PSYCHOTIC WALTZ - das 'The God Shaped Void' Gangbang-Review

2020 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, wo TOOL Fans nicht sehnsüchtig auf ein neues Album warten, sondern sich immer noch an "Fear Inoculum" erfreuen können. 13 Jahre war eine lange Zeit aber verglichen mit der Wartezeit, die PSYCHOTIC WALTZ-Fans hinter sich haben, war es ein Klax. Seit 1996 haben die Prog-Rocker aus Kaliforniern keinen neuen Longplayer mehr vorgelegt. Nach fast 24 Jahren nochmal eine Scheibe vorzulegen ist entweder der Versuch, die Fan-Kuh ein letztes Mal zu melken oder der Drang, musikalisch noch was loswerden zu wollen. Meine Wenigkeit hatte mit PSYCHOTIC WALTZ bisher keine Berührungspunkte und "The God-Shaped Void" stellt somit meinen Erstkontakt dar.

Dieser Erstkontakt gestaltet sich beim Album-Opener (und der ersten Single-Auskoppelung) "Devils And Angels" recht erfreulich. Sehr mystisch und geheimnisvoll, getragen von sphärischen Sounds und Flötenklängen, wird mein auf den Beginn der Reise vorbereitet. Knapp vor der Zweiminutenmarke nimmt der Song Fahrt auf. Devon Graves liefert sehr eindringliche Vocals über einem treibenden Groove. Das Ganze mündet in einen Refrain, der so catchy ist, dass man ihn noch lange mit sich herumträgt. Die fast sechseinhalb Eröffnungsminuten gehen ins Ohr und machen Lust auf mehr. "Stranded" geht in eine ähnliche Richtung. Mitunter fallen einem beim Gesang parallelen zu GHOST auf. Sakral angehauchter Gesang über eingängigen Melodien kenn man auch von Cardinal Copia und Konsorten. "Back To Black" und "All The Bad Men" sind sich relativ ähnlich. Zu Beginn wird man durch die fetten Riffs ganz gut abgeholt, im Verlauf plätschern die Songs aber so dahin, ohne Highlights, die einem im Gedächtnis bleiben.

Im weiteren Verlauf des Albums stellt sich dieses Gefühl immer mehr ein. Die Songs sind durchweg gut produziert und klingen sehr gut, die eine oder andere Passage kommt auch wirklich gut, aber alles in Allem fehlen die Glanzlichter, die "Sahnehäubchen". PSYCHOTIC WALTZ schaffen es nicht, den Hörer zu überraschen und dauerhaft zu fesseln. Zu ähnlich sind die einzelnen Tracks. Nicht falsch verstehen, hier wird auf hohem Niveau musiziert, das ist nicht das Problem. Es fehlt einfach das gewisse Etwas, das den Funken zum Überspringen bringt. Modernen Prog-Rock-Formationen gelingt es besser, zu überraschen und neue Wege zu gehen.

Fazit: ich glaube nicht, dass PSYCHOTIC WALTZ dieses Album nur produziert haben, um ein letztes Mal bei der Fanbase abzucashen, aber es wurde auch nicht der große Wurf, der eine so lange Wartezeit rechtfertigen würde. Es wurde ein solides Album vorgelegt, bei dem Fans von klassischem Prog-Rock schon ein Ohr riskieren können. Eine größere Hörerschaft wird man damit aber wohl nicht erreichen.

3 / 5 - Hans Unteregger


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Pascal Staub
Seite 3: Martin Weckwerth
Seite 4: Hans Unteregger
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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