FEUERSCHWANZ - das 'Das elfte Gebot' Gangbang-Review

Ich kann mich noch gut erinnern, es war vor vielen Jahren, als ich in Abenberg am hinteren Ende des Schlosshofes stand und versucht habe, mir die Band, die da gerade auf der Bühne versuchte, irgendwie lustig und möglichst zweideutig zu sein, gut zu trinken. Fast schon verzweifelt haben wir uns bei gefühlten Minusgraden ein süffiges Spalter-Bier nach dem nächsten in die Figur geschüttet, gehofft, die Typen da musikalisch, textlich, klamauktechnisch...ach, eigentlich nur auf IRGENDEIN Niveau zu saufen. Übriggeblieben – oder eben nicht übriggeblieben, sind Gallonen von Spalter-Bier und die Gewissheit, dass bei der Truppe definitiv nichts mehr zu retten war. Das war also das erste Mal, dass ich FEUERSCHWANZ in meinem Ereignishorizont erfasst habe. Und, es ist zu erahnen, nicht sonderlich positiv.

Nun, Jahre später, sitze ich vor der hundertdrölfzigsten Umdrehung der neuen Scheibe „Das elfte Gebot“ und frage mich, welchen Met FEUERSCHWANZ da wohl erwischt haben müssen, um einen derartigen Höhenflug in... in Allem zu vollziehen! Schon das letzte Album konnte ich nicht anders als feiern und ich hätte mir niemals vorstellen können, dass sich diese Methorde musikalisch und auch unterhaltungstechnisch so dermaßen hocharbeitet, mich so begeistert – und nach „Methämmer“ noch eins drauflegt. Noch einmal: Welchen heiligen Gral haben die in ihrem Methorn gefunden?

FEUERSCHWANZ liefern bei den elf Songs von „Das Elfte Gebot“ eine geballte Ladung an großartigen Songs, die neben absoluter Ohrwurmlastigkeit und sehr viel Mitsing-Charakter auch musikalisch hoch angesetzt und weitaus power-durchdrungener sind. Und es gibt tatsächlich keinen einzigen Track, der in irgendeiner Weise schwächelt. Weder das Aushängeschild „Das elfte Gebot“, das sowohl einen starken Song als auch eine coole Message liefert, noch der schnelllebige Party-Opener „Meister der Minne“ lassen auch nur einen Moment zweifeln, was hier los ist. In dieselbe FEUERSCHWANZ-Mitspring-Kerbe schlägt auch „Mission Eskalation“ - „Hoch das Horn und Gummibär!“ (Was, kennt ihr nicht? „Gummibär'n, hüpfen hier und da und überall...“ Ohrwurm? Gern geschehen). Das fast schon mit dem epischen Zeigefinger geschmetterte „Im Bauch des Wals“, so wie auch das anklagend gestampfte „Malleus Maleficarum“ und alles, was dazwischen liegt auf dieser Scheibe – es gibt wirklich NICHTS, was zwischen der Hochwertigkeit irgendwo in die Metpantsche versinken könnte. Persönlich auf einen Lieblingssong einigen konnte ich mich noch nicht mal mit mir, denn wo andere Scheiben am Ende auslaufen, wird hier mit den Power-Krachern „Totentanz“ und „Lords of Powermet“ noch einmal richtig dreingeschlagen. Bei letzterem Song habe ich mir zudem auch direkt noch ein paar Flaschen Met bestellt.

Zudem zu erwähnen wäre da noch, dass es durchaus Songs gibt, in welchen kritischere oder aktuellere Thematiken besungen werden, als Met und Miezen (was könnte schon ernster sein als das?). Und trotzdem schaffen die Songs die Gratwanderung zwischen erhobenem Zeigefinger und Feier-Song perfekt. Will man die Botschaft für sich annehmen, tun die Songs ihre Wirkung. Will man dies aber außer Acht lassen, hat man immer noch einen saustarken Song vorliegen, den man ohne Kompromisse durchfeiern kann.

Und dem noch nicht genug, haben sich die Herrschaften noch zu einem Doppel-Höhepunkt verleiten lassen und mit „Die sieben Todsünden“ eine Palette von sieben (Zufall?) Cover-Versionen erwählt, die FEUERSCHWANZ mit ihrem Stil würzen, die Stärke der Songs aber dabei noch hervorheben. Die Macht von „Alex“ wird zum wahren Brecher, während der Groove, den „Ding“ oder „Limit“ mit sich bringen, noch mal ordentlich pusht. Einziger (persönlicher – und nicht ganz so dramatischer) Durchhänger ist hier lediglich „Engel“, was aber nicht an der Performance von FEUERSCHWANZ liegt, die daraus ein ordentliches und selbst für mich durchaus hörbares Stück  machen, sondern an der eigenen Abneigung gegen den Song (und die Original-Band). Tja, nun ist es raus, verschont mich vor dem Scheiterhaufen, ist eh schlecht für die Umwelt.

Ergo: FEUERSCHWANZ hat die Latte schon beim letzten Album extrem hoch gelegt. Und nun marschieren sie sowohl mit den eigenen Songs als auch mit den Cover-Versionen im Zeichen des Drachenbanners mitten durch alles, was nicht bei drei dem Horn huldigt.
Ich hätte mir das vor einigen Jahren in Abenberg niemals gedacht, aber FEUERSCHWANZ: 5 von 5 Punkten! TOP!

5 / 5 – Lisi Ruetz

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Lisi Ruetz
Seite 3: Christian Wiederwald
Seite 4: Schäff Koch
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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