Mariusz Lewandowski – Die Metal-Artworks des Künstlers – Teil III

Text: Jazz Styx
Veröffentlicht am 04.05.2021

Fühle dich eingeladen zu einer Ausstellung des faszinierenden polnischen Künstlers Mariusz Lewandowski. Sie soll sich um die LP- und EP-Cover drehen, die er seit 2017 für die Metal-Welt gemalt hat, und sein Können in Verbindung mit der entsprechenden Musik setzen. Dies ist der dritte von drei Teilen. Die Reihenfolge ist chronologisch nach den Erscheinungsdaten der Platten, die Liste jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vollständig. Trotzdem viel Spaß!

 

THOLING THE VOID – Insignificance

Heute beginnen wir mit Blackened Doom aus Polen, der Heimat des Künstlers Mariusz Lewandowski. Diesen wunderbaren Metal mit Geige spielen THOLING THE VOID auf ihrem Debütalbum „Insignificance“, das im Juli 2020 erschien. Soviel zum Inhalt des Albums. Außen drauf enthält es eine Sammlung aus Grautönen, die ein Grabsteinendlager bilden – ein bekanntes Lewandowski-Motiv aus eine fahleren, trostloseren, aber emotional nicht so fokussierten Perspektive gegenüber dem Albumcover von „Golgotha“ von ELDER DRUID, das wir letzte Woche betrachtet haben.

 

FELGRAVE – A Warning Light

Das Cover von „A Warning Light“ von FELGRAVE macht einen außergewöhnlich schwarzmetallischen Eindruck – vor allem wenn man es im Vergleich zu Lewandowskis anderen Artworks betrachtet. Allerdings ist die Musik von M. L. Jupe, der hinter dem Projekt steht, dem Death Doom Metal zuzuordnen. Allerdings dem düsteren Ende, also passt das schon nicht schlecht. Dem Cover fehlt allerdings die Vielschichtigkeit und Tiefe, die man bei Lewandowski erwartet.

 

ATRAMENTUS – Stygian

Der Kanadier Philippe Tougas schrieb das Album „Stygian“ schon 2012 und doch erschien es erst im August 2020 als Debüt seiner Band ATRAMENTUS. Lewandowskis Bild, das auf der Platte abgebildet ist, zeigt einen düsteren Gestaltenzug in Roben, mondbeschienene Felsen, eine trostlose Ebene, einen verzweifelten weißen Ritter neben einem im Boden steckenden Schwert und eine Flagge aus blutigen Fasern. Abgesehen von dem irritierenden zweiten Mond eine nicht unstimmige und atmosphärisch tiefe Szenerie, die zum schleppenden Funeral Doom der Musik passt.

 

JUPITERIAN – Protosapien

Bleiben wir im Metier des finsteren Doom, fügen aber Sludge und Death Metal hinzu, reisen nach Brasilien und lauschen JUPITERIAN mit ihrer dritten LP „Protosapien“, die ein sehr passendes Bild von Lewandowski erhalten hat. Aus der Dunkelheit steigt ein Totenkopf auf und erblickt das Licht der Welt, das ungewöhnlich leuchtend auf die Spinnenweben-artigen Gebilde fällt, die an der zum Leben erweckten Totengestalt haften. Ebenen, Größenkontraste und Robenträger sucht man hier vergeblich, aber dennoch strahlt das Bild eine lewandowskische Kraft aus. Es geht also auch ohne trostlose Felsen im Mondlicht.

 

HEXER – Realm Of The Feathered Serpent

Die deutsche Band HEXER konnte für ihre Platte „Realm Of The Feathered Serpent“, die im Oktober 2020 erschien, ebenfalls ein Werk des polnischen Künstlers ergattern. Der Doom und Sludge Metal des Dortmunder Trios erhält ein Coverartwork, das eine berittene Armee vor einer Kirche und bekreuzte Schiffe auf tosender See zeigt. Die kontrastierend dunkle Küste links außerhalb des Bildes wurde leider abgeschnitten. Wieder einmal fehlt dadurch etwas in der Gesamtkomposition. Nämlich das Ziel der Angriffe. Die vermeintlichen Lichtgestalten sind im Kampf mit der Dunkelheit, doch das Licht ist fahl wie ein Leichentuch, das Dunkel hingegen natürlich.

 

FUMING MOUTH – Beyond The Tomb

Einmal Lewandowski, immer Lewandowski? Jedenfalls haben sich FUMING MOUTH aus den USA nach ihrer Debüt-LP „The Grand Descent“ (2019) auch 2020 erneut für die beklemmende Kunst aus Działdowo entschieden. Die EP heißt „Beyond The Tomb“ und präsentiert erneut eine Death-Metal-Crust-Mischung mit sehr feinem Gitarrenspiel. Das Cover dazu ist ein eher grobes, aber gerade dadurch beeindruckendes Werk, in der sich Leben und Tod winzig und riesig gegenüberstehen. Besonders intensiv sind auch die Flecken, die vom unteren rechten Rand her das Bild geradezu aufzulösen scheinen. Eines meiner persönlichen Lieblingswerke Lewandowskis.

 

SOLEMN SILENCE – Collection 2021

Die Marburger SOLEMN SILENCE fassen in ihrer Debüt-EP „Collection 2021“ zu Beginn des Januars im neuen Jahr einige Progressive-Heavy-Metal-Songs zusammen und bebildern dies mit einem Lewandowski-Werk, das außergewöhnlich viel Natur zeigt. Ein gigantischer Baum ragt über namenlosen Gestalten auf und ein Vogel wacht über das Geschehen. Das Menschengedränge hin auf ein blasses Licht steht im Kontrast zum Frieden, den der alte Baum und der beobachtende Vogel darstellen. Das passt grandios zur Musik, von der sehr gern in Zukunft mehr zu hören sein darf – und das sage ich als faszinierter Genrefremder.

 

NIHÏLANTH – Graceless Planet

Ein weiteres Debüt kommt aus Frankreich. NIHÏLANTH haben im Januar 2021 „Graceless Planet“ als EP herausgebracht. Eine ausgedehnte Albumversion folgt im Mai. Beide Death-Metal-Platten tragen das gleiche Lewandowski-Gewand, das eine Küste mit überragenden Felsen zeigt, an der sowohl entfernte Menschen als auch eine hastende Todesgestalt voller Algen zu sehen sind. Da ich selbst keinen Zugang zu diesem Werk finde, überlasse ich euch die Interpretation.

 

HUMANITY'S LAST BREATH – Välde

HUMANITY'S LAST BREATH spielten einst Deathcore, bewegen sich aber mittlerweile mehr und Mehr in Death-Metal-Gefilden. Ihre Platte „Välde“ ist beeindruckend wuchtig und passt zu dem gewaltigen Klotz, den Lewandowski auf ihrem Plattencover platziert hat. Er ragt aus einer brennenden Ödnis auf, klein daneben steht – wie so oft bei Lewandowski – ein dunkler Menschenumriss. Im großen Klotz sind die üblichen Robengestalten. Die mittige Lichtquelle befindet sich zugleich im wie vor dem dunklen Gebilde und wirkt durch die dick aufgetragene Farbe noch entrückter und zugleich realer als alles andere im Bild – spannendes Stilmittel!

 

SEPULCROS – Vazio

Das Debütalbum von SEPULCROS hört auf den Namen „Vazio“ und erschien im März 2021. Die Portugiesen spielen Atmospheric Death Doom Metal und erhalten von Lewandowski eine düstere Schlucht voller zerklüfteter Felsen, Ruinenresten, etwas, was ein bedrohliches Ei darstellen könnte, und menschlicher Winzigkeit. Finsterer war selten ein Lewandowski, finsterer selten die zu bebildernden Klänge.

 

EREMIT – Bearer Of Many Names

Zum Abschluss dieser Lewandowski-Metal-Artwork-Ausstellung kommen wir zu einem Album, das erst im Juni erscheinen soll. „Bearer Of Many Names“ ist die zweite LP von EREMIT – und auch die zweite mit einem Bild des polnischen Künstlers. Wie schon beim ersten Werk bekommt das Motiv einen Rahmen, der leider etwas stört. Dafür ist das Bild selbst ungewöhnlich. Neben den toten Landschaften, den Felsen und einem fliegenden Steinblock ist nämlich ein saurierhaftes Echsenwesen zu sehen, das augenlos eine Menschenleiche zu begutachten scheint.

 

Dies war der dritte von drei Abschnitten der Ausstellung um den gefragten polnischen Künstler: quasi Lewandowskis metallisches Gegenwartswerk vom Sommer 2020 bis in den Sommer 2021 hinein. Gespannt schauen wir auf die Zukunft des beeindruckenden Künstlers. Mögen noch viele Metal-Platten seine Kunst tragen!

Hier geht es zur Lewandowsi-Metal-Artwork-Ausstellung Teil I und Teil II.

Besuche auch den Künstler selbst: lewandowski.art


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