Flusensieb Mini #81 - Drei vergessene Metal-Platten

Veröffentlicht am 10.07.2021

Manchmal muss es der kleine Happen für zwischendurch sein. Das FLUSENSIEB MINI bietet kleine Ohrenfreuden oder schwer verdauliche Schwermetall-Partikel - das kommt einzig und allein auf den Genießenden an. Auf jeden Fall schneller zur Hand (oder am Ohr) als der berüchtigte Gang zum Kühlschrank - zumindest fällt das Sich-Schwerfällig-Von-Der-Couch-Erheben weg. Viel Spaß mit den drei fast überhörten (unerhört-en!) Platten, die hier noch einmal die letzte Möglichkeit haben, zu gefallen. 


 

ZERO 2 NOTHING - Limits Of Temptation

Der Progressive Hard Rock von ZERO 2 NOTHING, der das Debüt-Album „Limits Of Temptation“ füllt, kann vielfach überzeugen: Der Gesang, energisch wie ruhig beeindruckend stark, wird nicht nur Hetfield-Fans gefallen, die Instrumente schaffen wahnsinnig vielseitige Klangwelten, die den Genre-Zusatz Progressive noch wirklich verdienen, dabei aber erstaunlich unverfrickelt bleiben. Ich jedenfalls bin wirklich nicht leicht von Hard Rock zu überzeugen und Progressives gefällt mir meist besser, wenn es technisch, jazzig oder anderweitig anstrengend ist, und dennoch haben mich die Griechen schon nach Sekunden eingefangen und viele Plattendurchläufe nicht wieder losgelassen. Mächtig großer Reinhörtipp! (jazz)


 

REALITY GREY - Beneath This Crown

Schon fast 20 Jahre haben REALITY GREY auf dem Buckel und mit „Beneath This Crown“ das vierte Album in petto. Obwohl als Melodic Death Metal angepriesen, hat das Album eine sehr starke Metalcore- bzw. Modern Metal-Schlagseite. Einflüsse von Größen wie UNEARTH lassen sich nicht von der Hand weisen („Kings Of Nothing“). Auch mit Thrash-Anleihen sowie diversen Vocal- und Tempo-Wechseln wird gearbeitet, inklusive schicker moderner Riffs („Powerblast“). Alles sehr rasant und abwechslungsreich, aber ohne Substanz, die mich zum immer wieder Anhören verleiten würde. Technisch einwandfrei, ob „Beneath This Crown“ ein kurz- oder langfristiger Hörgenuss ist, muss aber wohl jede:r für sich entscheiden. (AO)


 

PSYCHONAUT 4 - Beautyfall

Ihr zehnjähriges Bestehen feierten PSYCHONAUT 4 aus Georgien Ende 2020 mit ihrem vierten Album „Beautyfall“. Angesichts ihres Genres fällt die Party aber vielleicht nicht allzu fröhlich aus. Der Wein ist voller Tränen, die Torte aus enttäuschten Sehnsüchten und flehender Verzweiflung, die Musik eine interessante Gratwanderung zwischen Rock und Depressive Black Metal. Man muss das zerreißende Winseln schön mögen, um die atmosphärisch-düsteren Rock- und Black-Metal-Känge positiv bewerten zu können, aber dann erhält man eine gewisse Einzigartigkeit, die tief berührt, ohne einfach nur rostige Nägel in die Tränendrüse zu stecken. Sehr gelungenes, vielseitiges Musikkonzept! (jazz)


 

Mehr Flusensieb!


WERBUNG: Hard
ANZEIGE