FINNTROLL: das 'Vredesvävd' Gangbang-Review

Tja, FINNTROLL ist schon eine Ausnahme für sich. Auf die berühmten Humppapunker stieß ich, als das zweites Studioalbum namens „Jaktens Tid“ (2001) noch aktuell war, eine herrliche Schauergeschichte über Schlachten und mystische Orte. Der lustige finnisch-schwedische Titel „Slaget Vid Blodsälv“ – zu deutsch "Schlacht am Blutfluss" - hatte mich damals schon gepackt. Jetzt ist das Album fast zwei Dekaden alt und mein Musikgeschmack entwickelte sich damals weiter, doch dann fand eine e-Mail von Lord Seriousface den Weg zu mir. Die Worte „Gangbang“, „neues Album“ und „FINNTROLL“ reichten mir aus, um mit von der Partie zu sein und so gönnte ich mir das neue Schmuckstück der Finnenschweden, „Vredesvävd“. Laut der Presseausschreibung des Labels soll das die neue Platte zwischen „Nattföd“ (2004) und „Nifelvind“ (2010) passen, doch diese Meinung teile ich nicht ganz.

Verglichen mit dem Vorgänger „Blodsvept“ entfernte sich die Band von der nordischen Feierstimmung, um sich beim neuen Album wieder auf altbekannte Klänge besinnen zu können. Der Hang zur Theatralik macht sich in „Väktaren“ bemerkbar - „Jaktens Tid“ lässt grüßen – nur dieses Mal noch pompöser als früher.

Die Zeiten haben sich geändert, die Trolle stehen nicht mehr im Mittelpunkt der Albums, sondern die Welt der mystischen Fabelwesen des Nordens und deren Unfug sind das Hauptthema. Der Humppasound, der wegen des Offbeat-Rhythmus' so liebevoll bezeichnet wird, ist in alter Frische zurückgekehrt, da frohlockt das heidnische Herz ungemein. Schlagzeuger MörkÖ hat sich den finntröllischen Geist einverleibt und macht in „Att Döden Med En Sten“ ordentlich Druck.

Darf es ein bisschen Punk sein? „Grenars Väg“ ist eine ambivalente Nummer, die einen zuerst mit heidnischem Streichgedudel einlullt, danach kommt die dreckige Note zur Geltung. Routa (Gitarre) und Skrymer (Gitarre) hämmern in die Saiten und bringen erst richtig Schwung in die Sache. Schön zu sehen, dass FINNTROLL sich für ein Musikvideo im morbiden Comicstil entschieden hat, damit konnten sie damals mit „Under Bergets Rots“ schon punkten.

Wer des Humppasounds schon langsam überdrüssig wird, bekommt mit „Ylaren“ eine gehörige Abwechslung geboten, FINNTROLL fängt gemächlich im ¾ Takt an, der sich - ganz still und heimlich – in Viervierteltakt entwickelt. FINNTROLL verabschiedet sich mit einer Melodie die von Trollhorn (Keyboards) in die Tasten gehämmert und durch orchestrale Soundeffekte melodramatischer gestaltet wird.

Hört man in  „Vredesvrävd“ rein, wird man nicht viel Neues entdecken können, doch das ist nicht der Punkt. Das Erfreuliche ist, das FINNTROLLs Energie zurückgekommen ist, indem sie sich auf ihre alte Stärke verlassen. Auch wenn "Vredesvrävd“ keine Fortsetzung von „Blodsvept“ ist, hat das Album genau das, was dem Vorgänger fehlte, nämlich mehr Power. Im Großem und Ganzen ist FINNTROLLs neues Album eine solide Arbeit, die den Fans zeigt, dass tief in ihren schuppigen Herzen noch eine tröllische Bestie steckt.

3,5/5,0 - Julian Dürnberger


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Hans Unteregger
Seite 3: Julian Dürnberger
Seite 4: Lord Seriousface
Seite 5: Michael Walzl
Seite 6: Pascal Staub
Seite 7: Fazit


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