Flusensieb #34 - 10 kurze Platten-Reviews

Veröffentlicht am 04.06.2020

Das Flusensieb - Das doppelte Netz, in welchem noch einmal die scheidenden Bands auf Tauglichkeit durchgesiebt werden, war wieder fleißig und hat erneut zehn Bands vor dem ewigen Nirvana bewahrt. Um die Zählung unseres hoch geschätzten Kollegen Jazz fortzusetzen, vermelden wir gehorsamst Kurzreviews 568 - 577. Und allesamt kleine oder große Perlen unter den Flusen. Heute mit dabei: Plätschernde Fitzelchen aus Neuseeland, naives Gitarren-Riffing, Doom-Demo-Resteverwertung, ein brennend heißer Tipp ohne Blast-Beat-Ping-Pong, ein weniger quadratisches, aber ebenso gutes Schweden-Quintett, ein Symphonic Death Metal-Space Trip, Core mit ordentlich Moshpit-Attitude, ein Augenbrauen-Schreckmoment, atmosphärische Postkartengrüße von Lovecraft und ein Prog-Math-Djent-Spagat mit freundlichen Grüßen aus Russland. Wenn da nicht für jeden was dabei ist!
 


 

ENOCH - Killing Starts Where Hate Begins

Vier Songs, 15 Minuten Spielzeit, ein Highlight: Die Debüt-EP der Neuseeländer ENOCH zeichnet sich leider weder durch herausragende Vocals noch ein spannendes Songwriting aus. "Pieces" plätschert eher vor sich hin, "Reasons Why" kann zumindest im Instrumentalen punkten, "Stranger" überzeugt mit dem einzigen Solo des Albums. "Loner" ist hoffentlich ein Ausblick auf künftige Veröffentlichungen und der einzige Song, der von Anfang bis Ende groovt. Lauter kleine Fitzelchen an guten Momenten, die letztlich aber doch nicht ausreichen, um das Album großartig aufzuwerten. ENOCH bringen leider keinen frischen Wind in das Alternative-Genre und sind maximal als durchschnittlich einzustufen. (AO)

 


 

THY CATAFALQUE - Naiv

Mit "Naiv" veröffentlichte Tamás Kátai, aka THY CATAFALQUE sein neuntes Album in zwanzig Jahren Projektbestehen. Tauchte man mit dem Vorgänger "Geometria" noch in eher ruhigere Klangwelten ein, nimmt "Naiv" wieder mehr Fahrt auf und besticht durch vermehrtes Gitarren-Aufkommen inkl. Black Metal-Riffing sowie mit Einstreuungen verschiedenster Elemente wie groovigen Bass-Lines, akustischen Instrumenten, Klavier bis hin zu Folk und Jazz. Gesang spielt wieder eine untergeordnete Rolle und taucht hauptsächlich in Form von weiblichem Klargesang auf. Erneut ein hoch spannendes Hörerlebnis, auf das man sich als Kátai-Neuling jedoch erst einlassen muss. Dranbleiben lohnt sich aber. (AO)

 


 

CANDLEMASS - The Pendulum

Mit der EP „The Pendulum“ präsentieren CANDLEMASS (mit Johan Längqvist an den Vocals) „Überbleibsel“ (größtenteils Demos) vom letztjährigen „The Door To Doom“ Album. Die drei 5+ Minüter hätten perfekt auf das Album gepasst, besonders der Titelsong und „Snakes of Goliath“ sind großartig. Dann gibt es da noch drei Songs, die nur um die 1:30 dauern. Davon könnte man sich „The Cold Room“ auch in dieser Form sehr gut als kurzes Instrumental in einem Album vorstellen. „Sub Zero“ und „Aftershock“ hingegen klingen einfach unvollständig. Hoffentlich greift man sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf und arbeitet sie aus. Trotzdem wird jeder CANDLEMASS-Fan an der EP seine Freude haben. (BS)

 


 

PRIME CREATION - Tears Of Rage

Quintett – Schwedisch – Gut. Damit wäre eigentlich schon so gut wie alles gesagt. PRIME CREATION liefern mit dem Album „Tears Of Rage“ einwandfreien und starken Schweden-Metal mit einem feinen melodischen Hauch-von-Prog-Einschlag ab. Angenehme Tonlage mit teils räudiger Färbung, flotter Rhythmik, Abwechslung im Aufbau der einzelnen Songs und genügend Ohrwurm-Affinität, um jeden einzelnen Track ordentlich mitzufeiern, inklusive. Jeder, der sich auf hohem Niveau im melodischen Power-Bereich unterhalten lassen will, ohne zu riskieren, von Melodie- und Bombastwänden weggeblasen zu werden, sollte hier kräftig zulangen! Anspieltipp? Eigentlich alle! (lisi)

 


 

WELTENBRAND - Abgrund

Der Name ist Programm. "Abgrund", der erste Langspieler des deutschen Fünfers WELTENBRAND, macht von Beginn an klar, dass man hier eine düstere, fast schon erdrückende Grundstimmung zu erwarten hat. Hier wird Extreme Metal in Reinform geboten, klassische Black Metal-Riffs treffen auf treibende Drums, garstiges Gekeife auf bitterböse Growls. Auch die Produktion ist alles andere als unterirdisch. High Quality Underground Blackened Death Metal sozusagen, ganz ohne stumpfes Schredder- und Blastbeat-Ping Pong. Ein heißer Tipp für die geneigte Anhängerschaft. (AO)

 


 

AEONS CONFER - Zero Elysium

Sechs Jahre nach dem LP-Erstling "Symphonies Of Saturnus", von dem sich Kollege Wilsberg überaus begeistert zeigte, bescheren uns die Hamburger AEONS CONFER mit "Zero Elysium" erneut ein modernes Symphonic Death Metal-Brett mit SciFi-Anstrich. Geliefert werden solide Midtempo-Brecher, die sich jedoch trotz offensichtlicher DEVIN TOWNSEND- und FEAR FACTORY-Anlehnung nicht überaus lange in den Gehirnwindungen festsetzen. Gerade der Mittelteil bildet einen spannungsmäßigen Durchhänger, das letzte Drittel besitzt wieder mehr Vielschichtigkeit. Dichte Atmosphäre, guter Groove, gute Produktion, letztendlich aber doch "nur gut". Highlights: "Nemesis" und das Instrumental-Stück "Pandemonium". (AO)

 


 

ROYAL DESOLATION - Lost

Fünf Songs in knackigen 20 Minuten bietet die Debüt-EP "Lost" der Schweizer ROYAL DESOLATION. Breakdowns, Growls, Blastbeats - alles da. Wenn man in ferner Zukunft wieder ein Konzert besuchen kann und vor lauter Euphorie nicht auf einen guten Moshpit verzichten will, sollte man bei ROYAL DESOLATION vorbeischauen. Das Quintett steht auf Härte, vermischt diese aber gekonnt mit der richtigen Prise Melodik. Die Jungs wissen also genau, wo sie hinwollen. Im dicht gedrängten Core-Gebiet werden sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach zu behaupten wissen. "Lost" ist für eine erste Veröffentlichung mehr als akzeptabel, Genre-Freunde können bedenkenlos zugreifen. (AO)

 


 

SILENT CALL - Windows

Ein klein wenig verwirrend ist es ja schon. SILENT CALL liefern mit ihrem Album „Windows“ starke musikalische Beschallung, die Lust auf mehr macht. Bis die Vocals einsetzen und unweigerlich mindestens eine Augenbraue gen Himmel zuckt. Beinahe eines Kontrasts gleich, wirkt die stimmliche Darbietung angesichts der vielen melodischen Ausschweifungen, die den Hintergrund gekonnt füllen. Fast schon zerstörerisch rau, zu mächtig, zu „leidend“. Und gleichzeitig faszinierend, dass dieses Konträre dann doch etwas ergibt. Etwas Spannungsgeladenes allemal. Man wandelt als Hörer auf einem verdammt dünnen Grat, erschreckt sich zwar ein bisschen, will aber trotzdem dranbleiben. (lisi)

 


 

POSTCARDS FROM ARKHAM - Oakvyl

Abtauchen in düstere, Lovecrafteske Gefilde kann man mit POSTCARDS FROM ARKHAM auf ihrem vierten Streich "Oakvyl". Hierbei handelt es sich nicht um ein klassisches Post-Rock-Soundgewand, das sich die Tschechen da umgehängt haben. Nach einem eher brachialen Einstieg, der nicht immer mit fließenden Übergängen in den Stilphasen punkten kann, geht es im Stile von treibendem Post Rock - der mit u.a. Klavierklängen, häufigen Tempiwechseln und Doublebass gespickt ist - weiter. Generiert wurden damit viele atmosphärische Momente, die zu überzeugen wissen.  Wer Lust auf ein abwechslungsreiches Hörerlebnis hat, sollte zugreifen - POSTCARDS FROM ARKHAM wissen, wie es geht. (AO)

 


 

WALKING ACROSS JUPITER - Sane

Instrumentalen Hochgenuss erfährt man auf "Sane" von WALKING ACROSS JUPITER. Die drei Russen schaffen mit Leichtigkeit den Spagat zwischen Prog, Math-Anleihen, einer Prise Post Rock und Djent-Gitarren und erzeugen so ein 44-minütiges Hörerlebnis, das mal im Uptempo angesiedelt ist und mal "Thoughtful" - zumindest kurzzeitig - durch ruhigere Klanggebiete führt. Zwar erfindet die Band das Progressive-Rad nicht neu, das ist aber auch überhaupt nicht notwendig, um ein Album zu präsentieren, das Spaß macht. "Sane" sollte jedenfalls in keiner Proghead-Sammlung fehlen. Anspieltipp: "Bravery" (AO)

 


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