Underground von Unten - österreichische Musik gehört gehört! Vol. 55

Veröffentlicht am 27.04.2021


 

GRADIENT OF DISORDER (Metal, Wien)
 

misEntropic (Album, 16.04.2021)

  • 1.​ Another Atrocity
  • 2.​ Special Desires
  • 3.​ The Void
  • 4.​ Prometheus
  • 5.​ Inch By Inch
  • 6.​ Gate Of Oblivion
  • 7.​ Deep In The Winters Frost
  • 8.​ Stronger
  • 9.​ As I Fall
  • 10.​ Frostbitten Pyromaniac
  • 11.​ Die Antwort


Bei unserer letzten Band, GRADIENT OF DISORDER aus Wien, bekommt die Redewendung „sich Zeit lassen“ eine ganz neue Bedeutung. Gegründet 2005, beschloss der verrückte Haufen der selbsternannten Fußgänger der Apokalypse, zum 10-jährigen Bandjubiläum endlich sein Debütalbum in Angriff zu nehmen. Was soll man sagen, es dauerte dann doch ein wenig länger, bis „misEntropic“ endlich das Licht der Welt erblicken konnte. Das lange Schmieden an der Scheibe merkt man, kommen GRADIENT OF DISORDER doch mit einer enormen Menge an Einflüssen ums Eck, die sich aber im Großen und Ganzen zu einem recht schlüssigen Werk verbinden. Am experimentierfreudigsten ist der Sechser an der Vocalfront, wo mit gleich vier Beitragenden (neben Sänger Wolfdietrich singt und grunzt auch die komplette Saitenfraktion) das Abwechslungspotenzial am höchsten ist.

Leider sind es auch die Vocals, die nicht immer gänzlich auf den Punkt sind und manchmal liebevoll-schräg aus den Boxen dröhnen, was man schon im flotten, schmissigen Einstieg „Another Atrocity“ nicht umhin kommt zu bemerken. Stilistisch sind die Wiener ein Chamäleon, das man nicht so recht einordnen kann – irgendwo zwischen grummelndem Heavy Metal, Folk- und Powermetal bis hin in angedeathetete oder sogar extreme Bereiche lugend und mit dezenter Groove/Thrash-Note. Manchmal böllert es („Special Desires“), dann groovt es („The Void“), dann galoppiert es dahin („Inch By Inch“) und dann bekommt man wieder das Feeling eines irischen Traditionals, wie in „Deep In The Winters Frost“, in dem die Flöte die Führung übernimmt. Wenn zu viele Einflüsse zusammenkommen, wie in „As I Fall“, wo vielen Tempo- und Stilwechsel das Stück ein wenig unkoordiniert wirken lassen, funktioniert die Mischung nicht so ganz. Prometheus kommt dank Flöteneinsatz stilistisch auf den ersten Blick komplett unterschiedlich einher, erweist sich dann aber als cooler, powernder Song, der durch seinen Gesangseinsatz und die Rhythmik gar ein wenig an ältere ALESTORM erinnert. Der lupenreine Powermetal-Smasher „Gate Of Oblivion“ geht mit seinem lässigen Riff schnell ins Ohr, lediglich gesanglich mag sich der Song nicht so ganz mit dem harmonischen Grundgerüst zusammenfinden, die elegische, fast schwarzmetallische Rifferuption im direkt proggigen Mittelteil lässt dafür aufhorchen. Eine weitere Facette des musikalischen Chamäleons GRADIENT OF DISORDER bietet „Stronger“, das mit Piaonklängen und Flöte ungewöhnlich sanft beginnt und sich dann zu einem fetzigen, epischen Titel mit starkem Spannungsbogen entwickelt. Das grummelnde „Frostbitten Pyromaniac“ (was für ein Titel!) erweist sich stringenter und drängender, mit dezentem Schielen in extremere musikalische Bereiche, ehe der Rausschmeißer „Die Antwort“ gibt und zu klassischem Heavy/Powermetal erstmals und einzigst auf dem Album deutsche Lyrics kombiniert.

Ein Bisschen irre ist die Truppe schon, aber genau das macht auch irgendwo den Charme von „misEntropic“ aus. Streckenweise sind die Einflüsse und Stilistiken ein wenig zu breit gefächert und mögen manche Hörer überfordern und trotz der großen Bandbreite an der Gesangesfront, kann man gerade in diesem Bereich nicht so ganz überzeugen. Mit ein wenig entschlacktem Songwriting sollten sich GRADIENT OF DISORDER leichter tun – bis dahin ist „misEntropic“ ein starkes Debüt mit sehr guten Ansätzen, die man unbedingt weiter verfolgen sollte.

3 / 5


Weitere Infos zu GRADIENT OF DISORDER finden sich auf ihrer Homepage und bei Facebook, als Beispiel darf das Lyricvideo zu „Prometheus“ herhalten:

 

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: SUNBORN (Groove/Thrash Metal)
Seite 3: KARL BIERBAUMER (Rock, Wien)
Seite 4: VIRTUAL PERISH (Industrial/Symphonic Extreme Metal, Niederösterreich
Seite 5: GLEN AMPLE (Hard Rock, Steiermark)
Seite 6: GRADIENT OF DISORDER (Metal, Wien)


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