PSYCHOTIC WALTZ - das 'The God Shaped Void' Gangbang-Review

Es gibt diese Bands, die man über Jahre hinweg vorwiegend durch das aufmerksame Lesen von Shirts und Kutten auf Festivals kennt. In meinem (und höchstwahrscheinlich noch so manch anderem) Falle trifft dies auch auf die US-amerikanischen Prog Metaller PSYCHOTIC WALTZ zu. Dies verwundert insbesondere vor dem Hintergrund nicht, dass sich die Band nach erster Schaffensphase zunächst 1997 auflöste und erst 2010 zurückkehrte – jedoch ohne neues Studioalbum. Vielen Kindern der 80er oder gar jüngeren Semestern dürften sie daher keine allzu vertraute Quelle für gescheiten Metal mehr sein – ein Missstand, den die Herren nun mit ihrem fünften Langspieler „The God-Shaped Void“ zu beheben gedenken.

Dass gute Dinge eben Weile brauchen, lehren schon die ältesten Volksweisheiten. Das Hervorkramen und Entstauben dieser alten und oft erwiesenen Phrase erscheint in diesem Zusammenhang durchaus angebracht, weil auf „The God-Shaped Void“ nichts dem Zufall überlassen oder halbgar erscheint: von dem kryptischen Albumcover, das unzählige bierselige Abende mit regem Gedankenaustausch füllen könnte, über den ausgewachsenen Sound bis hin zu den ausgefeilten Kompositionen erscheint das Gesamtwerk rund und durchdacht. Und wie man es für progressive Veröffentlichungen erwartet, folgt mit einer knappen Stunde Walzerschule mitnichten leichte Kost. Kein Instant-Zuckerschock, kein „Mitsingen, ohne es vorher gehört zu haben“ und auch kein Durchblick nach ein bis zwei Durchgängen.

Das Schöne daran ist, dass man die Platte immer und immer wieder auflegen kann und jedes Mal etwas Neues für sich entdeckt. Interessanterweise schaffen es PSYCHOTIC WALTZ dabei, ihren entdeckungsreichen Tanz durch das Einstreuen äußerst effektiver Hooks bereits ab dem Erstkontakt leicht zugänglich zu machen. Man höre sich nur die ultraeingängigen und -einprägsamen Refrains von „Devils And Angels“, „Back To Black“ oder „Demystified“ an. Wer hier nicht freiwillig zurückgekrochen kommt und quasi nebenbei weitere Earcatcher entdeckt, dem wäre ein dringender Besuch beim Ohrenarzt oder Seelenklempner angeraten. Devon Graves’ (a.k.a. Buddy Lackey) Gesang fräst sich wie ein Eisbrecher im angetauten Arktiseis durch die grauen Zellen und wirft seinen massiven Anker, heulende Twingitarren und die aus der Vorzeit bekannten Flöten-Obskuritäten tun ihr Übriges, um den Spaß interessant, fesselnd und ein stückweit einzigartig zu machen. Großes Kino kann hier vorbehaltlos attestiert werden!

So positiv sich meine Gedanken zum fünften Walzer in Albumlänge lesen – es sei zum Abschluss noch einmal betont, dass „The God-Shaped Void“ kein Album für nebenbei ist. Die Scheibe fordert volle und ungeteilte Aufmerksamkeit, um sich erst richtig zu entfalten. Heitere Nebenbei-Beschallung für’s Büro, das Auto oder das Lösen komplexer Differenzialgleichungen sieht anders aus. Wer diesen Hinweis allerdings beherzigt, wird über eine knappe Stunde in andere Dimensionen abtauchen und den Trott unserer absonderlichen Welt vergessen.

4,5 / 5 - Lord Seriousface

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Pascal Staub
Seite 3: Martin Weckwerth
Seite 4: Hans Unteregger
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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