WARKINGS - das 'Revenge' Gangbang-Review

So. WARKINGS die Zweite also. Ich war gespannt, ob sich nach dem eher durchschnittlichen Debüt in Sachen Qualität und Anspruch etwas getan hat, bei dem geheimnisumwitterten (hust) Quartett internationaler Herkunft.

Wahrscheinlich hat mich die erste Begegnung mit dem neuen Album in Form des Videos zu „Warriors“ etwas irritiert. Das Gesehene, das in mir eine Mischung aus Grusel, Fremdschämorgie und Verkehrsunfallfaszination ausgelöst hatte, hat mich wohl etwas von der musikalischen Darbietung abgelenkt, zumal mir nach wie vor der Gedanke durch den Kopf spukt, ob die Kriegskönige in Gestalt der im Video die Festung erobernden Feinde auf die europaweit grassierende Fehlinterpretation der Maskenpflicht wegen Corona hinweisen und zeigen wollten, dass eine Mund-Kinn-Bedeckung (auf die der gegnerische Anführer im weiteren Verlauf in bester Attila-Hildman-Manier sogar ganz verzichtet) zu keinem guten Ende führen wird. Ähm ja, na ja…

Ok, haken wir das Video ab und kommen zur Musik. Und hier knüpft „Revenge“ absolut nahtlos an das Debüt „Reborn“ an. Soll heißen, spielt man beide Scheiben am Stück ab, könnte man meinen, man hat ein Doppelalbum vor sich. Bedeutet: Die WARKINGS sind schon mal nicht schlechter geworden. Aber eben auch keinen Deut besser. Abgesehen von der problematischen Situation, daß aufgrund des hauptberuflich in einer sehr bekannten österreichischen Power Metal Band beschäftigten Frontmannes Tribune am WARKINGS-Mikro eh JEDER Song grundsätzlich so klingt, wie schon mal gehört, trifft dies leider auch auf die Instrumentalisierung zu.

Wie schon beim Erstling „Reborn“ habe ich beim Hören permanent Heerscharen von italienischen und skandinavischen Zweitreihen-Power Metal Bands im Ohr. ALTARIA, KALEDAN, MOONLIGHT AGONY, ROYAL JESTER, HOLY KNIGHTS, SECRET SPHERE, DRAGONLAND, LOST HORIZON, SPELLBLAST, THUNDERSTONE, EXCALION, DESDEMONA, NIGHTSCAPE, THY MAJESTIE… Die Reihe von Truppen aus den frühen und mittleren 2000ern, die mehr oder weniger gleich bzw. stilistisch extrem ähnlich klingen, ließe sich noch endlos fortsetzen. Und inmitten dieses gigantischen Meeres musikalischer Gleichförmigkeit schwimmen auch die WARKINGS, immer schön im Sog des Golfstromes der gehobenen Mittelmäßigkeit.

Die Songs sind alle nicht schlecht; die Hooks sind nett (damit aber halt die kleine Schwester, Ihr wisst schon von wem!), der Rhythmus ist mal treibend, mal groovy. Technisch spielt sich das Ganze sicher auch auf einem ordentlichen Niveau ab. Doch trotz der Eingängigkeit der meisten Stücke bleibt nichts hängen, einmal gehört, und schon wieder vergessen. „Revenge“ bietet keine Hits, nichts Herausragendes, keine besonderen Akzente. Selbst die wieder verpflichtete Gastsängerin namens Queen Of The Damned (auch bekannt als Melissa Bonny, ihres Zeichens Alissa White-Gluz-Doublette mit Schwarzhaar und Frontfrau der gehobenen Mittelklasse-Combo RAGE OF LIGHT) kann da nichts reißen.

Richtig schlimm wird es, wenn die Herren Power Metaller im Album Closer „Warking“ völlig ungeniert gleich mal ganze Teile (inklusive der Keyboard Line) aus RAMMSTEINs „Links 2 3 4“ kopieren. Alter Verwalter! Wie tief kann man sinken?!

Auch das als zweites Vorabvideo veröffentlichte Stück „Maximus“ tönt frei nach Klaus Lage wie „1000-mal gehört, 1000-mal nur fad kopiert“. Sorry Leute, aber so gewinnt man keine Schlacht, respektive keinen Blumentopf.

Fazit:

Nix Neues im Land der Kriegskönige. Einheitsbrei der gehobenen Mittelklasse, glattgefeilt mit glattpoliertem Sound. Die vier „geheimnisvollen“ maskierten Typen (na ja, eigentlich ja nur drei, weil einer ist ja schon aufgeflogen) locken schon lange niemanden mehr hinter dem Ofen vor. Alles klingt nett, aber seelen- und substanzlos. Macht zumindest beim Rezensenten jetzt nicht wirklich Lust auf mehr. Da höre ich mir doch 1000-mal lieber zum 100sten Mal die neue ENSIFERUM Scheibe an! Denn die hat ALLES das, was „Revenge“ leider fehlt.

Aus diesem Grund würde ich eigentlich 2,75 Punkte vergeben. Weil das in unserem System nicht möglich ist und ich kein Arschloch bin, runde ich wohlwollend auf, obwohl ich genau genommen das Gegenteil tun müsste, allein schon wegen des hanebüchenen groben Geschichtsunfuges der da im Waschzettel zur Veröffentlichung steht: „…Valhallas vier Könige, ein römischer Tribun, ein wilder Wikinger, ein kriegerischer Spartaner und ein edler Kreuzritter…“ – WHATTHEFUCK?!? Aber die Band kann schließlich nix für den depperten Azubi, den Napalm Records da augenscheinlich an den labeleigenen Promo-Redaktions-PC gesetzt haben .


3 / 5 – Ernst Lustig

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Lisi Ruetz
Seite 3: Lord Seriousface
Seite 4: Ernst Lustig
Seite 5: Marc Folivora
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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