Underground von Unten - österreichische Musik gehört gehört! Vol. 52

Veröffentlicht am 10.11.2020


 

GEBENEDEIT (Experimental, Wien)
 

Missgeburt. Macht eine Messe! (Album. 01.11.2020)

  • 1. Kyrie (Die Schrift Hat Gesprochen)
  • 2. Gloria (Die vVren Sollen Krepieren)
  • 3. Gebet
  • 4. Credo (Herr Lehre Uns)
  • 5. Erlös
  • 6. Benedictus
  • 7. Lied
  • 8. Sanctus (Falsche Sau)
  • 9. Agnus Dei (So Schwach)
  • 10. Ausmarsch (Missgeburt)
  • 11. Die Reichste Frau Von Wien
     

Anschnallen bitte, jetzt wird es richtig schräg! Pünktlich zu Allerheiligen erscheint die schwärzeste Messe seit langem – das Debütalbum der Band, oder besser gesagt des Kunstprojektes GEBENEDEIT. Den Riten eines eucharistischen Gottesdienstes nachempfunden, verkehrt der von der Schriftstellerin Lydia Haider angeführte Dreier die erzkatholische Liturgie in einen finsteren, abgrundtiefen Schlot garstiger tonaler Konstrukte und morbider Texte.

Erschaffen wird dabei eine ganze finstere Messe, die der Abfolge des liturgischen Ritus folgt, von der „Kyrie (Die Schrift Hat Gesprochen)" bis zum „Ausmarsch (Missgeburt)". Dabei sind GEBENEDEIT weder schön noch spirituell - sie verzerren die sakrale Atmosphäre beinahe bis zur unkenntlichen Groteske und halten der ritualisierten, in sich gekehrten katholischen Kirche damit einen schonungslosen Spiegel vor. Von Orgelklängen und mantraartigen Gesängen in „Gloria (Die Viren Sollen Krepieren)" und „Credo (Herr Lehre Uns)“ bis hin zu wüsten, nur noch entfernt an Musik angelehnten Klängen von Schlagzeug und Bass wie in „Gebet“ oder „Sanctus (Falsche Sau)“, zieht der Dreier alle Register. Die prägnante, extrem und künstlerisch überzeichnete Stimme von Lydia Haider führt durch die liturgische Darbietung und vermag sowohl mit engelsgleicher Sanftheit, als auch vor allem mit dominant-überzeichnender Intonation und unbequemer Lautmalerei zu bestechen.

GEBENEDEIT sind anstrengend, rütteln unbequem an alten Riten und verfahrenen Ansichten und legen mit schonungslosen, hässlichen und verachtenden Texten die inhaltliche Groteske der Religion offen. Laut, unrhythmisch, disharmonisch und hart an der Grenze zur enervierenden Gehörgangsvergewaltigung erreicht die Kunst von „Missgeburt. Macht eine Messe!“ exakt das, was sie sollte: sie tut weh. Und zwar richtig.

Da man GEBENEDEIT, die mehr den Charakter einer von spärlichen Klängen untermalten Lesung mit liturgischem Charakter haben, eigentlich nicht wirklich unter „Musik“ - zumindest im Sinne unserer Magazinausrichtung – bezeichnen kann, verzichten wir an dieser Stelle auf eine entsprechende Punktbewertung. Wer jedoch unbequeme Kunst mit einer Portion Misanthropie sucht und auch ein gerütteltes Maß an bildhafter Fäkalsprache in Kombination mit rudimentärem musikalischem Rahmen zu erdulden bereit ist, der sollte GEBENEDEIT unbedingt ein Ohr leihen.

Ohne Bewertung – (Anthalerero)
 

GEBENEDEIT predigen bei Facebook und auf ihrer Homepage – und direkt hier im Video:

 

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: PULSE (Industrial/Elektro Metal, Oberösterreich)
Seite 3: VENATOR (Heavy Metal, Oberösterreich)
Seite 4: DANCING SUN (Progressive Metal, Steiermark)
Seite 5: GEBENEDEIT (Black Metal, Wien)
Seite 6: CADÛ (Rock, Wien)


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