ONE DESIRE - das 'Midnight Empire' Gangbang-Review

Veröffentlicht am 18.05.2020

Gangbang-Reviews sind etwas wirklich Feines, denn neben einem hohen Unterhaltungswert für Leser und Teilnehmer, bieten die beliebten Gruppenereignisse auch immer wieder gute Gelegenheiten, sich mal völlig außerhalb seiner Komfortzone auszutoben und den eigenen Horizont zu erweitern. Ohne den geschätzten Rudelbums wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, mich eingehender mit einer Band wie ONE DESIRE zu befassen. Als bekennender Verehrer der wiederkäuenden Sangeskünste [Anm. d. Lekt.: *rülps*] sieht man sich schließlich einer äußerst veröffentlichungsfreudigen Nische angehörig, in der es nur selten langweilig wird. Doch wenn es hart auf hart kommt und der nächste Gangbang vor der Tür steht, müssen meine heißgeliebten Kalauer der Marke „AOR steht für: Ausschalten Oder Rennen“ einer ernst gemeinten Auseinandersetzung weichen. Und auf die Gefahr hin, dass ich mich hier als Genre-Grünschnabel und musikalischer Rüpel zünftig disqualifizieren möge, steigen wir frohen Mutes ein in meinen Beitrag zu ONE DESIREs Zweitwerk „Midnight Empire“.

Dass es ein Werk wie „Midnight Empire“ schwer haben würde, in mir dieselben Gefühlsregungen zu verursachen wie die aktuellen Werke von…sagen wir mal DARK FORTRESS oder WARBRINGER…dürfte nicht weiter verwundern. Aber: der Dreher macht mir zugegebenermaßen sehr viel mehr Spaß, als ich anfangs gedacht hätte – und das kann man nun durchaus als Etappensieg oder ein Indiz für gehobene Qualität werten.

Und um nun die passende Überleitung in eine tiefergehende Betrachtung zu finden, subsummiere ich meine Eindrücke zum Testobjekt dahingehend, dass ONE DESIRE immer dann am besten funktionieren, wenn sie den „Rock“ in „Melodic Rock“ groß schreiben und zeigen, dass sie mit Gitarren und Druck auf dem Kessel umgehen können. Der Opener „Shadowman“ macht in dieser Hinsicht einen sehr sympathischen Einstieg und verbindet gekonnt handgemachtes Geklotze an der Klampfenfront mit heiteren Keyboards und insulinwirksamen Pop-Schlagseiten, ohne dass man sich dabei als Hartbrot-Connaisseur allzu sehr vor den Kopf gestoßen fühlt. „After You’re Gone“ büßt in dieser Hinsicht schon etwas ein, woraufhin „Down And Dirty“ – trotz eines unverschämt klebrigen Refrains, den man eigentlich nur lieben kann - zu gefühlt 97% dem Radiopop frönt und sich damit zumindest für eingefleischte Rockverfechter entbehrlich macht. Doch wer nun eine Abwärtsspirale befürchtet, wandelt auf hölzernen Pfaden, die spätestens von „Through The Fire“ sauber und rückstandslos abgefackelt werden. Was hier als emotionale, aber zu keiner Zeit käsige Ballade an den Start geht, entpuppt sich im weiteren Verlauf als regelrechtes progressives Manifest…als gitarrentechnischer Gott-Song, der episch und erhaben die Hirnwindungen infiltriert und solotechnisch als absolute Meisterleistung gewertet werden kann – und muss! Auch danach bleibt die Unterhaltungskurve – abgesehen vielleicht mal von dem eher schmerzhaften „Rio“ - stabil und bietet mit „Battlefield Of Love“ noch einen netten Ohrwurm in der zweiten Halbzeit.

Hut ab, denn alles in allem haben ONE DESIRE kompositorisch und handwerklich ordentlich was auf dem Kasten. Es lässt sich jedoch nicht bestreiten, dass die rockigeren Stücke im Gesamtranking klar die Nase vorne haben. Mehr davon hätte „Midnight Empire“ sicherlich gutgetan. Mehr „Shadowman“, mehr „Through The Fire“ und weniger „Rio“ - dann könnte ich mich glatt den Begeisterungsstürmen meines geschätzten Kollegen Lustig anschließen. Aber mit dem hohen Anteil an Zuckerorgien, die zwar oft nett anzuhören sind, aber mit Rock kaum mehr was am Hut haben und zuweilen recht austauschbar wirken, bleibe ich im Hinblick auf meine Benotung auf dem Teppich.

3,5 / 5 – Lord Seriousface

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Jazz Styx
Seite 3: Ernst Lustig
Seite 4: Anthalerero
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Hans Unteregger
Seite 7: ADL
Seite 8: Fazit


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