WARKINGS - das 'Revenge' Gangbang-Review

Man stelle sich eine verquere Welt vor, in der unser geschätztes Europa zu einem konsistenten und zentral regierten Staatenbund fusioniert wäre. Wir vegetierten in einer kulturellen Klapsmühle, in der Allherrscher Florian Silbereisen den Schlager zum Grundnahrungsmittel erklärt und den Heavy Metal samt aller szenetypischen Begleiterscheinungen unter Höchststrafe gestellt hätte – auf eine Stufe mit Mord, Totschlag und (Karel-)Gotteslästerung. In einer verstörenden und furchteinflößenden Welt wie dieser könnte selbst ein schwermetallisches Vollblut wie R.D. Liapakis seinem Lebenswerk abschwören und sagen: „…ihr könnt mich alle mal! Ich geh‘ jetzt schaukeln und schipper‘ dann in die USA über, um mit STEEL PROPHET die Welt zu erobern!“. Und nach einer derart herben Zäsur könnte ein sonst undenkbares Konstrukt wie „MYSTIC PROPHECY ohne Lia“ existieren, jedoch aus offensichtlichen Gründen weder unter altem Namen noch unter Offenlegung der Identitäten der involvierten Musiker - ihr wisst schon, die Sache mit dem Chef und der Höchststrafe…

Ganz Europa hat sich dem Schlager gebeugt. Ganz Europa? Nein…

Die hier zusammenphantasierte, unerschrockene Widerstandstruppe aus anonymen und maskierten Musikern könnten im Prinzip die WARKINGS sein. Man führe sich nur einmal den Gitarrensound des hier besprochenen, zweiten Albums „Revenge“ zu Gemüte – wer hierbei nicht an den Brachialvorstoß von „Metal Division“ erinnert, hat denselben wohl nicht gehört. Aber dessen genialen Sound kopieren ist nur die eine Sache – mit ebenso hochkarätigen Riffs aufwarten, die sich in erschlagender Weise mit dem Allgäuer Flaggschiff überschneiden, ist eine andere Sache. Entweder sind wir hier einer mehr als gewagten Verschwörungstheorie auf den Fersen oder es klaut jemand verdammt gut. Da aber im Zweifelsfall immer zu Gunsten des Angeklagten zu entscheiden ist (und der unbarmherzige Richter, der in seinem Amt als Allherrscher die olle Gewaltenteilung als Humbug entlarvt und in die Tonne gekloppt hat, nach wie vor lauert), lassen wir diesen wirren Gedankengang nicht weiter in den Evaluierungsbericht einfließen.

Was den hier besprochenen Content anbelangt, muss ich einräumen, mit dem WARKINGS bisher nicht allzu viele Berührungspunkte gefunden zu haben. Genau genommen nahm alles seinen Anfang mit der Einladung zu diesem jüngsten Gangbang-Review, die ich unter Rücksichtnahme auf meinen guten Ruf natürlich unreflektiert annahm. Und wenig später finde ich mich inmitten eines musikalischen Darkrooms, in dem ich von einem Wikinger, einem Römer, einem Spartaner und einem Kreuzritter wechselseitig…besungen werde. Wenn man etwas genauer darüber nachdenkt, hat die Rollenverteilung der WARKINGS schon etwas von einer kriegshistorischen Supergroup – als habe Doc Brown nach der letzten martialischen Themensauftour vergessen, seine Besucher wieder nach Hause zu fahren. Würde man dieses Konzept auf die Theologie übertragen, müssten wohl Allah, Buddah und Jehova gemeinsam mit Attila Dorn auf globale Bekehrungstour gehen - aber wir schweifen abermals ab...

Also lassen wir – dieses Mal ehrlich und aufrichtig - von der Spinnerei um das Themenkonzept der WARKINGS ab und widmen uns der Musik! Dass diese (in Bezug auf ihre Rollen) bunt zusammengewürfelte Truppe sich mit dem altgedienten Thema „Krieg“ befasst, ist unschwer zu erkennen. Und dass der Krieg im Power Metal - einem der zweifelsfrei fröhlichsten Metalgenres der Welt - zumeist bescheidenen Zuspruch findet, ist auch nicht neu. Wer also schon dem Konzept von SABATON nichts abgewinnen konnte, der wird auch bei den WARKINGS ähnliche Argumente anführen, warum man den gepanzerten Haufen samt Rüstung, Tieftöner und Tourbus im nächsten Meeresgraben versenken sollte. Das ist einerseits nachvollziehbar - aber andererseits darf man sich über mangelnde Ernsthaftigkeit und Kriegsthemen im Power Metal nur begrenzt beklagen. Das wäre im Prinzip so, als würde man im nahegelegenen Schnellfress nach Tierwohllabels und Diätcola suchen.

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

In gewisser Weise kann man die WARKINGS also als eine Art Spaßprojekt verstehen – eine ungebundene Spielwiese ohne Erwartungsdruck und Regeln, auf der man als (mutmaßlich) prominenter Musiker einfach mal die Sau rauslassen kann, ohne dabei ggf. Repressalien oder Reputationsverluste bei seinem bekannteren Markenauftritt zu verbuchen. Entsprechend locker und spielfreudig gehen die WARKINGS auf ihrem Zweitwerk zu Werke und rufen dabei neben der offensichtlichen Gitarren-Blaupause MYSTIC PROPHECY besonders die berühmte „Schmidt’s Katze“ ins Gedächtnis. Denn wie bereits angeschnitten, treten die Krieger mit den vertraut klingenden Riffs derart heftig Arsch, dass dagegen so mancher Extremkollege einpacken und bei Hofers Kasse anheuern kann. Im Resultat und gepaart mit der beobachteten Leck-mich-am-Pförtner-Attitüde ergibt dies eine Reihe starker und ekstatischer Songs, die man genauso ausgelassen feiern kann, wie sie dargeboten werden. Bemerkenswert ist dabei die Liebe zum Detail, die jedem Song die passenden Melodien und ein angemessenes, antik-martialisches Flair verleiht. Bestes Beispiel: der raubeinige Flohbart-Death-Metal-Ausflug in „Odin's Sons“ (AMON AMARTH lassen grüßen). Wenn man die Scheibe allerdings nebenbei hört und nicht so sehr auf die vielen, liebevollen Details achtet, findet man womöglich lediglich „gehobene Szenekost“ vor und stört sich an der zugegebenermaßen inflationären Verwendung typischer Verschlagwortungen wie „thunder and lightning are striking“, "raise your hammer“, „kill 'em all“ und Co. Warum nicht stattdessen mal etwas anderes, etwas annähernd Innovatives wie z. B. ein laut schallerndes „Schlachtung! Schlachtung! Schlachtung!“ skandieren?! Achso, das TUN sie ja („Fight In The Shade“)…

Nicht ganz ohne Makel, aber geil!

Wenn man die WARKINGS als die angesprochene Spielwiese begreift und die Texte als passenden Begleitstoff für die im Vordergrund stehende metallische Leistungsschau betrachtet, wird man schnell Gefallen an der Sache finden. Die mit Abstand besten Tänze der WARKINGs werden dabei eindeutig auf dem Hartparkett getanzt - deshalb ist „Banners High“ auch der entschiedene Tiefpunkt der Platte. Wäre der Kitsch ein adipöser, konsequent ungewaschener und hart flatulierender Konzertbesucher, dann stünde dieses Stück vielleicht nicht direkt neben ihm, aber zumindest an der gegenüberliegenden Ecke desselben Bierstands – und damit gerade dicht genug, um noch in den Genuss seiner betörenden „Aura“ zu kommen. Aber halb so wild - eine Bauchlandung unter zehn Songs ist noch lange kein Beinbruch und nach der kleinen Hängepartie „Mirror, Mirror“ geht es auch direkt mit alter Stärke weiter. Lustigerweise erinnert der Rausschmeißer „Warking“ deutlichst an den Ameisensong von RAMMSTEIN. OK, wenn man sich schon im „chinese worshipping“ übt, könnte man freilich bessere Vorlagen finden - aber nobody's perfect. Lustig ist es allemal.

Unter Abwägung aller Eindrücke ergibt sich für „Revenge“ ein grundsätzlich positives Fazit. Das zweite Eisen der WARKINGS ist ein sehr gelungenes Szenewerk, für das sich seine Macher gar nicht erst maskieren müssten. Die starken Songs der Platte haben sogar durchaus das Zeug für Wertungen oberhalb der magischen vier Punkte – zumal die Trefferquote im Gesamtbild an schwindelerregende Höhen grenzt. Aber der Teufel trägt Tennissocken und steckt obendrein im Detail – und für eine profunde Heiligsprechung darf eben kein nennenswerter Stolperstein zu beklagen sein; von einem klaren „Favoritenanwärter“ à la „Banners High“ ganz zu schweigen [Anm. d. Verfassers: wären in unseren Reviews Emoticons und dergleichen geläufig, wäre hier der passende Ort dafür. Liebe WARKINGS, bitte legt nicht jede Erdreistung der Redaktion auf die Goldwaage! Unser eins MUSS frech sein wie der Dreck unter den römischen Sandaletten – international anerkannte Innungsregel]. Weniger als besagte vier Punkte darf es aber im Umkehrschluss keinesfalls sein – wohl bekomm’s!

4 / 5 – Lord Seriousface

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Lisi Ruetz
Seite 3: Lord Seriousface
Seite 4: Ernst Lustig
Seite 5: Marc Folivora
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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