NIGHTWISH - das "Human. :||: Nature." Gangbang-Review

Gerade erst da schallten noch die letzten Klänge des vorherigen Albums durch den Raum, da kommt auch schon das nächste Machwerk aus dem Hause NIGHTWISH daher. Okay, war vielleicht doch etwas länger der Abstand zwischen den Alben - inklusive Live-Release und Best-Of dazwischen - aber so monumental wie die letzte Scheibe war, kommt es mir jedenfalls so vor! Anhand dieser Tatsache war mir auch von vornherein klar, dass selbst ein Herr Holopainen nicht zweimal hintereinander ein Machwerk dieser Monumentalität schaffen kann. Was mir aber nun aus den Lautsprechern entgegen schallt, dass lässt mir doch ungläubig die untere Kauleiste runter klappen. Denn auch wenn Mix und Mastering aus dem Hause: Karmilla & Jussila wieder hervorragend getroffen sind - was soll man auch anderes erwarten von den Beiden - so hat man sich doch etwas zu krampfhaft daran versucht, dem vorherigen Werk "Endless Forms Most Beautiful" noch einen oben drauf zu setzen. Doch manche Ideen sollten, wenn man es zu krampfhaft versucht, doch lieber unumgesetzt bleiben, dieser Eindruck lässt sich bei "Human. :||: Nature." insgesamt nicht erwehren.

Aber fangen wir von vorne an: Der Track mit dem das Album startet, namens "Music", ist durchaus kein leicht verdaulicher Brocken. Das Konzept daran, die Geschichte der Musik als solches widerspiegeln zu wollen, erinnert mich leicht an den Longtrack der letzten Platte "The Greatest Show On Earth", doch was damals sehr, sehr sorgfältig und detailiert umgesetzt wurde, wurde hier sehr krude verwirklicht. Als hätte man das gesamte bisher erbrachte kompositorische Machwerk von Herr Holopainen in einen Topf geworfen und kräftig umgerührt. Es passt vorne und hinten nichts zusammen, es ist von Allem viel zu viel und es ist einfach nur wahllos wild durcheinander von verschiedenen musikalischen Ideen, oder in diesem Fall vielleicht besser als "Motiven" bezeichnet, denn es klingt alles wie irgendwo schon einmal gehört. Insgesamt wirkt der "Human."-Teil der Platte etwas ziellos und überladen. Auch das für mich fast einzig gute an dem Album, nämlich Floor Jansen's Stimme, kann hierüber nicht hinwegtäuschen, denn so sehr sie sich auch anstrengt, auch sie kann den kruden Gesangslinien nicht die Faszination einhauchen, die nötig gewesen wäre um das Album überhaupt nur annähernd qualitätsmäßig an die sonstigen Werke von NIGHTWISH herankommen zu lassen. Einzig die opernhafte Passage in "Shoemaker" trohnt wie ein Leuchtturm über allen sonstigen Gesangsleistungen des Albums. - Ja, auch über Marco Hietala's Passagen, was mich persönlich nochmal zusätzlich sehr enttäuscht hat, da ich sonst ein großer Fan seiner Stimme bin.

"Harvest" welches von Troy Donockley, dessen Stimme meinen Geschmack leider so oder so nicht trifft, gesungen wird, versucht sich wie schon vorherige Stücke von NIGHTWISH daran, irische Folklore einzufangen. Woran es liegt, dass dies diesesmal scheitert kann ich nicht mal genau sagen, es klingt anstatt mit üblichem Selbstbewusstsein dargeboten, eher als würde man es einfach mal nur "versuchen". Zwar nervt mich der Song nicht so wie die anderen, aber genau wie beim Großteil der anderen Songs kommt so absolut genau null Spannung auf... NULL! Obwohl ich selbst bei den schlechtesten Songs von Nightwish bisher immer ihre Fähigkeit bewundert habe schöne Spannungsbögen zu bauen, aber dies fehlt auf "Human. :||: Nature." nun so gut wie komplett?! Wieso? Wie kann man das so sehr verlernen? Einziger Song auf der der ersten CD der für mich punkten kann ist dagegen "Pan", auch er zehrt an meinen Nerven, aber nicht so sehr wie der ganze Rest auf dem Albenteil mit Gesang. Insbesondere der Chorteil zeigt jedoch die deutliche Schwächen an der Produktion der Scheibe.

Eigentlich möchte ich über "How's The Heart?" gar nichts schreiben, aber sagen wir mal so, es ist ein Popsong der schlechten Sorte, über was auch nicht die rhythmischen Kniffe und gesanglichen Verzierungen hinwegtäuschen zu vermögen. Selbst das konnten NIGHTWISH bisher besser - Popsongs schreiben, die qualitativ gut waren, oder sagen wir besser als dieses Exemplar hier. Mit "Procession" ist für mich der Höhepunkt der Ödhaftigkeit des Albums definitiv erreicht. (Antha: hattest du nicht einen Höhepunkt auf dem Album gesucht, da ist er!) Öder wirds nicht mehr... Geht auch schlecht, denn selbst "4'33''" hat für meinen Geschmack mehr Spannung zu bieten! Selbst wenn man es auf einer Panflöte spielen würde! Da ich zuvor auch den gesanglichen Glanzpart der CD hervorgehoben habe, möchte ich es auch nicht versäumen das schöne, wenn auch etwas stumpfe Riffing in "Tribal" hervorzuheben... Das das einen der absoluten Höhepunkte der CD darstellt sagt an sich vielleicht schon alles was man wissen muss. Denn auch "Endless" macht seinem Namen wieder alle Ehre... Doch wer dachte, nach neun Songs die so unglaublich zäh waren sei schon Schluss, den muss ich enttäuschen es gibt noch eine - nein keine Instrumental-CD - eine Orchstral-CD! Für mich als alten Klassik-Fanatiker könnte das ja eigentlich was schönes sein. - "Eigentlich"!

Nachdem ich nun schon mehr Schlechtes über eine meiner absoluten Lieblingsbands gesagt habe, als ich je dachte zu sagen, möchte ich aber über die zweite, komplett orchestral gehaltene, CD nur soviel verlieren: Bis auf ein paar Ausnahmen war ich nie ein Fan der reinen Orchesterversionen von NIGHTWISH, denn wenn man einfach nur Band und Gesang wegnimmt und vielleicht wo nötig noch ein paar orchestrale Solostimmen dazugibt klingt das trotzdem noch nach nichts, denn es kommt dem Originaltrack meistens nicht nahe, diese Orchestral-CD unterbietet aber selbst das noch an Spannung. Einzig der Teil "The Green" des Longtracks "All The Works Of Nature Which Adorn The World" verspricht ein klein wenig davon, aber beileibe nicht zu viel. So langweilig, Herr Holopainen ist die Natur mit Verlaub nicht! Und orchestrale Musik ohne Band macht noch keine gute klassische Musik!

Eigentlich ist es eine Glanzleistung der besonderen Art, dass eine Platte gleichzeitig so überladen und stinklangweilig, sowie gut gemischt, gemastert und eingespielt, und auf der anderen Seite schlecht klingend sein kann. Aber für NIGHTWISH ist es mit Verlaub doch ein wenig arg beschämend... Es ist mir auch ein vollkommenes Rätsel wieso sich an solch einem Werk die Geister scheiden können, vielleicht ist es, weil das Ganze künstlich auf pseudo-progressiv und pseudo-intellektuell gemacht ist, aber seien wir ehrlich: Würde ein anderer weniger bekannter und proffilierter Bandname draufstehen, würde es die Welt mit Freude von vorne bis hinten zerreißen. Aber auch zu KISS Shows gehen noch Besucher, also muss man sich nicht wundern. Leute lassen sich gerne verarschen wie es scheint.

1 / 5 - Marc F. Folivora

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: manfred
Seite 3: Lord Seriousface
Seite 4: Schäff Koch
Seite 5: Jazz Styx
Seite 6: Lisi Ruetz
Seite 7: Anthalerero
Seite 8: Marc F. Folivora
Seite 9: Sonata
Seite 10: Fazit


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