Mariusz Lewandowski – Die Metal-Artworks des Künstlers – Teil I

Text: Jazz Styx
Veröffentlicht am 20.04.2021

Fühle dich eingeladen zu einer Ausstellung des faszinierenden polnischen Künstlers Mariusz Lewandowski. Sie soll sich um die LP- und EP-Cover drehen, die er seit 2017 für die Metal-Welt gemalt hat, und sein Können in Verbindung mit der entsprechenden Musik setzen. Dies ist der erste von drei Teilen. Die Reihenfolge ist chronologisch nach den Erscheinungsdaten der Platten, die Liste jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vollständig. Trotzdem viel Spaß!

BELL WITCH – Mirror Reaper

Der metallische Strang von Lewandowskis Karriere begann mit der US-amerikanischen Band BELL WITCH, die ein Artwork für das Cover ihrer 2017 erscheinenden Platte „Mirror Reaper“ bei ihm anfragten. Was er lieferte, war ein Meisterwerk. Vielschichtig, düster, bewegend und unglaublich passend zum überragenden Funeral-Doom-Album, das BELL WITCH musikalisch mit dem schauerlichen Wesen verbindet, das seinen Kopf durch den Spiegel streckt. Darüber hinaus zeigt das Bild – das Cover ist nur ein Ausschnitt davon – eine ganze Welt voller schmerzlicher, aber faszinierender Details. Zwei große Kunstwerke verbinden sich hier. Lediglich das eher schwache Bandlogo entstellt das Bild ein wenig.


SHRINE OF THE SERPENT – Entropic Disillusion

Circa sechs Monate nach Lewandowskis Debüt in der Welt der Metal-Artworks erschien ein weiteres seiner Bilder auf einem Albumcover und bebilderte „Entropic Disillusion“ von SHRINE OF THE SERPENT mit drei Vorhang-Mauer-Nebel-Gebirgs-Gestalten vor einem toten Land. Das dazugehörige musikalische Genre änderte sich im Vergleich zum Erstling kaum: Hier herrscht – etwas gröber – der Death Doom unter bewölktem Nachthimmel. Für SHRINE OF THE SERPENT war es das erste, sollte aber auch das einzige, also letzte Album bleiben, denn die US-amerikanische Band löste sich 2020 auf.


SEPULCHER – Panoptic Horror

Ein musikalisch größerer Sprung folgte, als Lewandowski dann die im September 2019 erschienene Platte „Panoptic Horror“ von SEPULCHER bebilderte, deren Death und Thrash Metal durch eine Dreiteilung verkörpert wird: Fliegende Stein- oder Eissplitter vor einem sehr präsenten sandfarbenen Nichts, vulkanisch anmutendes Brodeln und klein und unbedeutend davor ein Zug vielleicht pilgernder, vielleicht flüchtender Menschen. Ein Bild, das viele Fragen aufwirft, zu norwegischer Musik, die roh und kräftig thrasht.


EREMIT – Carrier Of Weight

Unwesentlich später erschien das Debütalbum der deutschen Band EREMIT. „Carrier Of Weight“ zeigt das bis dahin düsterste Artwork, das Lewandowski der Metal-Gemeinde gemalt hat. Eine nächtliche Felsenküste, vor der ein gesplittert anmutendes Boot mit einem einzelnen Menschen an Bord auf eine nur schwerlich zu identifizierende, schwache Lichtquelle zufährt, während faulige Algen sich um ihn herum türmen. Lewandowski beweist ein großartiges Gespür für die scheußliche, dreckige Finsternis, die der Doom-Sludge-Mix von EREMIT transportiert, obwohl er vor 2017 sich eigentlich wenig mit Metal konfrontiert sah. Schade nur, dass das Albumcover einen so großen Rahmen bekommen hat.

 

PSYCROPTIC – As The Kingdom Drowns

Mit „As The Kingdom Drowns“ von PSYCROPTIC fand Ende 2018 erstmals ein Bild von Lewandowski den Weg auf das Cover eines Technical-Death-Metal-Albums und kontrastiert das vorangegangene Werk dementsprechend grundlegend. Flammendes Rot leuchtet eine gigantische Gestalt an. Doch es zeigen sich auch die Gemeinsamkeiten der Lewandowski'schen Kunst: Es dreht sich viel um massive Größenunterschiede von Figuren, um tote Landschaften, anonyme Kuttenträger und eine gewisse fragende Spannung und Unklarheit, die sich deutlich auf die emotionale Ebene übertragen. So erreichen Lewandowskis Werke auch Australien.

 

MIZMOR – Yodh: Live At Roadburn 2018

Angekommen in 2019 geht es wieder zurück in die Welt des Doom – vermengt mit Drone und Black Metal – beim Album „Yodh: Live At Roadburn“ der US-amerikanischen Band MIZMOR. Auf dem Cover der Liveplatte ist kaum mehr als ein dreckiger Farbverlauf verschiedener Grautöne zu Brauntönen zu sehen, in die wie aus einer anderen Welt ein Gesicht einzudringen versucht. Erneut eine gekonnte Farb- und Form-Inszenierung des zugehörigen musikalischen Lärms.

 

BEWITCHER – Under The Witching Cross

Das Albumcover von „Under The Witching Cross“ der US-Speed-Black-Metaller BEWITCHER wirkt deutlich außerhalb des üblichen Rahmens von Lewandowski. Die Szenerie ist viel konkreter, es gibt keine Ebenen, keine Größenkontraste, dafür eine Ritus-Szenerie. Vielleicht handelt es sich um eine Auftragsarbeit mit vielen eigenen Vorstellungen der Band oder ein Experiment. Jedenfalls fehlt dem Bild die sonst so konsistente Stimmung.

 

FUMING MOUTH – The Grand Descent

Zurück zum Farbschema seiner metallischen Anfänge kehrt Lewandowski beim Plattencover für „The Grand Descent“ von FUMING MOUTH, wenngleich das Motiv in Teilen plakativer wirkt. Der crustige Death Metal der US-Amerikaner hat ja aber auch eine brutalere Geradlinigkeit als die Klänge von BELL WITCH. So passt die gequälte Entität mit ihrer Flammenhand und den Menschen, die aus der brennenden Unterwelt in ihr Licht aufsteigen schon nicht schlecht zur Musik. Die blutende Hand mit dem Schwert scheint mir aber etwas zu powermetallisch aus dem Konzept zu fallen.

 

FALSE – Potent

Das zweite Album „Potent“ (2019) der US-amerikanischen Black-Metal-Band FALSE, die 2020 ein unschönes Ende fand, trägt ebenfalls einen sehr gelungenen Lewandowski auf seinem Cover. Die Schichtung der Ebenen ist noch zahlreicher als sonst. So werden traurige Augenhöhlen teilweise von einer weißen Flagge überdeckt, die von einer Schattenarmee geschwungen wird, während sich zwischen düsteren Felsen der personifizierte Tod zu einem Lavasee herunterbeugt, an dessen steinigen Ufern winzige menschliche Gestalten stehen. Abgesehen von der wirklich starken Musik taugt diese Platte definitiv auch zum Einrahmen.

 

ROGGA JOHANSSON – Entrance To The Otherwhere

Auch bei der letzten Platte dieses ersten Teils der stormbringerischen Lewandowski-Ausstellung handelt es sich um eine zweite LP. Der Schwede ROGGA JOHANSSON – bekannt für nahezu unendlich viele Projekte wie BLOODGUT, ECHELON, NECROGOD und PAGANIZER – ließ im Sommer 2019 „Entrance To The Otherwhere“ erscheinen, das von einem Artwork geziert wird, für das Lewandowski ein gigantisches, von einem Engelswesen gekröntes Tor ins mystische Gelb gemalt hat. Durch dieses Tor fährt geradezu winzig ein einmastiges Segelschiff. Gelungene Kunst zu gelungenem Death-Metal.

 

Dies war der erste von drei Abschnitten der Ausstellung um den gefragten polnischen Künstler: quasi Lewandowskis metallisches Frühwerk von 2017 bis Mitte 2019, wo wir dann nächste Woche wieder ansetzen.

Hier geht es zur Lewandowsi-Metal-Artwork-Ausstellung Teil II und Teil III, sobald diese erschienen sind.

Besuche auch den Künstler selbst: lewandowski.art


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