ONE DESIRE - das 'Midnight Empire' Gangbang-Review

Veröffentlicht am 18.05.2020

Zu Beginn meines Beitrages kann ich gar nicht deutlich genug machen, dass ich hier definitiv falsch abgebogen bin. Mir kann kein Porngrind zu dreckig, kein Brutal Death Metal zu heftig und kein Depressive Suicidal Black Metal zu verzweifelt sein. Melodic Rock würde bei mir nur im Fahrstuhl hinab in mein persönliches Fegefeuer gespielt. Und jetzt soll ich die neue Platte „Midnight Empire“ der finnischen ONE DESIRE bewerten. Das kann ja nur schiefgehen!

In aller Kürze kann ich festhalten, dass André Linmans Stimme es trotz der Emotionalität nahezu immer schafft, innerhalb eines gewissen Rahmens der Unkitschigkeit zu bleiben. Das gilt für das musikalische Drumherum allerdings nicht ganz, dürfte aber eben genau damit bei vielen Herzen ins Schwarze treffen. Gäbe es einen Eurovision Rock Song Contest, würde ich dort ganz auf den fünften Track namens „Heroes“ setzen. Und das darf man gern ohne Zynismus lesen. Mir persönlich mag die Musik auf „Midnight Empire“ zu kantenlos und gefällig für die eigene Playlist sein, aber meine Lieblingsbands erobern auch selten die richtig großen Bühnen, was ich ONE DESIRE durchaus zutraue. Dafür benötigen sie aber wahrscheinlich noch einige Alben Geduld oder etwas mehr Mut zur Unverwechselbarkeit.

Nun möchte ich aber lieber ein paar Blicke auf zwei zur aktuellen Platte gehörenden Videos – die gegenwärtigen Visitenkarten von ONE DESIRE – werfen, anstatt jenseits meiner Kernkompetenzen über eventuell ziemlich starke Musik zu nörgeln.
 


 

Der Album-Opener „Shadowman“ (erschien Ende März 2020) gehört zu den angriffslustigeren, energetischeren Songs der Platte und will mit vergleichsweise düsteren und fast ein wenig metalligen Elementen wohl das härtere Publikum abholen, das nicht allein für ein paar Rockballaden auf ein Konzert gehen würde. Auch wenn das Video außer einigen Stimmungsbildern vorwiegend die Band zeigt, vermittelt es – abgesehen von einigen zu gewagten Kamera-Drehs – eine gelungene Kulisse zu einem berührenden Song.
 


 

Eine weitere Video-Veröffentlichung gehört zu „After You're Gone“, einem Herzschmerz-Song, der einige der wesentlichen Kompetenzen der Boyband ONE DESIRE gezielt ausspielt. Die emotionale Nachvollziehbarkeit, eine traurige junge Frau und ein attraktiver André Linman als Identifikationsfiguren für den Zuhörer oder seine*ihren Angebetete*n im Video zielen auf den nie enden wollenden Markt enttäuschter Herzen. Der musikalische Stil erinnert ein wenig an den 80er Poprock à la „(I Just) Died In Your Arms“ von CUTTING CREW, kann aber mit dessen Treffsicherheit eindeutig nicht mithalten – auch das Video damals war interessanter.

2,5 / 5 - Jazz Styx

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Jazz Styx
Seite 3: Ernst Lustig
Seite 4: Anthalerero
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Hans Unteregger
Seite 7: ADL
Seite 8: Fazit


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