FINNTROLL: das 'Vredesvävd' Gangbang-Review

Leute, mein erstes Metal-Shirt, das ich mir übrigens im zarten Alter von 16 gekauft habe, trägt immer noch, wenngleich es mittlerweile komplett ausgewaschen und durchlöchert in's Auge springt, das Logo von FINNTROLL, ein Trollschädel prangt direkt darunter und der Rückendruck wird von folgendem Schriftzug geziert: „Putting the laughter in manslaughter since 1997.“ Damals, also ungefähr um das Jahr 2007 herum, rätselten ich und diverse Spezis aus dem Freundeskreis noch, was die Finnen damit wohl meinen könnten, weil wir wohl einfach zu kompliziert an diesem sympathischen Kalauer vorbeidachten, aber irgendwann fiel dann natürlich doch der Groschen - es passte zu der damals noch ungewöhnlichen, fast schon skurrilen Melange aus Humppa, Black Metal und trollischer Attitüde.

Warum der Schwank aus meiner weit zurückliegenden Jugend, fragt ihr euch? Weil ich es kann. Und natürlich deshalb, weil mir nach Genuss des neuen Albums "Vredesvävd", das sich stolze sieben Jahre Zeit gelassen hat, der handelsübliche Gedanke zum zügigen Dahinschwinden ebendieser Zeit kam. Damit alleine ist es als Begründung allerdings noch nicht abgetan, denn noch während das gewohnt orchestrale Intro "Väktaren" den letzten Pomp aus der Trollphilharmonie leiert, stoßen das anschließende "Att Döda Med En Sten" und "Ormfolk" längst darauf vor, den wagemutigen Gast in die im Hort enstandene, selbstredend selbstgebastelte Zeitmaschine, die in ihm bei einer rumpelnd-chaotischen Achterbahnfahrt durch den unheimlichen Forst die berüchtigten guten alten Zeiten, die Phase von "Midnattens Widunder" bis hin zu "Ur Jordens Djup" aufleben lässt.

Machen wir uns nichts vor: Viele Bands und Labels behaupten mittlerweile liebend gerne, es würde back to the roots gehen, weil sich das in einem Genre, in dem viele Fans fast schon krankhaft am Vergangenen hängen, sicherlich nicht allzu schlecht auf die Verkaufszahlen auswirken dürfte, aber so aggressiv wurde "Vredesvävd" gar nicht mit dem Oldschool-Wedel beworben. Streng genommen propagierten bislang sogar ausschließlich die auserwählten Singles die neuerlichen Trollfeierlichkeiten. Meistens ein gutes Omen, wenn man einfach die Musik für sich sprechen lässt. Davon abgesehen hatten FINNTROLL in den Jahren seit "Blodsvept" auch etliche Shows und Touren, beispielsweise zum Jubiläum von "Nattfödd", von denen ebenfalls Eindrücke auf natürliche Weise eingeflossen sind. Doch egal wie man es nun auch herleiten möchte, "Vredesvävd" ist eine frische, nahezu jugendlich-unbekümmerte und temporeiche Expedition in trollische Gefilde und überzeugt dabei auf durchgehend starkem Niveau. Erinnern "Forsen" und "Ylaren" teilweise noch am ehesten an die letzten beiden Alben, wird man ansonsten konsequent von purer Nostalgie bearbeitet. "Grenars Väg" könnte aufgrund des ähnlichen Intros zum Beispiel als direkter Nachfolger von "Trollhammaren" anerkannt werden, in "Stjärnors Mjöd" und "Mask" spiegelt sich die bärenstarke Anfangsphase von "Jaktens Tid" und "Nattfödd" wieder und inmitten von "Vid Häxans Härd" und "Myren" knistern diese grundverschiedenen Gemütszustände zwischen wehmütiger Düsternis und ekstatischer Angriffslust, die nicht nur überaus catchy sind, sondern auch Abwechslung reinbringen.

Nun habe ich etliche Vergleiche gezogen, die sich logischerweise immer wieder angeboten oder gar aufgedrängt haben, aber "Vredesvävd" ist trotzdem kein lauer Aufguss zum Auftakt der finnischen Sauna-Saison. Und erst recht kein kalkulierter Fanservice. Stattdessen ist es ein großartiges Album, das einerseits zwar besagte Nostalgie beschwört, andererseits aber gut 38 Minuten so unverbraucht und unbedarft, wie man nach sieben Jahren Studioabstinenz nur sein kann, durch die Wildnis peitscht. "Vredesvävd" ist einfach zweifelsohne FINNTROLL und ich verspreche nicht zu viel, wenn ich es als lebhaften, exzellenten Querschnitt der ersten vier Alben im zeitgemäßen 2020-Gewand beschreibe.

4,5/5,0 - Pascal Staub


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Hans Unteregger
Seite 3: Julian Dürnberger
Seite 4: Lord Seriousface
Seite 5: Michael Walzl
Seite 6: Pascal Staub
Seite 7: Fazit


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