PSYCHOTIC WALTZ - das 'The God Shaped Void' Gangbang-Review

Ich muss zu meiner Schande gestehen, auch ich gehöre zu den Leuten, für die PSYCHOTIC WALTZ erst mit der Reunion 2010 und die darauf folgenden Liveauftritte überhaupt erst in den Fokus des Interesses gerückt sind. Jedoch war es auch mir nicht vergönnt, wirklichen Zugang zu den bisher vier Studioalben der Amerikanischen Kult-Progger zu bekommen, welche sich stilistisch bekanntlich von recht straightem Power/Heavy bis hin zu gediegenen Prog-Welten entwickelten. Nun, nach unfassbaren 24 Jahren Wartezeit (dagegen sind TOOL ja direkt Anfänger, was die Pausen zwischen den Alben angeht!), zwischenzeitlichem Umzug eines Bandmitglieds nach Österreich (was den Bezug unserer Redakteure und den dahingehenden Entschluss zur gemeinschaftlichen Revieworgie erklärt) stellen uns PSYCHOTIC WALTZ mit „The God Shaped Void“ vor vollendete Tatsachen.

Ich gebe ja zu, eigentlich proggige Klänge zu mögen. Allerdings ist Prog nicht Prog – wo die einen sich in polyrhythmischem Gedankenfick ergehen, das ausgiebige Solieren zur ultimativen Performancekunst erheben oder einfach alles so vollstopfen, dass die graue Masse unter dem Druck der musikalischen Masse in der Schädeldecke implodiert, suchen andere die gemeinhin mit Anspruch assoziierte Genreform in strukturell fordernden Songs oder dem Einsatz ungewöhnlicher Instrumente – PSYCHOTIC WALTZ gehören zur zweiteren Kategorie. Die Klinge bei den Amis ist fein – so fein, dass sie bisweilen das Gehirn nicht fein genug zu blättern weiß, dass „The God Shaped Void“ das Tor zu sphärischen tonalen Erlebnissen aufstoßen könnte. Das beginnt schon im getragenen, ein wenig an GHOST gemahnenden Opener „Devils And Angels“, zieht sich dann über das zähflüssig dahin walzende „All The Bad Men“  und das epische „The Fallen“ bis hin zum querflötenschwangeren „Demystified“ und endet mit dem ebenfalls in sehr gemächlichem Tempo dahin schwebenden und gekonnt stimmungsvoll verblassendem „In The Silence“.

Ein schlüssiges, kohärentes Album mit einigen markigen Passagen wie zb in „While The Spiders Spin“, das war produktionstechnisch über jeglichen Zweifel erhaben ist und drei Viertel (oder mehr!) der mit hohem Budget gesegneten Veröffentlichungen der letzten Jahre durchs linke Nasenloch schnupft, aber den himmelhohen Erwartungen ob der unfassbar langen Wartezeit nicht wirklich gerecht werden kann. Was irgendwie auch zu erwarten war, denn nach all den Jahren erwarteten die Fans eine absolute Überscheibe - die es für einige aufgrund der so seltenen Albensichtungen von PSYCHOTIC WALTZ schon aus Prinzip sein wird - doch wenn der Kult-Anstrich erst einmal nach ein paar gebetsmühlen-artigen Durchläufen abgeschmirgelt ist, kristallisiert sich „nur“ ein starker Rundling episch orientierten Schwermetalls heraus, der seine proggige Note dezent und unaufdringlich einsetzt. Was ja nicht per se schlecht sein muss, denn „The God Shaped Void“ präsentiert sich als durchgängig starkes Album, das sowohl Fans als auch Neulinge überzeugen sollte – selbst wenn es nicht das erhoffte Feuerwerk abbrennt.

3,5 / 5 – Anthalerero

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Pascal Staub
Seite 3: Martin Weckwerth
Seite 4: Hans Unteregger
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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