Underground von Unten - österreichische Musik gehört gehört! Vol. 53

Veröffentlicht am 20.12.2020


 

RÖHREN (Rock, Niederösterreich)
 

I steh am Rock 'n Roll (Album, 2019)

  • 1. I steh am Rock'n'Roll
  • 2. Gehirn
  • 3. Shit, Koks und Heroin
  • 4. Good Morning
  • 5. Spielsucht
  • 6. Tote Pferde
  • 7. Wunderland
  • 8. Made in Japan
  • 9. Fremde Stadt
  • 10. Brigitte
  • 11. Shit Is Flying High
  • 12. Lebe Jung
  • 13. Seehund
  • 14. Glied


Aus Niederösterreich kommen die RÖHREN, um euch zu stören! Dass der lang dienende Vierer auf den Rock'n'Roll steht, das wird gleich im Albumtitel „I steh am Rock'n'Roll“, sowie dem gleichnamigen Opener unmissverständlich kommuniziert – dabei scheuen die RÖHREN auch nicht davor zurück englische und deutsche Sprache zu mischen. Irgendwo zwischen erdigen, handgemachtem Rock im Gleichstrom/Wechselstrom-Format und punkiger Attitüde riffen sich die Vier mit vielleicht schon etwas schütter werdendem Haar, aber umso intensiverer Spielfreude durch gleich 14 Stücke Vollgas-Rock.

Bisweilen sind die Gesangsspuren gerade bei den Backing Vocals liebenswert schräg (speziell in der Ballade „Wunderland“), doch dafür ist das Songwriting der kurzen und höchst unterhaltsamen Songs auf den Punkt. Dass sich die RÖHREN dabei schamlos, aber mit spitzbübischem Grinsen und bockstarker Gitarrenleistung gefühlt einmal quer durch den Backkatalog zeitloser Klassiker 'fladern', wie man auf gut Österreichisch sagt, schmälert den Spaß, den man beim Hören und fröhlichem MitRÖHREN (Ein Euro in die Wortspielkassa!) empfindet, zu keiner Zeit – im Gegenteil! Dabei haben die Vier in ihren treibenden und textlich oft wunderbar absurden Rocksongs überdies so manche Binsenweisheit im pointierten Schüttelreim-Stil petto, wie zB „Tote Pferde, liegen unter der Erde“. Gute-Laune-Rocker wie „Good Morning“ oder „Lebe Jung“ wechseln sich mit herrlich zotigen Titeln wie „Brigitte“ ab und wenn die RÖHREN nicht gerade über die Rocker-Nahrung „Shit, Koks und Heroin“ philosophieren, dann bleibt spätestens beim ausführlichen Gruppengeramm-, ähem, -gesang über diverse Körperteile, vom „Gehirn“ bis zum „Glied“ ('Ich schwiiinge nur mein Gliiied, heut' Naaacht...' - ich wette, ihr könnt das jetzt nicht mehr nicht hören. Gern geschehen.) kein Auge trocken.

Rein nüchtern und objektiv gesehen, ist das was die RÖHREN darbieten vielleicht nicht die hohe Kunst der Rockmusik, aber wenn sie gekonnt auf Bierzeltniveau so Schnulzen wie von Thomas Forstner hemmungslos durch den Kakao ziehen, dann lacht die österreichische Seele. Ihr wisst was das heißt – bei der nächsten Party sollten die RÖHREN dringend auf den Plattenteller! Mit Drei Gigabyte Stoff intus verstrahlt dir das auch vor Mitternacht den Kosmos zwischen den Ohren – glaubt mir! Der Rezensent verlangt außerdem einen Warnhinweis auf der CD, dass man die Songs keinesfalls hören sollte, wenn man gerade vorhat Flüssig- oder Feststoffe zu konsumieren – es könnte sein, dass diese ungefiltert an der gegenüberliegenden Wand landen. Hat der Rezensent gerade sein Wohnzimmer neu ausgemalt? Möglicherweise.

3,5 / 5 – Anthalerero
 

Die RÖHREN stören auch auf Facebook, aber bevorzugt live:

 

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: GJOAD (Atmospheric Rock/Dark Folk, Salzburg)
Seite 3: STONETREE (Stoner/Alternative Rock, Oberösterreich)
Seite 4: LOCUS NEMINIS (Symphonic Extreme Metal/Industrial, Oberösterreich)
Seite 5: RÖHREN (Rock, Niederösterreich)
Seite 6: SCION OF DARKNESS (Death Metal, Kärnten)


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