt.

„Stranded“ bleibt dem Stil treu, auch hier wieder vernehmbare GHOST-Anleihen mit zum Teil geflüsterten Passagen, wie man es auch von Papa Emeritus & Co. kennt. Der Chorus wie auch bereits beim Opener eher laid-back aber sehr eingängig mit gutem Melodiegefühl.
Auf „Back To Black“ regieren die tiefergestimmten Gitarren, der gesamte Song kommt sehr alternativ um die Ecke gebogen, der Gesang ist dabei etwas aggressiver ausgefallen als bei den zwei vorherigen Nummern, zumindest im Chorus. Lobend erwähnt werden muss die vorzügliche Gitarrenarbeit, die Soli kommen meist zweistimmig messerscharf auf den Punkt. Auch „Back To Black“ bewegt sich tempomäßig wieder eher im Bereich Marke „Zone 30“.

Dieser wird auch bei „All The Bad Men“ nicht verlassen, musikalisch sicher über jeden Zweifel erhaben, doch ein wenig mehr Abwechslung wäre mir doch lieb gewesen. Die Jungs haben durchaus ein Händchen für eingängige Chorusse, die Machart der Songs und vor allem der Rhythmus bewegt sich jedoch in ziemlich eng gesteckten Grenzen.

Bei „The Fallen“ wird es noch ruhiger, der Song startet mit einem atmosphärischen Akustik-Intro. Auf den Chorus muss man fast drei Minuten warten, der dann aber doch wieder recht gut zündet. Die große (Halb-)Ballade des Albums.

Die zweite Hälfte der Scheibe wird ebenfalls akustisch mit „While The Spiders Spin“ eingeläutet. Aber auch hier leider wieder derselbe schleppende Rhythmus, der einen doch langsam zur Uhr blicken lässt. Das Ganze hat nun doch seine argen Längen und man wartet vergeblich auf einen treibenden Speedsong, der leider Gottes auch nicht mehr folgen soll.

Die Songs der zweiten Hälfte können zudem mit den ersten fünf auch nicht mehr so ganz mithalten. „Pull The String“ plätschert doch ziemlich vor sich hin, wäre da nicht ein Flötensolo eingebaut, der dem Song noch etwas Leben einhaucht, auch wenn ich alles andere als ein Flöten-Freund bin. Die Passage nach dem (Pan?-)Flöten-Part (lt. Aussagen von Kollegen könnte es sich auch um Querflöten handeln, wobei ich mir da immer noch nicht so ganz sicher bin) ist immerhin ein bisschen schneller ausgelegt. Der ganze Song ist durch die Bank sehr ALICE IN CHAINS-lastig und könnte bist auf die Flöterei auch auf deren „Dirt“-Album stehen.

Auch auf „Demystified“ gibt es Flöten zu hören. Die bekannte Mischung aus „geiler Refrain/Laid-Back-Tempo“ gibt es hier auch wieder geboten.

Das hymnische „Sisters Of The Dawn” reißt mich dann doch noch einmal aus der langsam einsetzenden Lethargie. In der Mitte des Songs wird es aber wieder arg ruhig und man könnte meinen, es handle sich um den Soundtrack eines Treffs, bei dem bei Lagerfeuer die Tüten rumgereicht werden. Atemberaubend schön jedoch die zweistimmigen Gitarrensoli.

„In The Silence“ ist dann auch kein Song mehr, der viele Kohlen aus dem Feuer holen kann. Das Stück zieht sich wie Kaugummi und die Scheibe wird mit einem langgezogenen Akustikgitarren-Outro nach gut 50 Minuten beendet und lässt mich auch nach mehrmaligem Hören eher unschlüssig zurück.

Fazit: Erwartet hatte ich an sich eine ganz andere Musik als eine Mischung aus Alternativ-Rock, Grunge und leicht symphonisch angehauchten Passagen und einer großen Prise GHOST, die ich jedoch bei weitem aufregender und abwechslungsreicher finde als das, was auf „The God-Shaped Void“ geboten wird. Mir ist das Album einfach zu ruhig geraten, es regiert das schleppende Mid-Tempo mit zugegeben einprägsamen Refrains. Der Wunsch das Ganze nach einem Durchlauf gleich nochmal zu hören stellt sich bei mir jedoch leider nicht ein. Zumal das Label „Prog“ hier meines Erachtens nach auch nicht so ganz angebracht ist. Vielleicht ist die Band dann ja auch einfach nichts für mich, kann ja auch sein. Versucht habe ich es jedenfalls. Mehrmals!

Für die klasse Produktion, das gelungene Cover und die meist auf den Punkt kommenden Refrains vergebe ich einen halben Extra-Punkt, so dass ich dann bei mehr als wohlwollenden 3,5 Punkten lande.

3,5 / 5 - Martin Weckwerth

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Pascal Staub
Seite 3: Martin Weckwerth
Seite 4: Hans Unteregger
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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