ONE DESIRE - das 'Midnight Empire' Gangbang-Review

Veröffentlicht am 18.05.2020

Dass man gerade im streichelzarten AOR keine Härteeruptionen erwarten kann, sollte eigentlich von vornherein klar sein. Dennoch hätte man sich auf ONE DESIREs "Midnight Empire" mehr Tiefe im Soundgewand gewünscht, diese Dynamik, die einem in den epischen Momenten das Stadionfeeling bringt und den Erpelpelz über den Buckel jagt, fehlt leider vollständig – das Album schlängelt sich aalglatt am Gehör vorbei, wie die tägliche Dosis Mainstream-Formatradio die im nächstbesten Bekleidungsgeschäft aus den Lautsprechern rieselt. Dass der Sound in Zuckerwatte gepackt ist, das ist man von vergleichbaren Gruppen gewohnt, ja, man erwartet direkt den süßlichen Brei aus den Boxen tropfen zu hören – doch auf „Midnight Empire“ hat man es mit dem Bügeleisen fraglos ein wenig übertrieben.

Das ist insofern schade, da die Songs einige große Momente bereithalten, wie beispielsweise das smoothe „After You're Gone“, dessen Refrain wunderbar zum Mitsingen einlädt, oder auch der Ohrwurm „Heroes“, der die außerordentlich starke Gesangsleistung der Finnen nachhaltig unterstreicht. Dennoch büßen die Songs einiges an Gänsehautmomenten ein, die ein dynamischerer Sound nachhaltiger herausarbeiten hätte können, wie man gerade in Titeln wie „Rio“ merkt, der einen zwingenden Refrain mitbringt, wie man ihn von starken AOR-Alben erwartet. Einzig „Killer Queen“ hat man zumindest ein paar Ecken und Kanten gelassen, was dem Song den unterschwelligen Wumms verleiht, den man über weite Strecken des Albums vermisst. Ihre Sache ebenfalls gut, macht die Ballade „Only When I Breathe“, die als Abschluss des Albums noch einmal einen gesanglichen Höhepunkt setzen kann.

Unterm Strich ist man beim zweiten Album von ONE DESIRE ein wenig zerrissen. Einerseits ist das Songwriting äußerst stark geraten und vor allem die bockstarken Refrains können sich genretypisch hervortun, jedoch raubt die allzu seicht geratene Produktion, wie man sie eher von Retortenprodukten aus dem Pop-Bereich kennt, dem Album einiges an Dynamik. Mit prägnanterem Sound könnten sich ONE DESIRE im AOR-Spitzenfeld herumtreiben, so langt es leider nur fürs gehobene Mittelfeld. Aber die Finnen stehen ja erst bei ihrem zweiten Album, da geht bestimmt noch einiges.

3,5 / 5 - Anthalerero

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Jazz Styx
Seite 3: Ernst Lustig
Seite 4: Anthalerero
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Hans Unteregger
Seite 7: ADL
Seite 8: Fazit


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