PRIMAL FEAR - das 'Metal Commando' Gangbang-Review

Eines ist gewiss: Es dürfen wieder fleißig Fists geraised und Chains gebreaked werden, wenn das German "Metal Commando", wie PRIMAL FEAR laut diverser Interviewaussagen einst von ihren amerikanischen Fans getauft wurden, aus dem Stahlbad der Songschmiede entsteigt und einen neuen Tonträger veröffentlicht. Nach Jahren ohne Nuclear Blast kehren die verlorenen Söhne um Ralf Scheepers und Mat Sinner zum Donzdorfer Label zurück und scheinen dafür idealerweise auch rechtzeitig die Form von Klassikern à la "Nuclear Fire" oder auch "Black Sun" zurückerlangt zu haben.

Ich muss gestehen, dass ich PRIMAL FEAR, obschon sie zwischenzeitlich zumindest immer wieder ein Garant für coole Live-Shows waren, genau deshalb nach "Seven Seals" und dem anschließenden Wechsel zu Frontiers Records ein wenig aus den Augen verloren habe, weil man zwar weiterhin solide, aber nur selten durchweg überzeugende Alben schrieb. Es muss ein wundersamer Akt göttlicher Fügung sein – am bescheidenen Coverartwork kann es jedenfalls kaum liegen -, dass ich ausgerechnet zum nahenden "Metal Commando" wieder den Drang verspürte, mich mit dieser Institution zu beschäftigen, denn nach einem natürlichen Anflug anfänglicher Skepsis hämmert mich das Auftakt-Duo "I Am Alive" (der Refrain nagt seit Wochen als elendiger Ohrwurm an den Gehörgängen) und "Along Came The Devil" direkt in den heimischen PVC-Boden mit Holzoptik. So viel Hunger, so viel Feuer habe ich seit längerem nicht mehr bei PRIMAL FEAR vernommen.

Waren das noch klassische Heavy-Metal-Walzen, wird es infolgedessen u.A. melodischer ("Halo" und "Howl Of The Banshee"), hymnischer ("Hear Me Calling" und "Raise Your Fists") und manchmal auch balladesker ("I Will Be Gone"), was in etwa so viel bedeutet wie: PRIMAL FEAR agieren im Rahmen ihrer eigens gesteckten Grenzen sehr abwechslungsreich und stilsicher. Tatsächlich bin ich sogar überrascht davon, wie viel Freude "Metal Commando" mir auch nach unzähligen Durchläufen noch bereitet, auch wenn es für mein persönliches Gusto ein paar Minuten zu lange ausgefallen ist. Nichtsdestotrotz ist insbesondere das wuchtige "Afterlife" gen Ende ein ebenso einprägsames Highlight wie besagter Opener und selbst das 13-minütige "Infinity" schlägt sich achtbar genug, um nicht überambitioniert abzuschließen.

Viel gibt es an "Metal Commando" also nicht zu bemängeln und so bezieht sich mein größter Kritikpunkt nicht auf irgendeinen musikalischen Aspekt, sondern auf das schmucklose Artwork. Bei der Spielzeit würde ich letztlich auf Geschmackssache plädieren, da grundsätzlich kein Song so stark abfällt, dass ich ihn komplett abwählen würde. Klammert man das aus, wird man über 57 Minuten mit gutem bis starkem Material bespaßt und findet direkt danach sogar noch die Motivation für zwei oder drei weitere Hördurchgänge. Weitaus erstaunlicher ist dabei aber, dass sich "Metal Commando" auch im Langzeitstudium prächtig entwickelt hat und ich zum ersten Mal seit den Klassikern bzw. meinen Diskografie-Favoriten das Verlangen vernahm, wieder und wieder zurückkehren zu wollen.

4,0/5,0 - Pascal Staub


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Anthalerero
Seite 3: Ernst Lustig
Seite 4: Lord Seriousface
Seite 5: Martin Weckwerth
Seite 6: Pascal Staub
Seite 7: Sonata
Seite 8: Fazit


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