Flusensieb #38 -10 kurze Plattenreviews

Veröffentlicht am 10.12.2020

Advent, die stille Zeit - aber im Flusensieb rattert und klimpert es weiterhin fröhlich vor sich hin, fliegt ein Goldstückchen nach dem nächsten den Redakteuren zur allerletzten Prüfung in den Schoß - und wird dann auserwählt. Oder eben nicht. Flusensieb-Reviews Nummer 608 - 617 erwarten euch, darunter einiges aus den Genres Prog und Prog Death Metal - vom Debutalbum bis zur genreinternen Legende -  Einzelkämpfer und Solokünstler, das erfindungsreiche "Djoom"-Genre, bombastische Fahrten hinunter zum Tartarus und himmelhohe Echoloten und eine gute Portion japanisches GeCore. Wohl bekomm´s! 


 

AFFLICTION VECTOR - Death Comes Supreme

Aus dem tiefsten Osten des um Haaresbreite nicht slowenischen Italiens dringt ein neuer schwarzer Todesschatten in die Metal-Lande. Noch ungezähmt, roh und ungeschliffen dringt er mit einer überwältigenden Mischung aus grollender Dunkelheit und blinder Brutalität durch die Ohren auf die Gehirne seiner Opfer, sie in den Wahnsinn zu treiben – oder sie mittels Katharsis vor ihm zu bewahren. AFFLICTION VECTOR beginnen ihre Reise durch die Metal-Lande mit ihrer Debüt-EP „Death Comes Supreme“ erst, hinterlassen aber bereits eine breite Schneise der Verwüstung. Möge die Psyche ihrer Hörer der gelungen-unangenehmen Black-Death-Mixtur standhalten. (jazz)

 


 

LUSTRE - Ashes Of Light

Mit "Ashes Of Light" stellt der schwedische Solokünstler Nachtzeit aka LUSTRE ein weiteres Ambient dominiertes Werk mit vereinzelten BM-Vocals zur Verfügung. Auch auf dem nunmehr siebten Album tut sich folgendes Problem auf: Die Synth-Sphären klingen anfangs zwar wunderbar verträumt, wenn man dann jedoch merkt, dass mehr als das nicht geboten wird, macht sich mangels Abwechslungsreichtum rasch Monotonie breit. Wer nach unaufgeregter Kaffeefahrt-Minimalstatmosphäre im Ambient Black Metal-Gewand sucht und nicht viel auf eine hochwertige Produktion gibt, wird hier fündig. Für Hintergrundberieselung bestens geeignet, mehr sollte man sich von Stil und Album aber nicht erhoffen. (AO)

 


 

ISLE OF THE CROSS

Multi-Instrumentalisten haben neben zwölf Armen ja gerne auch geniale Ideen. So ist Je Schneiders Fast-Alleingang "Excelsis“ von ISLE OF THE CROSS ein ordentliches Prog-Death Metal-Gewitter, das man allzu gerne im heimischen Wohnzimmer niedergehen lässt. Zwischen zeitweiser Bombast-Grundlage, stampfenden Rhythmen, breiten Instrumental-Teppichen mit choraler Durchsetzung und diversen Vocal-Variationen ist hier jede Umrundung ein Klangerlebnis. Zwölf Songs, die gekonnt ineinander greifen und doch ihren eigenen Charakter und somit immer wieder neue musikalische Erkenntnisse mit sich bringen, die man von Grund auf genüsslich genießen und verdauen kann. Da lohnt sich der Weg vom Tartarus in die Erlösung. (lisi)

 


 

MAKE THEM SUFFER - How To Survive A Funeral

MAKE THEM SUFFER geizen nicht mit starken Growls, djentigen Passagen, Blastbeats, Synthesizer-Untermalungen und Groove. Immer noch heavy, aber letztendlich zu viel auf einmal gewollt. Harte Kontraste verlaufen auf "How To Survive A Funeral" eher unglücklich, die eingestreuten Clean-Passagen unterbrechen immer wieder den Flow. Anspieltipp: "The Attendant". Hier zeigt sich: MAKE THEM SUFFER können catchy mit Cleangesang und sie können definitiv auch treibenden Core. Nur beides zu kombinieren und sich Wiedererkennungswert zu schaffen vermögen sie noch nicht zu vollbringen. Bleibt ihnen nur zu wünschen, dass ihnen das noch gelingt und sie ihre Karriere nicht irgendwann zu Grabe tragen müssen. (AO)

 


 

SPOCK´S BEARD - Noise Floor

Die 2018er-Veröffentlichung der Prog-Kings von SPOCK’S BEARD verdient es definitiv, auch nach einigem Zeitabstand zum Release in Erinnerung gerufen zu werden. Die Songs sind weitaus griffiger als sonst geworden, was sich auch in der relativ kurzen Songdauer (5-8min) zeigt. Viele Songs sind ziemlich eingängig und bleiben schon nach ein/zwei Durchgängen im Ohr kleben. Die uns vorliegende 2CD-Special Edition von Inside Out beinhaltet als Bonus noch eine 4-Track-EP, auf der mit „Days We’ll Remember“ der für mich beste Song des Sets enthalten ist. Die Produktion ist ebenfalls am Rande der Perfektion. Und mit Nick D’Virgilio ist wieder ein alter Bekannter am Schlagzeug/backing vocals zurück! Sehr empfehlenswertes Album! (MW)

 


 

NUG - Alter Ego

Atmosphärisch und progressiv, das sind die Ukrainer NUG. Und damit nicht ganz so düster, wie man ob des Namens (Original-Nug ist der Papa von Lovecrafts Cthulhu) vermuten könnte. Die Band NUG hat ein musikalisches Näheverhältnis zu THE OCEAN oder CULT OF LUNA. "Beast" etwa enthält reichlich Groove mit teils abgehacktem Growl-Stil, der sich auch gut mit Klargesang verbinden lässt, "Shores" soll hier stellvertretend für interessante Entwicklungen in der Songstruktur stehen. NUG können dichte, spannende Atmosphäre und Verschmelzung verschiedener Stile. Wer Progressive/Post/Djent/Groove oder auch nur ein paar der Genannten mag, sollte hier zugreifen. Eine wahre Perle im einschlägigen Sektor. (AO)

 


 

ECHOSOUL - The End Of Darkness

Gespickt mit ordentlich Anleihen aus den Heavy und Power-Gefliden, lassen sich die von Gastmusikern verstärkten ECHOSOUL auf dem Debut „The End Of Darkness“ auf ein proglastiges Konzept ein, das in den ersten Tönen vielleicht etwas zu ambitioniert anmutet (was wohl den aggressiveren Vocals von Ripper Owens geschuldet sein mag), zu einer starken Scheibe mutiert, die mit eingängigen Melodien und ordentlich Power nur so um sich wirft. Gekonnt werden hier stimmlich Ripper Owens und Rob Lundgren (Reveal) herangezogen, deren Klangfarben sich in der Gemengelage mit Melodie und Druck als gelungene Mischung erweisen. Schöne Sache, das! (lisi)

 


 

CRYPTONIGHT - The Black Ritual

Djent + Doom = Djoom, der neue heiße Scheiß für Freunde des expliziten Heavy-Sektors? Diese neue Wort- und Genre-Schöpfung wird Ihnen jedenfalls von CRYPTONIGHT präsentiert. Mit dem schwarzen Schlüssel wird die schwarze Tür geöffnet und rein gehts in die atmosphärische Klangwelt. Anfangs weiß der mit 8-Strings erzeugte Sound noch zu überzeugen, allerdings verliert sich das Ganze selbst für eine solch frische Verbindung und trotz interessantem Songwriting-Konzept irgendwann in Monotonie. Wer gerne etwas Abwechslung in seinen Doom-Klängen vorfindet, wird hier definitiv fündig, letztendlich wird "The Black Ritual" aber (beabsichtigterweise) nur bei Nischen-Freunden Anklang finden. (AO)

 


 

ASSIGNMENT - Reflections

Mit ordentlich Keyboards im Sound zeigen ASSIGNMENT, was sie aus Prog Metal machen können. Mit ausgeprägten (manchmal fast ein wenig zu ambitionierten) Vocal-Attacken und hochwertigen instrumentalen Passagen, die angemessen Zug generieren und trotzdem hin und wieder auch den ein oder anderen Ruhepunkt finden, bereiten ASSIGNMENT eine gekonnte Prog-Breitseite, die von Anfang bis Ende zu unterhalten versteht. Nicht zu hochtrabend, melodisch und eingängig, aber nicht zu überschwänglich verbogen, findet die Truppe einen schönen Mittelweg zwischen den Genres und überzeugt somit mit „Reflections“ auf ganzer Linie. Schön verdauliche Kost auf hohem Niveau und definitiv mindestens ein Ohr wert. (lisi)

 


 

CROSSFAITH - Species

Auf fünf Songs in knackigen 17 Minuten bietet die bereits achte EP "Species" der Japaner CROSSFAITH kurzweiligen Core im Schnelldurchlauf. Wer Elektronisches, starke Growls und Core mag wird hier fündig, besondere Songstrukturen sollte man sich aber nicht erwarten. Tatsächlich wirkt die wilde Zusammenstellung an verschiedensten Sound-Elementen in Kombination mit reichlich Uptempo eher planlos als strukturiert. Frontmann Kenta Koie besticht mit einem starken Vocal-Spektrum, instrumental kann ich dem Fünfer aber keine großen Alleinstellungsmerkmale bescheinigen. Nur in wenigen Momenten kommt durch, dass CROSSFAITH eigentlich mehr können. (AO)

 


 

Mehr Flusensieb!


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