Flusensieb #37 - 10 kurze Plattenreviews

Veröffentlicht am 15.10.2020

Das Flusensieb ist wieder da! Trotz der hohen Metal-Infektionsrate nicht zum Risikogebiet erklärt, wird in der Flusensieb-Wäscherei unberührt weitergewaschen, um den letzten Glanz aus allem zu holen, was sonst so durch den Raster gefallen ist. Von kurios über bemerkenswert bis "Beim nächsten Mal mehr Anlauf nehmen" wurde erneut die Spannweite von KFZ-Metal, Mondschein-Ambient(e), Sunshine-Doom aus Florida, aufstrebendem Schweizer Prog, Melancholischem aus Irland, noch "ungehobelte" Australier, einem Kölner Karneval-Lemmy, Neuem von der Supergroup, einer Message mit Bums und Riffs bis hin zu einem Käsefondue mit Durchschlagskraft bedient. Viel Spaß bei Kurzreview Nummer 598 - 607!


 

MASERATI - Enter The Mirror

Mit MASERATI folgt nun keine langweilige KFZ-Fachsimpelei, sondern ein kurzer Augenmerk auf das neue Album "Enter The Mirror" der italienischen Post Rock-Institution. Fünf Jahre sind seit dem letzten Album vergangen; genügend Zeit, um den Sound bis ins kleinste Detail zu perfektionieren. Hier wird nämlich nicht nur die Schwelle des Spiegels überschritten, sondern ins Sound-Wunderland abgestiegen. Besondere Perle: Das abschließende "Wallwalker" - 80er-Dancesound vereint sich mit simplen, aber passenden Gitarren-Riffs, während (Synthie-)Layer um Layer hinzugefügt wird, um den Song schließlich in einer einnehmenden Klangwolke enden zu lassen. Großartig! (AO)

 


 

SKYBONE REVERIES – Utterly Away


Der australische Multiinstrumentalist Nathan Churches veröffentlicht mit „Utterly Away“ das mittlerweile dritte Studioalbum seines Soloprojektes „SKYBORNE REVERIES“. Knapp eine Stunde atmosphärischer Ambient (Post) Black Metal erwartet den geneigten Hörer. „The Moon Viewers“ und das Titelstück sind reine Ambient-Nummern. Der Rest bildet eine gesunde Schnittmenge aus SAOR, MESARTHIM und SOJOURNER sowie einem kleinen Schuss SUMMONING. Sicher gibt es hier und da noch etwas Luft nach oben, aber im Großen und Ganzen bietet „Utterly Away“ 55 Minuten unbeschwerte musikalische Unterhaltung. (EL)

 


 

NORTHERN CROWN - In A Pallid Shadow


Schon ein paar Monate hat die dritte Langrille der Florida-Epic-Doomsters auf dem Buckel. Wie schon die Vorgänger wurde auch „In A Pallid Shadow“ in Eigenregie veröffentlicht. Allerdings wäre dem Trio ein Plattenvertrag wirklich zu gönnen, da die neue Scheibe wirklich richtig gut gelungen ist. Traditioneller Epic Doom trifft auf Psychedelic und Okkult Rock Versatzstücke, schwere Lava-Riffs wechseln sich mit forscheren Parts und leisen, zerbrechlichen Momenten ab. Dazu kommen progressiv-verspielte Soli, schöne Melodien und eine markante Reibeisenstimme. Unbedingt mal reinhören! (EL)

 


ALCHEMISTS - Chapter One: Love

"Chapter One: Love" ist das Debüt von ALCHEMISTS, die Schweizer Formation bringt jedoch schon reichlich Erfahrung aus vorherigen Projekten mit, was man auch hört. Geboten werden moderner Prog gespickt mit Djent-, Hardcore- und Death Metal-Anleihen, starke Growls und durchaus gute Ansätze, um spannende Song-Strukturen zu schaffen ("Arya", "Osvominae", "Frontiere"), unterm Strich vermögen es ALCHEMISTS zurzeit aber noch nicht, sich von Genre-Kollegen großartig abzuheben. Das finale Alleinstellungsmerkmal fehlt ihnen zwar noch, ALCHEMISTS sind aber auf gutem Weg, sich im Modern Prog-Sektor zu etablieren. (AO)

 


 

THE GRIEF – Ascent


Und noch mal Epic Doom Metal, diesmal mit leichter Gothic Schlagseite. THE GRIEF kommen aus Irland und präsentieren ihr in Eigenregie veröffentlichtes Debüt in Form einer Vier-Track-EP, die voll schöner melancholischer Melodien, schmerzerfülltem Klargesang und jeder Menge guter Ansätze steckt. Besonders der Opener „A New Dawn“ ist wirklich hervorragend gelungen. Auch die restlichen Tracks sind nicht schlecht, die Truppe aus Cork hat auf jeden Fall Potential, dem ihr eine Chance geben solltet. (EL)

 


 

IRONSTONE - Prophecy

Australien, Heimat vieler aufstrebender moderner Prog-Bands und Steckenpferde wie VOYAGER oder CALIGULA'S HORSE (no pun intended). Auch IRONSTONE haben dort ihren Ursprung und kürzlich ihre erste EP veröffentlicht. Auf "Prophecy" hat man es jedoch eher mit 0815-Rhythmiken als dem neuen Progressive-Epos aus Down Under zu tun, teilweise irritieren auch die Stimmfarben der Vocalisten, die nicht immer harmonieren. Da ging die Weissagung der nächsten Shootingstars nicht wirklich auf. "Bound", "Better Unseen" und einzelne Riffs zeigen, dass zumindest für zukünftige Veröffentlichungen mehr Abwechslungsreichtum und Eingängigkeit möglich wären und IRONSTONE einfach noch an ihrem Sound feilen müssen. (AO)

 


 

REASON FOR JACK - Whiskeyhead 


Kölner können nicht nur Karneval, sondern auch grandiosen Rock'n'Roll – womit REASON FOR JACK auch gleich losdüsen. Lemmy hätte seine Freude an dem Jack sowie an dem Stil dieser Band. Bodenständig, old-school, rauh und original sind einige der mir einfallenden Bezeichnungen. 2012 starteten sie als Coverband, was ihnen dann wohl etwas zu eintönig wurde, und sie beschlossen ihr eigenes Ding zu machen. Im Mai kam „Whiskeyhead“ raus und durch das böse C ist das Tingeln grad erstmal auf Eis inkl. Jacky. „Church of Jack“ ist nicht nur für Flüssigfans und garantiert einen kleineen Ohrwurm inkl. Mitgröhlattacken. Das Intro von „Badass Rock'n'Roller“ lässt den inneren Motor anspringen wie einen Impala. (SV)

 


 

NOVENA - Eleventh Hour

Die seit 2013 bestehende Progressive-Supergroup NOVENA präsentiert mit "Eleventh Hour" ihren Erstling in Überlänge. Allen voran ist das wohl prominenteste Mitglied Ross Jennings, der dem Projekt seine clean vocals leiht. Einige Melodik-Linien tragen auch ganz klar die HAKEN-Handschrift ("2259"). NOVENA setzen aber auf die richtige Abwechslung und Sound-Spielereien. Leichte Melodien verbinden sich mit brachialem Progressive inklusive Growls, auch Vielschichtigkeit ist der Band selbstredend kein Fremdwort. Ob ruhige Sequenzen mit Gänsehaut-Garantie, groovige Riffs, Einschlag ins Brachiale oder Überraschungen á la "Corazón" - NOVENA wissen auf "Eleventh Hour" jeden Sound-Gusto zu stillen. (AO)

 


 

WICKED DISCIPLE - Rules 


Progressive Metal aus dem Ruhrpott – WICKED DISCIPLE legen mit „Rules“ eine gute Mischung aus den Boxen. Einen kleinen Wermutstropfen gibt’s leider bereits am Anfang. Es hat Bums und Riffs – kein Zweifel, trotzdem fühlt es sich etwas flach an. Mit „When I Die“ sprechen sie mir allerdings aus tiefster Seele – hört auf zu kämpfen und Krieg zu führen. Es gibt sie also doch noch, die politischen Aussagen von Bands, praise the Lord. Da muss auch keiner „Bite on my Tongue“ plärren. „Tumbleweed Lullaby“ als Acoustic-Version ist genau wie „Slavation or Decline“ der ruhigere Part und so eine Abwechslung zu dem Dauertempo des Albums. (SV)

 


 

WHAT THE HELL - Breathing 


Also atmen wird bei der Musik schon mal recht erschwert, so düster und schwermütig wie die Schweizer WHAT THE HELL daherstapfen. Ja, ein Käsefondue macht fast genauso atemlos. So gemächlich wie „Breathing“ daher kommt, watscht es dir dann aber auch einen ordentlichen Übergang zum Doom rein. „My Suffering“ ist da schon ein anderes Kaliber und knallt dir halt gleich das Brett ins Gesicht. Tempo und ein ausgewogenes Duell zwischen den Teilnehmern lassen einen gar nicht so sehr leiden. Zum 25-jährigen Jubiläum wurde das fünfte Album „Breathing“ veröffentlicht, welches harte 40 min deiner Zeit kosten wird. Also besser WTH statt WTF. (SV)

 


 

Mehr Flusensieb!


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