Aus dem Re-Release-Regal: BELPHEGOR - 'Necrodaemon Terrorsathan'

Veröffentlicht am 04.11.2020

Guten Tag, dürfen wir mit ihnen über Gott reden?

Nein?

Ok, dann vielleicht über Satan?

Gut.

 


Wir schreiben das Jahr 2020 und die Welt ist kaputt. Und wer könnte den ganzen Haufen Scheiße, den dieses verkorkste Jahr ausmacht, besser in Töne fassen, als unsere heimischen Lieblings-Krawalleros von BELPHEGOR? Passend zur aktuellen Gemütslage von Herr, Frau und Divers Österreicher, haben die Abtenauer Teufelsanbeter ihr vor 20 Jahren das erste Mal ans Licht der Welt gekrochene Album „Necrodaemon Terrorsathan“ neu aufgelegt. Als schicker Remaster in noch schickerem LP-Gewand kann man sich zu den neun kompromisslosen Abrissbirnen, die heute noch so aktuell klingen wie damals, gepflegt im heimatlichen Wohnzimmer im Quarantänefrust die Rübe wegschädeln.

Um die Wertigkeit noch ein wenig zu erhöhen, haben BELPHEGOR den namensgebenden Titeltrack „Necrodaemon Terrorsathan“ nicht nur einfach remastered, sondern komplett neu aufgenommen und zu dem Song überdies noch ein schön schauriges Musikvideo produziert. Und das, muss man zugeben, knallt wirklich ziemlich gut. Die zeitgemäße Produktion und ein paar kleinere Aufhübschungen hie und da, machen alleine aus diesem Titel ein rasiermesserscharfes Geschoss, das eine Schneise der Vernichtung durch den Gehörgang zieht.

 

 

War „Necrodaemon Terrorsathan“ schon anno 2000 ein ziemlich brachiales Werk mit fettem Sound, so legt die Remaster-Version hier erwartungsgemäß noch ein kleines Schäuflein an Extra-Gemeinheit drauf. Grenzenlos rabiat hacken und wüten sich Helmuth und seine Mannen auf ihrem dritten Album durch etwas mehr als 35 Minuten und legten mit ihrer damalig ziemlich einzigartigen Mischung aus tiefstem Todesblei-Gegrummel und beißender Schwarzmetall-Romantik den Grundstein für eine beispiellose Karriere, die die Truppe aus dem beschaulichen Abtenau hinaus in die weite Welt und in die höheren Regionen des Metal-Olymps führte. Die kompromisslose Härte von Schlachtkapellen wie CANNIBAL CORPSE, gepaart mit Stilmitteln ala DARK FUNERAL oder MARDUK, gab BELPHEGOR letztendlich ihren ureigenen ultrabrutalen Sound, der sich ab diesem gewissermaßen wegweisenden Album etablierte.

Denn es war schon einigermaßen bemerkenswert, welche Fortschritte sich im Vergleich zum direkten Vorgänger „Blutsabbath“ auftaten – alleine die spielerische Verbesserung, die sich in quasi durchgängig rasendem Tempo manifestierte, das dennoch Raum für viel Abwechslungsreichtum und Liebe zum Detail ließ. Und nicht zuletzt die kompositorische Raffinesse, derartig mörderische Abrissbirnen so leichtfüßig an den Mann zu bringen. So ganz nebenbei lief auf „Necrodaemon Terrorsathan“ auch Helmuth, der auf dem vorherigen Album erstmals die Vocals übernommen hatte, zur stimmlichen Höchstform auf, mit variantenreichem, massiv aggressivem Gegrunze und Gekeife in mittleren Tonhöhen.

Wer das Standardwerk in der Schnittmenge von Death und Black Metal Made in Austria bis jetzt noch nicht daheim stehen hat, der sollte das mittels dieser wertigen Neuauflage schleunigst ändern. Sonst schaut der finstere Hohepriester Helmuth mit seinem berserkierenden Gefolge vorbei und opfert in eurem Wohnzimmer keine Ziege, sondern euch selbst. Also genießt den zeitlosen Hassbatzen lieber aus der Konserve, anstatt euch den Perserteppich ruinieren zu lassen – in Zeiten virologischen Notstandes sowieso besser...


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Benediction - Scriptures
ANZEIGE