Underground von Unten - österreichische Musik gehört gehört! Vol. 53

Veröffentlicht am 20.12.2020


 

GJOAD (Atmospheric Rock/Dark Folk, Salzburg)
 

Samanōn (Album, 15.12.2020)

  • 1. Rouh – Samanōn
  • 2. Peraht
  • 3. Gartsang
  • 4. Hagazussa
  • 5. Untar


Damit es nur ja nicht langweilig wird, starten wir Ausgabe 53 mit einer mysteriösen, dreiköpfigen Gruppe, die unter dem Namen GJOAD firmiert, vermutlich aus Salzburg stammt und ihren atmosphärischen Rock stark von den heimischen Bergwelten beeinflusst sieht. Das kennt man ja aus der westlichen Ecke der Alpenrepublik bereits und diese thematische Ausrichtung brachte uns schon einige musikalische Großtaten. Ob das bei dem vorliegenden „Samanōn“ auch so ist?

GJOAD nehmen sich jedenfalls Zeit, beim Aufbau ihrer klanglichen Welten. VIEL Zeit. Bisweilen vielleicht sogar ein wenig zu viel. Das muss man, selbst als Connaisseur von Nischenmusik der besonders speziellen Randbereiche, wirklich mögen. Ob bei der Kreation von „Samanōn“ in der heimischen Berglandschaft auch bewusstseinserweiternde Substanzen involviert waren, wissen wir natürlich nicht, doch ein Bisschen entspannendes Kraut kann nicht schaden, um die  tiefenentspannten Klänge von GJOAD angemessen verfolgen zu können. Auch die mitgelieferten, ohnehin spärlichen Infos dürfen ein klein wenig bezweifelt werden, werden doch dem neunminütigen, fließenden „Perath“ Gast-Vocals von Stefan Traunmüller (THE NEGATIVE BIAS, RAUHNACHT) zugeschrieben, die der Rezensent beim besten Willen nicht auszumachen imstande ist. (Vielleicht gelingt es euch, der Song ist unten verlinkt)

Auch ansonsten herrscht oftmals Verwirrung, zum Beispiel im satte 14 Minuten füllenden Opener „Rouh – Samanōn“, der sich bedächtig, doch beständig aufbaut, wo jedoch in der kurzen, intensiven post-metallischen Passage im hinteren Drittel der Mix ein wenig zu schwimmen beginnt, wenn sich die ansonsten pumpenden, schamanischen Drums in Blastbeat-Spitzen über flächige Gitarren erheben und man kurzzeitig das Gefühl hat, dass das Timing nicht so recht stimmt. „Gartsang“ ist eigentlich weniger ein Song, als eine gesprochene Interlude (im heimatlichen Idiom, ich würde mal tippen Salzburger Ursprungs) mit musikalischer Untermalung. Einzig „Hagazussa“ geht mit wunderbar atmosphärischen Gitarrenarrangements und den erneut sehr präsenten, dunkel grollenden Drums eher stringente Wege und präsentiert dabei sehr schön eingebundene Maultrommel-Klänge, ehe der Schlusstitel „Untar“ wieder die stark mystifizierte Schiene bedient. Das Klischee wird dabei fast ein wenig überstrapaziert, wenn zwei Minuten lang ein monotoner Dauerton und sporadisches mystisches Geklingel versuchen Spannung zu erzeugen, welche dann erst die einsetzenden, pumpenden, fast Herzschlag-artigen Töne aufzubauen vermögen, ehe... ja, der Song und das Album auch schon wieder zu Ende sind.

Was bleibt, ist ein Gutteil Verwirrung, da sich das angepriesene Gefühl alpenländischen Mystizismus nicht so wirklich einstellen mag. Wie man die klirrend kalte Seele der Alpen in Töne destilliert, das haben andere Gruppen/Projekte bereits deutlich einnehmender eingefangen, bei GJOAD hat man eher das Gefühl in einer lauen Sommernacht im Flachland am See zu legen und mit einem Dübel in der Hand die Seele baumeln zu lassen. Hat aber auch was für sich.

2,5 / 5 – Anthalerero
 

Bis auf eine sehr minimalistische Bandcamp-Seite gibt es leider nichts über GJOAD zu finden, lediglich über die Seite ihres Labels Antiq Records, so wie auch das angehängte Hörbeispiel:

 

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: GJOAD (Atmospheric Rock/Dark Folk, Salzburg)
Seite 3: STONETREE (Stoner/Alternative Rock, Oberösterreich)
Seite 4: LOCUS NEMINIS (Symphonic Extreme Metal/Industrial, Oberösterreich)
Seite 5: RÖHREN (Rock, Niederösterreich)
Seite 6: SCION OF DARKNESS (Death Metal, Kärnten)


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