ENSIFERUM - das 'Thalassic' Gangbang-Review

Natürlich werden ENSIFERUMs neuem Album „Thalassic“ wieder die 4 oder 4,5-Bewertungen nur so um den Paganschädel geschleudert werden. Als „großartig“, „episch“ und von ganz Kühnen als „wegweisend“ bezeichnet werden. Ein neuer Klassiker im Kanon der Finnen, womöglich ein Kandidat für das Album des Jahres. Da macht es auch nichts, dass das Intro wie Filmmusik aus den 80ern klingt.

ENSIFERUM also, die Band für den Wacken-Nachmittag, die Zeit in der sich Oberstufenschüler, Nagelpfleger*innen und Versicherungsvertreter in Ausbildung aber wirklich einmal ganz derb danebenbenehmen. Tralala, didl didl diiii und das eben erworbene Plastiktrinkhorn vermischen sich zu einem Wulst an streng riechender weißer Mittelschicht die wie einst auf der Maturareise steil geht.

ENSIFERUM also, mit ihrem ersten „Themenalbum“. Das Thema laut Band: „something related to sea or water“.

Warum auch nicht.

Eröffnet wird „Thalassic“ nach dem ewigen währenden Intro mit dem geselligen „Rum, Women, Victory“. Kein schlechter Opener für das Album und kein schlechter Opener für die Bühne, wie ich meine.

„Andromeda“ nervt mit dem ewig gleichen Grundthema der Gitarren, der Chorus kommt dafür recht anständig, der Song bietet in der Mitte auch reichlich Abwechslung. 1,5/2 bisher.

Irgendetwas mit Meer und Wasser haben sie gesagt. Sich diesem Thema annehmend säuft der nächste Song „The Defence Of The Sampo“ mit Anlauf ab. Wenn man sich schon nicht einmal mehr die Mühe macht, Riffs zu schreiben und nur mehr mit Powerchords durch das Lied schrammelt kann man möglicherweise von einem Armutszeugnis sprechen. Das Lied ist ein vertontes Wandtattoo, eine metallische Dauerwelle.

Speed/Powermetallisch hechtet „Run Form The Crushing Tide“ aus der Startbox, erinnert an die ganz frühen RHAPSODY, ist so originell wie ein Kurzurlaub in Kroatien, schlecht ist der Song aber absolut nicht.

„For Sirens“ beginnt mit einem Allerweltsriff, welches mich schnell zum Magenschutz greifen lässt sonst fährt mir der Reflux noch aus den Ohren, so unendlich unoriginell ist es. Das gesamte Lied hat man so und in ähnlicher Weise wohl schon so oft gehört, dass die angewandte Mathematik ans Ende der natürlichen Zahlen stößt. Das, liebe Finnen, ist absolutes NICHTS.

„One With The Sea“ ist wohl der epische Aufzeiger auf dem Album, mächtige Gesangsleistung aber es bewegt sich wenig im Lied. Gar nichts eigentlich. Fahrstuhlmusik mit Mjölnirbegleitung.

„Midsummer Magic“ … tja, Lords of the Dance mit verzerrten Gitarren. Fürchterlich.

Zum Abschluss noch die Acht Minuten Plus-Sperrstunde, hier kommen die ansonsten sparsam verwendeten Orchestrierungen ins Spiel, der Gitarrensound ist, wie auf dem gesamten Album, etwas drucklos, dafür nervt die getriggerte Snare.  Ab Minute Vier wird geblastet, der Song zieht anständig, beinahe thrashig, an, der beliebige Refrain nimmt dem Song aber viel Schärfe.

Insgesamt ein modern produziertes Album mit einigen Höhen und mehr Tiefen. Belanglosigkeit ist das große Thema hier. Natürlich wird sich das „Thalassic“ verkaufen wie Germ in der Corona-Krise, aber das Album ist Metal für Leute, die sich vor Ecken und Kanten in der Musik fürchten.

Jetzt nicht wirklich schlecht, aber von gut auch ewig weit entfernt.

2,5/5,0 - Christian Wiederwald


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Anthalerero
Seite 3: Christian Wiederwald
Seite 4: Ernst Lustig
Seite 5: Hans Unteregger
Seite 6: Lord Seriousface
Seite 7: Pascal Staub
Seite 8: Sonata
Seite 9: Fazit


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