PRIMAL FEAR - das 'Metal Commando' Gangbang-Review

PRIMAL FEAR gehörten um die Mitte der 2000er zu einer der Bands, die ich mitunter am meisten verschlungen habe. Als ich immer mehr Zugang zu Power Metal gefunden habe, habe ich dementsprechend natürlich auch die Diskografie der deutschen Kombo verschlungen, die für mich persönlich 2007 mit „New Religion“ ihren absoluten Höhepunkt erreicht hat. Ein Album, das ich auch heute noch extrem gern auflege. Blicke ich nun viele Jahre später auf die vergangenen vier Alben zurück, so bleibt nicht vielmehr als ein gelangweiltes Schulterzucken. Obwohl ich mit Magnus Karlsson (ALLEN-LANDE, ALLEN-OLZON, LAST TRIBE etc.) wirklich geglaubt habe, man würde sich kompositorisch sogar zu noch höheren Höhen begeben, so trat für mich persönlich das Gegenteil ein. Total festgefahrenes Songwriting nach Schema-F. Ein Song klang wie der andere und viele Hooks bestanden nur noch aus dem Gegröle des spektakulären Songtitels oder anderen inspirationslosen Zeilen (Bei „Bad Guys Wear Black“ kommt mir heute noch die Kotze hoch). Natürlich verkörperten PRIMAL FEAR auch immer irgendwo den kernigen Teil des Power Metals, der vor allem Power und eine fette Prise Heavy Metal zu bedienen wusste, doch gerade „Seven Seals“ und „New Religion“ weichten diese immer wieder kehrende Formel auf und brachten und vielschichtigere Songs, die offenbarten, wie viel mehr in dieser Band steckt. Sei’s drum, denn mit den letzten vier Alben hat sich das für mich wieder komplett erledigt. Ein Song klingt wie der andere und nach herausragenden Highlights sucht man vergebens. Doch ich bin ja offensichtlich auch so blöd und verfolge den Werdegang dennoch weiter, obgleich ich NICHTS mehr mit der Musik anzufangen wusste. Würde der neue Longplayer ähnlich wie bei ENSIFERUM („Thalassic“) nach einer langen Durststrecke etwa einen WOW-Moment heraufbeschwören? Das Teil hört auf den innovativen Titel „Metal Commando“, der schon Mal nichts Gutes erahnen lässt, doch wollen wir mal nicht zu voreingenommen sein!

„I Am Alive“ beschert uns ein kurzes Intro zu Beginn, ehe der Spaß in die Vollen geht und ein ordentliches Tempo aufnimmt. Die harten Strophen erzeugen eine gute Energie und lassen den Opener bis hierhin durchaus passabel auf mich wirken. In der Hook war ich sogar tatsächlich überrascht, weil der Ansatz ENDLICH mal kein stumpfer ist. Der Song bietet durch Strophen und Hook eine tolle Symbiose aus Härte und Melodie, also etwas, was ich mir viel häufiger von PRIMAL FEAR wünschen würde. „Along Came The Devil“ können wir schnell abhaken und oben auf meine Liebe zu „Bad Guys Wear Black“ verweisen. Absolut inspirationsloser Müll, der mich kalt lässt und mich davon rennen lässt. „Halo“ schickt sich an, mit epischen Klängen etwas Spannendes einzuleiten und spätestens mit dem einsetzenden Double Bass erhöht sich meine Freude nochmal etwas. Drückende Strophen mit Eiern konnten die Jungs schon immer und das würde ich ihnen auch nie absprechen. Der Chorus stützt sich glücklicherweise auch wieder mehr auf die melodische Komponente und verschont uns mit peinlichen Lyrics. Dennoch fehlt der letzte Punch, um sich in den Gehörgängen festzubeißen. „Hear Me Calling“ ist eine groovige Nummer, die in den Strophen sehr ruhig daher kommt und in der Hook wieder etwas an Energie zurückgewinnt. Für mich tatsächlich ein eher ungewöhnlicher PRIMAL FEAR Song, was ich definitiv positiv hervorheben möchte! „The Lost & The Forgotten“ hat ein sehr geiles Grundriff, was sich immer nach der extrem belanglosen Hook zeigt und dem Song wenigstens zu etwas Glanz verhilft. Der Rest besteht aus leeren Phrasen, die mal wieder gedrescht werden. Textzeilen, die PRIMAL FEAR in ihrer langen Karriere sicherlich schon 348 Mal verfasst haben…

„My Name Is Fear“ trumpft zwar auch nicht zwingend groß auf, zeigt im Chorus aber einen sehr aggressiven Scheepers, der dem grundsätzlich sehr aggressiven Sound des Songs gut tut. „I Will Be Gone“ wirkt fast schon deplatziert, denn wir haben es hier mit einer reinen Akustikballade zu tun. Sanfte Klänge, ein sehr ruhiger Scheepers und ein trauriger Text. Gerade WEIL der Song so fehl am Platze wirkt, gefällt er mir so gut, weil er den 08/15 Brei etwas aufbricht und die Jungs mal wieder von einer anderen Seite zeigt. Eins hat sich eh nie geändert: Ralf Scheepers ist ein verdammt guter Sänger! „Raise Your Fists“ überrascht hingegen gar nicht und wirkt in sich geschlossen komplett berechenbar, schade. „Howl Of The Banshee“ ist sehr kurzweilig, reißt keine Bäume aus und muss dies auch gar nicht. Kurzweilig ist in diesem Falle nämlich sehr positiv und macht den belanglosen Vorgänger-Song vergessen. „Afterlife“ strebt vom Riffing her einen fast schon orientalischen Sound an und erinnert mich teils an „Doom Of Destiny“ von AXXIS, nur eben in härterer PRIMAL FEAR Variante. Der Rest des Songs ist aber leider wieder das obligatorische Gedöns, das gute Nummern wie den Opener eine Träne verdrücken lässt. Was nun? Ein 13-minütiger Longtrack als Rausschmeißer… Dieser wartet mit einem atmosphärischen Intro auf und verweilt in epischen balladesken Gefilden zu Beginn, die sehr zu gefallen wissen! Nach zweieinhalb Minuten geht’s dann etwas energetischer zu und das Stück gewinnt immer mehr an Tempo. Die Hook ist jetzt sicherlich nicht das, was einen Track mit so einer Spielzeit zu tragen imstande ist, aber sie ist markant und das ist gerade bei Longtracks meist wichtiger als der größte Ohrwurm des Jahrhunderts. Dann reiht sich erstmal Solo an Solo, was technisch betrachtet bei den Gitarristen ein absolutes Schmankerl darstellt und schon bei Minute acht von 13 ereilt uns erneut der Chorus. Ab Minute 10 gibt es nur noch Outro-Gedudel und da soll jeder selbst entscheiden, ob er es braucht oder nicht.

Ihr seht schon, „Metal Commando“ ist ein durchwachsenes Album geworden, wenn man es aus meiner Perspektive betrachtet. Eine Versöhnung hat also nicht so wirklich stattgefunden, auch wenn es einige Lichtblicke gab und gerade der Longtrack am Ende nochmal viel Spaß gemacht hat. Dennoch verharren die Jungs zu oft in ihrem Standard-Songwriting, das wenig Platz für Neues bzw. Kreativität lässt. Dem geneigten Fan kommt das sicherlich zugute, aber als Fan von „New Religion“ oder „Seven Seals“ bleiben die Füße hier insgesamt eher kalt. „Metal Commando“ ist kein Album, das ich als schlecht bezeichnen würde, es ist durchschnittlich. Ob das bei mir dafür reicht, in etwa zwei Jahren wieder rein zu hören, das wird man sehen, aber im Jahre 2020 wird dieses Werk für mich keine große Relevanz darstellen.

3,0/5,0 - Sonata


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Anthalerero
Seite 3: Ernst Lustig
Seite 4: Lord Seriousface
Seite 5: Martin Weckwerth
Seite 6: Pascal Staub
Seite 7: Sonata
Seite 8: Fazit


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