ENSIFERUM - das 'Thalassic' Gangbang-Review

Zugegeben, ENSIFERUM haben mich seit ungefähr acht Jahren nicht mehr abgeholt. Die letzten beiden Werke (allen voran „Two Paths“) fand ich sogar absolut grauenhaft. „Unsung Heroes“ war es 2012, wo ich noch eine Verbindung aufbauen konnte, aber wenn ich ganz ehrlich bin, kam der letzte richtige Kracher 2009 mit „From Afar“. Warum bin ich also hier? Naja, irgendwie lag eine Überraschung in der Luft und ich war allgemein sehr empfänglich für dieses Genre. Unter anderem war ich außerdem gespannt, was für einen Impuls der neue Keyboarder Pekka Montin liefern würde, der neben dieser Tätigkeit auch Vocals beisteuern würde. KÖNNTE ja einen positiven Einfluss nehmen!

Neu und doch alt? Alt und doch neu?

Uff! Ein drei Minuten langes Intro? Really? Na das kann doch nix… Schnauze! Was zur Hölle ist dieses Intro bitte für ein atmosphärisches Meisterwerk? Selten gingen drei Minuten schneller um und selten haben mich drei Minuten hungriger auf den Opener eines Albums gemacht. Der Titel hält mit „Rum, Women, Victory“ genau das, was er verspricht. Es geht mit Uptempo-Geballer in die Vollen und das mehr als ohrwurmtaugliche Gedudel (klingt negativ, ist in meinem Sprachgebrauch aber definitiv als positiv zu werten) beginnt! Petri übernimmt mit seinen unverkennbaren Vocals und der Track marschiert schnellstens in Richtung eines brennenden Chorus, der unmissverständlich klar macht: Wir sind fucking nochmal zurück! Wenn ich schon zu Beginn feststellen muss, dass dies der beste ENSIFERUM Track seit 11 Jahren ist, dann macht mich das einerseits sprachlos, auf der anderen Seite aber auch ängstlich, weil es das hoffentlich noch nicht gewesen ist für die restlichen Songs. „Andromeda“ nimmt mir diese Angst glücklicherweise sehr schnell, auch wenn mich das Riff stark an BABYMETALs „Oh, Majinai!“ vom letzten Album erinnert. Die Inszenierung ist aber ganz klar auf ENSIFERUMs Seite und in der Hook als auch in der zweiten Strophe sowie im Mittelteil darf Keyboarder Pekka so richtig glänzen. Wahnsinn, was für eine Stimmgewalt hier auf uns losgelassen ist und wie variabel der Kerl sich zeigt. Ein absoluter Gewinn für die Band!

„The Defence Of Sampo“ und „Run From The Crushing Tide“ integrieren den sympathischen Keyboarder ebenfalls sehr stark, vor allem ersterer. Hier kommen starke TURISAS Vibes auf, was mich daran erinnert, wie gerne ich nach sieben Jahren mal wieder neues Material von den Kollegen vorliegen hätte. Gerade der von Chor gespickte Chorus macht einiges her und erzeugt eine starke Energie. „Run From The Crushing Tide“ drückt dann wieder stark aufs Gaspedal (wobei „Defence“ schon ‚nen guten Turbo zündet insgesamt) und strebt die Richtung des Openers an. Auf die Fresse, dabei aber immer extrem zugänglich und melodisch! Das zu Beginn einsetzende „Wohohohoooo“ eignet sich bestens zum Mitgrölen und auch der Rest lädt herzlich ein. Mein persönliches Highlight offenbart sich mit „For Sirens“. Hier bewegen wir uns eher im gehobenen Midtempo und ENSIFERUM kombinieren Härte (Strophen) mit Melancholie/Emotionen (Hook). Gerade das Grundriff, das in der Hook wieder aufgegriffen wird, reißt mich förmlich vom Hocker. Mitunter das Beste, was die Band je geschrieben hat und das darf ich nochmal dick unterstreichen, denn ich lausche diesem Album nun seit über einem Monat, den Test der Zeit hat es also bereits bestanden. Petri und Pekka ergänzen sich ebenfalls bestens und so finde ich kein Haar in der Suppe. Lediglich „One With The Sea“ fällt vielleicht ein BISSCHEN ab, trödelt doch ein wenig vor sich hin und packt emotional nicht so wie „For Sirens“. Der Longtrack am Ende reißt den Hörer nochmal komplett an sich, offenbart in sich geschlossen ein vierminütiges „Intro“ und explodiert dann förmlich. Epicness wurde selten treffender umschrieben als mit diesem Song als Paradebeispiel! Hier fassen die Jungs alles zusammen, was sie können.

Ende gut, alles gut?

ENDLICH können mich ENSIFERUM wieder so begeistern und mitreißen wie zu ihrer Hochzeit zwischen 2001 und 2009. Sie bieten uns eine Hommage an ihre Vergangenheit, bieten aber ebenso genügend neue Impulse (Keyboarder Pekka sei Dank), um nicht zu langweilen bzw. sich nur stumpf zu wiederholen. Ohne jede Frage ist „Thalassic“ ein GANZ fetter Kandidat für das Album des Jahres! Dementsprechend lag hier also eine richtig faustdicke Überraschung in der Luft...

4,5/5,0 - Sonata


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
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Seite 3: Christian Wiederwald
Seite 4: Ernst Lustig
Seite 5: Hans Unteregger
Seite 6: Lord Seriousface
Seite 7: Pascal Staub
Seite 8: Sonata
Seite 9: Fazit


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