Underground von Unten - österreichische Musik gehört gehört! Vol. 50

Veröffentlicht am 30.06.2020


A MEMORY MISREAD (Modern Metal, Wien)
 

Point Of View (EP, 15.05.2020)

  • 1. Point Of View
  • 2. Take The Sky
  • 3. It Starts Today
  • 4. Silent Waters
  • 5. Wretched Earth
     

Zuletzt trauen wir uns noch einmal in modernere Metal-Gefilde und schauen nach Wien, wo A MEMORY MISREAD ihre EP „Point Of View“ aus der Taufe gehoben haben. Der Fünfer bedient sich aus vielfältigen Einflüssen zeitgenössischen Metals, von Core-Anleihen bis hin zu progressiven  Anklängen und lässt mit sehr professioneller Produktion aufhorchen, bei der lediglich für den Geschmack des Rezensenten streckenweise die Snare ein wenig zu dominant im Mix steht.

Die Wiener wollen fraglos viel – vielleicht sogar ein wenig zu viel. Der Titeltrack „Point Of View“ ist genaugenommen das Intro der Platte, das mit melancholischen Cello-Klängen spannungsgeladene Atmosphäre aufbaut. Da sich das eigentlich ziemlich coole Intro aber auch im folgenden Opener“Take The Sky“ noch mehr als eine Minute fortsetzt, macht es den Einstieg in die EP trotz zunächst starkem Stimmungsaufbau etwas schwer und zäh. Im Folgenden bleibt trotz starkem Cleangesang und angemessen druckvollen Screams vom eher unscheinbar aufgebauten Song nur wenig hängen. Aus dem straighten, teils ein wenig in träumerische Welten schielenden „It Starts Today“ nimmt man schon deutlich mehr mit, zumal der Song mit eher melodisch orientierter Gitarrenarbeit streckenweise ganz schön Fahrt aufnimmt. Sphärisches Gitarrengeklimper läutet „Silent Waters“ ein, einem eher balladesken Song, der im Mittelteil aber kurzfristig ordentlich eruptiert – leider klingen gerad die Clean Vocals hier ein wenig gepresst, dass der Titel trotz epischer Schlagseite nicht so recht zünden mag. „Wretched Earth“ rüttelt mit etwas deutlicherer Core-Ausrichtung dann zum Abschluss einmal kräftig am Watschenbaum, serviert fette Gitarren zu bedrohlichen Arrangements und auch die Vocals sind gelungen – leider verliert der Song hinten raus etwas an Kraft und Atmosphäre.

So ist „Point Of View“ ein etwas zweischneidiges Schwert – der starken Produktion, tollen Gesangslinien und spannender Instrumentierung, stehen teils ein wenig verunglückte Arrangements und sehr unterschiedliche Gesangsleistungen gegenüber, die den Fluss des Albums etwas bremsen. Leider vermisst man auch ein wenig die wirklich zwingenden Passagen mit Wiedererkennungswert, sodass A MEMORY MISREAD, außer sehr vielfältigen Einflüssen, noch nicht wirklich zünden können. Doch das macht nichts – die Voraussetzungen sind da und die Marschrichtung für die erst 2018 gegründete Band stimmt schon einmal. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht!

3 / 5 – (Anthalerero)
 

A MEMORY MISREAD warten auf euch  bei Facebbook und Bandcamp – auch das Musikvideo „it Starts Today“ steht zum Ansehen bereit:

 

 


Inhaltsverzeichnis:

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