ENSIFERUM - das 'Thalassic' Gangbang-Review

Ich gebe zu, ich habe ENSIFERUM in den vergangenen zehn Jahren ein wenig aus den Augen verloren. Während ich gerade die ersten Alben und damit zeitlose Göttergaben von Songs wie „Token Of Time“ oder „Treacherous Gods“, welches bei mir noch immer die ultimative Versinnbildlichung von Epik darstellt, äußerst ausgiebig abgefeiert habe und die Herren in den einstelligen Tausender-Jahren auch auf einigen Touren begleiten durfte, schlichen sich die Finnen nach dem eher durchwachsenen „From Afar“ still und heimlich aus meinem Ereignishorizont. Irgendwie wollte alles was danach kam nicht so wirklich zünden bei mir, auch nicht bei den sporadischen Live-Begegnungen.

Doch wofür gibt es unser Gangbang-Format! Zeit dem neuen, inzwischen achten Album von ENSIFERUM ein bißchen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und auszutesten was die Finnen denn inzwischen können – oder auch nicht mehr können.

Das Intro „Seafarer's Dream“ baut sich vielversprechend auf, ehe „Run, Women Victory“ mit diesen epischen, harmonischen Gitarrenabfahrten um die Ecke kommt, die auf früheren Alben regelmäig für Gänsehaut sorgten. Auch „Andromeda“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, scheint sich aber recht offensichtlich ein paar Ideen von der selbstbetitelten Scheibe aus 2001 ausgeborgt zu haben. „The Defence Of The Sampo“ ist schön episch, aber könnte insgesamt schon ein wenig zwingender und knackiger agieren. „Run From The Crushing Tide“ bringt das, was in „Andromeda“ ein klein wenig zu sehr nach Selbstkopie klang, deutlich besser rüber und serviert mit angezogenem Tempo und starkem Zusammenspiel aus Growls und Cleangesang einen veritablen Ohrwurm dank zwingendem Refrain. „For Sirens“ stampft gut und hat zwischendrin eine extrem starke Passage und versteht es nach eher verhaltenem Beginn die Midtempo-Epik doch recht gut zu transportieren.

„One With The Sea“ bemüht einmal mehr die ausufernde Epik der komplexeren, längeren Songschiene – das ist zwar grundsätzlcih stark arrangiert, doch der Song plätschert trotz Orchesterbombast und stampfenden Eruptionen eher mit schwachem Wirkungsgrad durch sechs Minuten Spielzeit. „Midsummer Magic“ erspielt sich dank fluffig-folkiger Attitüde schnell ein kleines Ohrwürmchen und kann auch gesanglich überzeugen – einen Ideenpokal gewinnen ENSIFERUM damit aber leider auch nicht. „Cold Northland (Väinämöinen Part III)“ stößt zum Abschluss mit abwechslungsreichen fast neun Minuten wieder in die Longtrack-Ebenen vor und meistert seine Sache zwischen bombastischen Arrangements, gegen Ende deutlich zunehmenden harschen Highspeed-Eruptionen und gelungenem Ohrwurmrefrain ziemlich gut.

Als Bonus gibt es in Form von „Merille Lahteva“ noch einen reduzierten, beschwingten Folksong und mit „I'll Stay By Your Side“ noch einen zähen, aber wirkungsvollen Stampfer.

Das war also das erste ENSIFERUM-Album seit zehn Jahren, mit dem ich mich wieder eingehender beschäftigte. Und ehrlich gesagt – es ist fraglos ziemlich gut geworden, aber wirklich vom Hocker reißen tut es mich auch nicht. Die Belanglosigkeit der letzten Alben setzt sich glücklicherweise nicht fort, aber von zwingenden Songs für die Ewigkeit sind die Finnen trotz wieder deutlich besser klingender Ansätze noch ein Stück entfernt. Im Großen und Ganzen ist „Thalassic“ aber wieder ein Schritt in die richtige Richtung und kann, zumindest bei mir, wohlwollendes Nicken ernten.

3,5/5,0 - Anthalerero


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Anthalerero
Seite 3: Christian Wiederwald
Seite 4: Ernst Lustig
Seite 5: Hans Unteregger
Seite 6: Lord Seriousface
Seite 7: Pascal Staub
Seite 8: Sonata
Seite 9: Fazit


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