SODOM - das "Genesis XIX" - Gangbang-Review

Bei meinen letzten Gangbang-Beiträgen legte ich immer damit los, dass ich von der Band, die besprochen wird, nix kenne und deshalb relativ blank aber auch unvoreingommen in die Album-Besprechung reingehe. Bei SODOM verhält es sich nicht anders. Natürlich kennt man SODOM als Urgestein des Thrash und Speedmetal und der Thrash war auch in meiner metallischen Sozialisation auf der Speisekarte, in den letzten Jahren aber immer weniger und von SODOM habe ich noch kein Album in voller Länge gehört. Ideale Voraussetzungen also, für den allseits beliebten STORMBRINGER-Gangbang.

"Genesis XIX" umfasst zwölf Tracks, die zwischen einer Minute und guten sieben Minten länge Thrash pur bieten. Wobei, nicht alle der zwölf Tracks bieten pure Prügelei. Aber immer schön der Reihe nach. "Blind Superstition" leitet mit instrumentalem, fetten Groove das Album ein und mit "Sodom & Gomorrah" knallt's gleich mal ordentlich. Highspeed-Drumming und -Riffing, wie man es von einem Thash/Speed-Kracher erwarten darf. Toni Merkel an den Drums zeigt gleich, dass er unheimlich flink über die Toms rauschen und die Double-Bass-Drum bis zum Exzess malträtieren kann. Ein guter Opener, der vier Minuten lang mit Volldampf nach vorn marschiert. "Euthanasia" beginnt mit lässigem Headbang-Groove, schwenkt aber schon kurz nach Beginn wieder auf die bekannte Schiene. Bereits nach zwei Tracks erkennt man, dass sich SODOM ihrer Kernkompetenz bewusst sind und es nur ganz selten wagen, die ausgetretenen Pfade zu verlassen.

"Genesis XIX" lässt sich im Grunde einteilen in jene Nummern, die mehr oder weniger nach Schema-F ablaufen und jene, die ein wenig aus der Reihe tanzen. Die Schema-F-Tracks sind durchwegs Vollgas-Nummern, die mächtig anschieben aber nicht sehr unterscheidbar sind. Auf Albumlänge kommt es dann vor, dass man nicht mehr weiß, ob die Nummer noch läuft oder ob man schon bei der nächsten ist. Zu ähnlich sind sich manche Tracks.

Die Nummern, die etwas aus der Reihe tanzen, sind das Salz in der Suppe, beziehungsweise auf dem Longplayer. Der Titeltrack "Genesis XIX" zum Beispiel beginnt mit einem zäheren Groove und baut sich langsam auf, ehe man (natürlich) wieder in das alte Fahrwasser gelangt. Aber der variantenreichere Songaufbau macht Spaß und schafft es, den Hörer bei der Stange zu halten. Ebenfalls aus der Reihe fällt "Nicht mehr mein Land", wo die Unzufriedenheit mit der Obrigkeit thematisiert wird. Allerdings finde ich persönlich in diesen Zeiten den Titel sowie Textzeilen wie "Die Freiheit stirbt auf dem Schafott" problematisch, zumal es dazu führen könnte, dass SODOM demnächst auf der nächsten Anti-Corona-Demo der Querdenker rauf und runter gespielt werden. Vielleict war das auch damit beabsichtigt, man weiß es nicht. "Occult Perpetrator" möchte ich hier auch noch erwähnen. Eine sehr fettes Grundriff breitet hier den Teppich aus, auf dem diverse Thrash-Versatzstücke platziert werden. Komplett mit "Hey"-Mitgröhl-Parts sicher eine der interessanteren Nummern auf "Genesis XIX". "Waldo & Pigpen" sowie "Indoctrination" bieten noch vereinzelt spannendere Momente und "Friendly Fire" beendet das Album so, wie es begonnen hat. Ohne Rücksicht auf Verluste, mit vollem Karacho an den Instrumenten.

Fazit: meine erste Full-Length-Album-Erfahrung mit SODOM lässt mich etwas zwiegespalten zurück.
Es gibt durchaus spannende Tracks und coole Riffs, aber über die Gesamtlänge von knapp 55 Minuten fehlt mir einfach etwas.
Ich hätte mir etwas mehr Experimentierfreude gewünscht, das eine oder andere mal einfach über den Thrash-Tellerrand rausschauen. So könnte man eventuell auch neue Hörerschichten für sich erschlißen.

SODOM Fans werden wohl ihre Freude mit "Genesis XIX" haben. Für jemanden wir mich, dessen Geschmak sich über die Jahre eigentlich vom Thrash wegbewegt hat, fehlten die Highlights, die mich später mal wieder zu dem Album greifen lassen.

2,5 / 5,0 - Hans Unteregger


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Jörn Janssen
Seite 3: Christian Wiederwald
Seite 4: Ernst Lustig
Seite 5: Pascal Staub
Seite 6: Lord Seriousface
Seite 7: Hans Unteregger
Seite 8: Fazit


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