Flusensieb #41 - 10 kurze Plattenreviews

Veröffentlicht am 26.03.2021

Der Frühling ist da! Und im Flusensieb landen vermehrt die dunklen Reste der düsteren Zeit, die noch nicht vollständig in den Abgrund gestürzt werden wollen - obwohl zum Teil musikalisch sehr nahe dran. Im folgenden finden sich Flusensieb-Nummern 638 - 647 und wenn man eines behaupten kann, dann, dass auch der Winter nicht ganz so wenige Perlen und Eiskristalle parat hat. Heute mit dabei ein ganzer Haufen von Melancholie: Melancholie, die trotzdem packt, Melancholie mit Begräbnis-Stimmung, alternativer Groove mit ohne Melancholie, ungarischer Tech-Stoff mit schwedischer Unterstützung, Space-Electro-Black Metal, noch mehr Melancholie aus Texas, Melo-Death in Reinform, Death mit Gehirnverfräßungen, eine etwas angedreckte Power-Scheibe als Exot dieser Ausgabe und zum Abschluss eine Runde Ambient Black Metal. Auf dass die dunkle Jahreszeit noch in ihren schönsten Facetten verklingt.


 

FLARES - Spectra

Der Vorgänger "Allegorhythms" konnte mit Abwechslungsreichtum und Polyrhythmik überzeugen, auch auf dem neuen Kurz-Album von FLARES geht man vielschichtig und durchdacht zu Werke. Gesang kommt wieder öfter zum Einsatz, ganz im Zeichen der Anfangsjahre. "Spectra" beherbergt weitergedachte Songideen aus den frühen Band-Jahren und nimmt mit auf eine spacig-melancholische Reise durch die musikalische Bandbreite, die FLARES auch hier zu bieten wissen. Allerdings hätte ich mir wieder mehr Höhepunkte und zumindest etwas Vertracktheit gewünscht. Auch Melancholie kann packend sein, "Spectra" vermag damit bei mir aber nicht vollends zu zünden. Eher ein schöner Begleiter für ruhige Stunden. (AO)


 

BEGRÃBNIS - Izanaena

Wenn es um das Sterben geht, spricht man in Japan Deutsch. Jedenfalls entschied sich vor zehn Jahren ein japanisches Trio für den Namen BEGRÃBNIS. Da lässt sich auch nicht schwer erraten, dass die Genrewahl auf Funeral Doom Metal (mit Akzenten von Sludge und Ambient) fiel. Der ist am düstersten, härtesten und unbarmherzigsten Ende aller heranziehenswerten Skalen anzuordnen. Brutal wie Donnerschläge pauken die langsamen Drums in ein schmerzhaft gezerrtes Gitarrenquiekdröhnen ein, an das sich die ultra-gutturalen Vocals der Sängerin anschmiegen wie herzlose Winterstürme an schroffe Felswände. Ein Debüt-LP-T(r)ipp für alle, denen Depressive Suicidal Black Metal zu schnell ist - und zu fröhlich! (jazz)

 


 

SOULBOUND – Addicted To Hell

"Addicted To Hell" ist das mittlerweile dritte Studioalbum der Bielefelder Alternative/Industrial Metal Truppe. Die dreizehn Songs auf der neuen Langrille wissen allesamt durch eingängige Melodien, eine gesunde Portion Härte und mitreißende Grooves zu gefallen. Dazu kommt die intensive, herrlich raue Stimme von Sänger/Shouter Johnny Strecker, die den Tracks noch das gewisse Etwas verpasst. "Addicted To Hell" ist ein dynamisches, wirklich hervorragendes Album geworden, das auch nach etlichen Durchläufen noch Spaß macht. (EL)


 

OMEGA DIATRIBE - Metanoia

Ungarn hat sich in letzter Zeit zu einem interessanten neuen Ursprung von Technical/Groove Metal gemausert. OMEGA DIATRIBE sind da keine Ausnahme. Von Jens Bogren produziert, präsentieren die Budapester eine druckvolle Scheibe, gehen aber nicht rein mit der Holzhammer-Technik zu Werke, sondern zeigen auch durchaus Gespür für Melodik. Ein richtiges Highlight lässt sich aber nicht finden. Im Laufe des Albums klingt vieles austauschbar, weniges bleibt langfristig hängen. „Metanoia“ ist zweifelsohne gelungen, ich würde es jedoch durch fehlende Innovation/Eingängigkeit lediglich im oberen Mittelfeld einordnen. Kein Meilenstein, aber definitiv hörenswert. Anspieltipp: „Grinder Of Self“. (AO)

 


 

DRUON ANTIGON - Desontstijging

Die belgische Stadt Antwerpen habe ihren Namen von "Hand werfen". Diese Hand war die abgeschlagene des Riesen DRUON ANTIGON. Diesen Riesen-Namen trägt auch das noch ganz junge Solo-Projekt von Lennart Janssen, das Black Metal mit Ambient- und Electro-Elementen verbindet. Zugegeben: Bei dieser Kombi handelt es sich um einen lang gehegten persönlichen Wunschtraum meinerseits. Deswegen fällt mein Urteil streng aus: Der schmerzverzerrte Black Metal klingt ziemlich solide, das spacige Electro-Gewese aber etwas zu sehr danach, als hätte sich ein übernächtigter DJ auf einem Horrortripp eine zu starke Batterie an die Nippel gehalten. Musikalisch so ausgerenkt wie der Debüt-LP-Titel "Desontstijging" (jazz)


 

HINAYANA - Death Of The Cosmic

Finnischen Melodeath á la INSOMNIUM und OMNIUM GATHERUM bieten die Texaner HINAYANA auf ihrer Debüt-EP "Death Of The Cosmic", die auf etwa 23 Minuten Spielzeit kommt und ihr erstes Werk beim heimischen Label Napalm Records ist. Melancholie, teils verträumte Melodien, Keyboard-Klänge, vereinzelte Doom-Anleihen und passende Growls von Front-Songwriter und Bandgründer Casey Hurd machen "Death Of The Cosmic" zu einem gelungenen Album, das direkt ins Ohr geht. Weniger glatt gebügelte Produktion und etwas mehr Ecken und Kanten hätten zwar sicher nicht geschadet, das aber nur am Rande. Genre-Freunde sollten der Band definitiv ein Ohr leihen, von HINAYANA wird man sicher noch einiges hören. (AO)

 


 

ACT OF CREATION - The Uncertain Light

Die hessische Melodeath-Combo hat mit "The Uncertain Light" auch schon das vierte Langeisen am Start. Vor dem Erstkontakt mit dieser Scheibe war mir die Band (leider) vollkommen unbekannt. Allerdings brauchte es nur einen Durchlauf, dass ACT OF CREATION einen bleibenden Eindruck bei mir hinterließen. Die musikalisch-explosive Mischung aus alten AMON AMARTH / DARK TRANQUILLITY und hammerhartem Thrash, gepaart mit der grandiosen Stimmgewalt von Sängerin Jess bietet die besten Voraussetzungen für eine knappe Stunde exzellenter Musik. Pflicht (!) für alle Melodeath Fans! (EL)


 

SECOND TO SUN - Leviathan

Die St. Petersburger Formation SECOND TO SUN hat mit "Leviathan" ihren nunmehr achten Longplayer in petto und präsentiert düstere Atmosphäre mit viel Abwechslung, was das Album zu einem spannenden Post Black Metal-Werk macht. Melodisch, aber dennoch brachial, in verschiedensten Geschwindigkeitsstufen und mit diversen Einflüssen wie etwa Death Metal geht man hier zu werke. Und ja, auch in diesem Bereich kann es vorkommen, dass ein Riff derart catchy ist, dass es sich in die Gehirnwindungen festfräßt und regelmäßig als Ohrwurm zutage kriecht ("Marsch der Wölfe"). Anspieltipps (abgesehen vom eben genannten Song): "Leviathan" und "Eerie". Reinhören und abtauchen in russische Post Black-Genialität. (AO)

 


 

NIGHTMARE - Aeternam

Auch wenn die Franzosen bereits 1979 gegründet wurden, mit der Musik der Anfangstage hat die heutige Kombo nicht mehr viel gemein. "Aeternam" enthält eine gute Dreiviertelstunde lang melodischen Power Metal mit einer leicht thrashigen und manchmal sogar schwarzmetallischen Schlagseite. Das Aushängeschild und Highlight des neuen Albums ist ganz klar die grandiose Stimme von Sängerin Madie. Abwechslungsreiches Songwriting und eine kraft- und druckvolle Produktion runden die wirklich äußerst gelungene neue Scheibe ab. Unbedingt antesten! (EL)


 

WOLVENCROWN - A Shadow Of What Once Was (EP)

Nach ihrem Debüt aus dem Jahr 2019 kredenzen uns die fünf Herren aus Nottingham/England Ende Februar ein Lebenszeichen in Form einer EP mit drei nigelnagelneuen Stücken. Im Vergleich zum Erstwerk sind WOLVENCROWN eine ganze Ecke atmosphärischer geworden, die neuen Songs klingen wie ein Dachbodenfund aus den späten 90ern. Oldschool as Hell, mit kratzig-rohem Sound, aber auch mit viel Eingängigkeit und tollen Melodien und Hooks. Der Schlusstrack ist reiner Ambient und erinnert ein wenig an WONGRAVEN. Viel Flashback-Potential also, das sich Atmospheric Black Metal Fans nicht entgehen lassen sollten. (EL)


 

Mehr Flusensieb!


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