FEUERSCHWANZ - das 'Das elfte Gebot' Gangbang-Review

„Das elfte Gebot gebietet zu leben“ – bedeutungsschwangere Zeilen wie diese zeugen von nahezu philosophischem Gedankengut. Sollten die met-affinen Spaßmacher von FEUERSCHWANZ eines Tages doch noch erwachsen werden? Sollte ihr neues Album „Das elfte Gebot“ womöglich mehr zum Nachdenken als zum Bechern anregen und vielleicht sogar das Stigma einer „Kirmes-Metal-Band“ durchbrechen? Müssen sich die Lebemänner unter den Mattenträgern am Ende eine neue Spaßband suchen und ein weiteres Idol ihrer durchzechten Jugend sinnbildlich zu Grabe tragen? Die möglichen Antworten auf diese Fragen reichen von einem simplen „alles wie immer“ bis hin zu absurden Vorstellungen eines gealterten Hauptmanns, der mit ernster Miene mittelalterliche Steuertipps vorträgt – und wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Über verkannte Werte im Leben...

Der Wert unserer begrenzten Zeit auf Erden wird heutzutage wahrlich unterschätzt – in dieser Hinsicht betreibt der eingangs zitierte Titelsong geradezu lebenspädagogische Wertschöpfung. Die Erkenntnis, dass der Sensenmann - mehr im übertragenen als wörtlichen Sinne - „morgen“ vor der Tür steht, führt unweigerlich zu dem Schluss, dass man mit dem „heute“ mehr anfangen sollte als den schnöden Status- und Funktionserhalt. Sinn und Unsinn ausgedehnter Metfeste und Lüstereien erhalten in diesem Licht ein gänzlich anderes Gewicht - denn ein Tag ohne Freude ist ein verlorener Tag. Doch auch, wenn die Botschaft des Tracks Frohsinn predigt, bringt die zu Grunde liegende zeitliche Limitiertheit des Lebens doch einen gewissen Schwermut mit sich, der durch den melancholischen Grundton des Tracks und die hart metallischen Riffs einfühlsam vertont wird. Oder um es kurz zu machen: ein Hit!

...großen Durst...

Vor diesem Hintergrund wäre es vollkommen vermessen, dem Genuss betörender Tränke und dem Besingen desselben vollends abzuschwören. Deshalb bleiben FEUERSCHWANZ natürlich FEUERSCHWANZ und liefern auch mit ihrem aktuellen Werk potenten Nachschub für ihren langen Katalog feuchtfröhlicher Dursthymnen, die man einfach abfeiern muss. „Metfest“ fungiert dabei mit als Anheizer und mausert sich mit reichlich Wortwitz und ineinandergreifenden Textzeilen zum Ohrwurm und Anspieltipp. Nachdem zwischenzeitlich auch ernstere und nachdenklichere Songs auf dem Plan stehen, appelliert „Lords Of Powermet“ im letzten Drittel noch einmal an die Trinkfestigkeit der Hörerschaft, wenn auch mit einem weiter angezogenem Härtegrad. Das Trinken ist eben doch was für harte Kerle – „nunc est bibendum – carpe noctem“! Sowahr, ich habe nie zu den FEUERSCHWANZ-Hatern gehört und ihre unterhaltsamen Shows stets genossen...insoweit holen mich auch die besagten Songs ohne Mühe ab. Dennoch sei betont, dass die Stücke – wie auch by the way der Rest des Albums – schlicht und einfach gut gemacht sind.

...und Dinge, die man sich schöntrinken kann

Was bringt „Das elfte Gebot“ sonst noch so mit? Der gemeine „Kampfzwerg“ ist ja im Grunde auch nicht viel mehr als ein kurz gewachsener Vernichter von Honigwein und „Hopfensmoothies“, der bis auf gelegentliche Raufereien ein qualifizierter Kandidat für den Powermet-Orden ist. Der „Meister der Minne“ hat dagegen ein weitaus schwereres Kreuz zu tragen – bleibt er auch bei virtuosem Sinnesraub zu maximalem Lustvorbehalt verdammt. So bleibt dem feuerschwänzigen Barden am Ende statt des ersehnten Betts in Flammen wieder nur eine stattliche Portion Brandsalbe für die rechte Hand...und der abermalige Gang zum tröstend berauschenden „Metfest“. Die Sache mit dem elften Gebot ist nun mal frei auszulegen. Nur allzu gerne würde ich an dieser Stelle noch über Sinn und Inhalt von „Im Bauch des Wals“, „Malleus Maleficarum“ oder „Totentanz“ referieren. Aber wie aus Zauberhand schallt es in meinem Kopf stetig „Mission Eskalation“, weswegen ich nur mit Mühe einen Freud'schen Versinger der Marke „(...) gönnt euch die vollen FÄSSER!“ vermeiden kann...

Die sieben Todsünden

Ein starkes Album haben die FEUERSCHWÄNZE mit „Das elfte Gebot“ also schonmal am Start. Doch damit nicht genug: als Bonus versuchen sich die Damen und Herren an diversen Klassikern aus Rock, Pop und Metal. Ob man besagte Stücke nun als kultig oder käsig, immergrün oder ausgelutscht empfindet – in der hier dargebotenen Form erhalten sie auf alle Fälle einen neuen bis grundverschiedenen Anstrich. Am besten funktionieren dabei jedoch – wer hätte es geahnt – die Songs, die genrebedingt den höchsten Verwandtschaftsgrad haben. POWERWOLFs „Amen & Attack“, SABATONs „Gott mit uns“ und mit Abstrichen auch RAMMSTEINs „Engel“ kann man demnach als sehr gelungen und erfrischend intoniert bezeichnen. Auch die Coverversionen von SEEED, DEICHKIND oder ED SHEERAN kann man sich in der Mittelalter-Version durchaus geben – und Hand auf's Herz: anders hätte sie der Verfasser eh niemals kennengelernt. Einzig dem altehrwürdigen HOSEN-Hit „Hier kommt Alex“ geht im Vergleich zum Original etwas Drive und die Atmosphäre verloren. Man kann halt nicht immer gewinnen...von einem Reinfall zu reden, wäre jedoch übertrieben. Vielmehr darf man für diese bunte Mischung von „Todsünden“ und die überwiegend bespaßenden Neuinterpretationen anerkennungsvoll das Trinkhorn recken.

Starkes Paket unter dem Drachenbanner

Alte Trademarks, harte Klänge und ein gesundes Maß Evolution - „Das elfte Gebot“ vermittelt Lebensweisheiten, Durst und gute Laune. Diehard-Fans kommen dabei genauso auf ihre Kosten wie Neueinsteiger und auch für eine Druck-Indoktrination im Bekehrungskerker eignet sich der Dreher bestens. Im Paket mit „Die sieben Todsünden“ bedeutet das satte 70 Minuten heitere Tafelrunde, die man vorbehaltlos weiterempfehlen kann. Gut, dass das wohl wichtigste Gebot trotz fehlender Steintafel nicht in Vergessenheit geraten ist. Was wohl damit passiert ist? Sagen wir es mal so: das Trinken und Feiern ist so alt wie die Menschheit selbst.

4 / 5 - Lord Seriousface

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Lisi Ruetz
Seite 3: Christian Wiederwald
Seite 4: Schäff Koch
Seite 5: Lord Seriousface
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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