WACKEN OPEN AIR – Fans statt Bands – 04 – Samstag

Text: Jazz Styx
Veröffentlicht am 31.07.2021

Leider muss das Wacken Open Air 2021 ausfallen, daher kann an dieser Stelle auch kein Festivalbericht erscheinen. Da es jedoch vielen Festivalgängern neben der Musik auch darum geht, Gleichgesinnte kennenzulernen, stellen wir an den Tagen, an denen das W:O:A eigentlich hätte stattfinden sollen, ein paar Metalheads vor. Ganz im Sinne von Wacken-Gründer und -Veranstalter Thomas Jensen, der immer wieder betont, dass die Metal-Fans, noch vor den Bands, die eigentlichen Stars des Festivals sind.

Am Samstag – heute – wird normalerweise auf dem W:O:A noch ein letztes Mal so richtig Gas gegeben: gerockt, gebrüllt, gefeiert. Wir stellen euch als kleinen Ersatz für die Menschenmassen auf dem Acker noch einmal zwei Metalheads vor: Naddel und Robin.


 

Naddel

Wer bist du?

Naddel, 36 Jahre alt aus der Nähe von Bremen. Ich bin Sozialpädagogin im Öffentlichen Dienst.

Welche Verbindung hast du zu Wacken?

Mein erstes Wacken war als Staff-Member. Ich habe einem Bekannten bei einem Auftrag begleitet.
Nun bin ich normale Besucherin. Ich wurde infiziert.

Wie oft warst du schon auf dem W:O:A?

Ich war vier Mal auf dem WOA: 2016, 2017, 2018, 2019.

Was vermisst du am meisten am W:O:A?

Ich vermisse das Feeling und das Gefühl von Ungezwungenheit und Freiheit. Einfach in den Tag zu leben, von meinen Freunden umgeben zu sein und die Tagesstruktur nach Line-Up, Hunger und Durst auszurichten.

Was darf für dich absolut nicht fehlen beim W:O:A?

Mein bestes Camp ever „Wackentäter – für die Vermoshung des Ackerlandes", Knoblauchbrot, gute Musik, gesellige Stunden mit tollen Menschen, Merchandise.

Hast du eine Wacken-Tradition?

Es gibt ein Mal definitiv unsere selbstgemachten Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Gewürzgurken im Camp. Es gibt einen Camp-Abend unter uns mit Gitarrenmusik, mitsingen und Spaß haben. Fantreffen werden besucht, um Bekannte und Freunde zu treffen. Es gibt das „Wege-Bier“ oder 2018 das „Wege-Wasser“.

Welche sind deine liebsten Genres?

Da bin ich nicht festgelegt. Ich könnte eher sagen, was ich nicht so favorisiere.

Welche Bands würdest du am liebsten mal auf dem W:O:A spielen sehen?

Mein Wunsch mit LIMP BIZKIT hat sich erfüllt, SOULBOUND, HOSTAGE, APRIL ART, 4 OCEANS

Spielst du selbst ein Instrument oder sogar in einer Metalband?

Zählt Triangel? Ansonsten lieber nicht.

Erzähle uns deine beste oder verrückteste Wacken-Story!

Meine beste Story: Ich hab durch das WOA beste Freunde kennen und lieben gelernt.
Meine Verrückteste: neben mir im Zelt hatte ein Paar Sex. Beide waren extrem besoffen. Die Zelte standen so dicht beieinander, ich hatte das Gefühl, ich wäre direkt dabei! 30 Minuten und drei Stellungen später waren die beiden fertig …  und ich brauchte die Zigarette danach! Ich krabbelte wieder ins Zelt und schlief gerade ein, da tönte es von nebenan: „Komm, jetzt hau ab. Aua, du tust mir weh! Was willst du denn nun mit der Gabel? Pack die Gabel weg!“ Ich dachte mir nur: „Auweia … nun nochmal und dann mit EINER GABEL!?“ Die Geschichte klärte sich am nächsten Abend auf: meine beste Freundin machte das Paar ausfindig, sprach sie darauf an, sorgte für schallendes Gelächter und es stellte sich heraus, dass nach dem Liebesakt der Bruder ins Zelt kam, Hunger hatte und deshalb ein Gabel suchte. Seitdem gibt es in unserem Camp „die Sex-Gabel“.

 


 

Robin

Wer bist du?

Mein Name ist Robin, ich bin 43 Jahre alt, wohne in Mainz, bin im Hunsrück bei Idar-Oberstein aufgewachsen und arbeite als Sozialarbeiter in einer Jugend-Wohngruppe.

Welche Verbindung hast du zu Wacken?

Wacken war 1997 mein erstes Festival und mit Ausnahme eines Jahres (und natürlich den aktuellen zwei) war ich jedes Jahr seitdem vor Ort. Das eine Ausnahmejahr war, da ich mir zuvor auf dem Bang Your Head das Bein gebrochen hatte und mir das Risiko für eine schlechte Heilung auf dem WOA zu hoch war. Zunächst war ich normal Gast, irgendwann fing ich aber auch an für Online Magazine zu schreiben und veröffentliche seitdem auch immer einen Bericht.

Was vermisst du am meisten am W:O:A?

Es ist einfach ein riesiges Gesamterlebnis. Die Vorfreude, die Ankunft, jedes Mal wieder die riesige Menge an Fahrzeugen und Zelten zu sehen, über den Zeltplatz zu schlendern, überall Musik zu hören, ein Besuch im Dorf, über den Mittelaltermarkt und sonstige Vorattraktionen. Das alles würde schon reichen, um ein geiles und erlebnisreiches Wochenende zu haben, von dem man viel erzählen könnte. Aber dann fangen zunächst die kleinen Bühnen an mit teilweise schon richtig fetten Bands und ab Donnerstag eben die Hauptbühnen. Nach wie vor hat das Wacken eine super Mischung aus allen Genres und aus alt und neu, sodass auch bei meinem breiten Musikgeschmack jedes Jahr unzählige Bands dabei sind, die ich abfeiere. Es ist und bleibt einfach das Highlight des Jahres: Weihnachten und Geburtstag zusammen.

Was darf für dich absolut nicht fehlen beim W:O:A?

Das Riesenrad. [Anm. d. Red.: Das nicht existente Riesenrad ist eines der Top-Themen in der Wacken-Fangruppe auf Facebook.]

Hast du eine Wacken-Tradition?

Als der Donnerstag als Festival-Tag dazukam, kam ich auch mit dem Metal Train dort an und wir gingen als erstes in den Biergarten, um bei einem Weizen eine Haxe zu essen. Die gibt es zwar nicht mehr, dafür aber andere gute Sachen, also behalte ich es bei, Donnerstags dort ein Weizen zu schlürfen und was zu futtern. Ansonsten auch gerne mal einen Jacky Cola in der Rainbow Bar aber viele andere Dinge ergeben sich einfach so und können sich dann natürlich auch von Jahr zu Jahr zufällig wiederholen.

Welche sind deine liebsten Genres?

Thrash, Power, Death, Heavy, Deutschrock. Und alle anderen Genres auch, nur dann wird noch mehr gesiebt.

Welche Bands würdest du am liebsten mal auf dem W:O:A spielen sehen?

NOCTURNUS, GODFLESH, RIGOR MORTIS, METALLICA, AEROSMITH.

Spielst du selbst ein Instrument oder sogar in einer Metalband?

Ja ich bin in einer Metal Band Sänger. Die Band heißt CRUSHER, spielt melodischen Thrash und hat ihren Proberaum in Mainz.

Erzähle uns deine beste Wacken-Story!

In meinem ersten Jahr (97) spielten AMORPHIS nachts auf der Zeltbühne. Die war rechts von der Hauptbühne, eher rechteckig und aufgrund des Top-Wetters war nur der Abschnitt der Bühne mit einem Dach bedeckt. Mein Bruder wollte AMORPHIS schauen und ich versuchte ihn dort zu finden. Drin war aber zu viel los, sodass ich die Chance schlecht einschätzte. Ich kam auf die tolle Idee, an der seitlichen Wand hochzuklettern und mich oben auf eine Zeltstange zu setzen und von dort aus zu schauen. Freundliche Besucher drückten mich sogar noch hoch, ich saß dort, schaute und sah zunächst nur viele Menschen. Dann aber einen Security-Mensch, der mich entdeckte und mich mit einem Feuerwehrschlauch von der unerlaubten Sitzposition pusten wollte. Ich sprang also schnell nach unten, bevor mich der Wasserstrahl traf. Sah aber auch, dass dieser Schlauch nicht reichen würde, wenn ich die gleiche Idee auf der anderen Seite umsetzen würde. Gedacht, getan, der Security-Mann sah mich, stellte das Wasser an und tatsächlich plätscherte das Wasser vor mir nieder. Ich grinste und zeigte den Mittelfinger (nicht ärgerlich, nur im Spaß) und dachte mir: „Schön ausgetrickst.“ Dann aber sah ich nach hinten, bemerkte, dass dies logischerweise der Backstagebereich war und sah drei weitere Security-Leute, ziemlich stämmig, auf die Zeltwand zulaufen. Jetzt wusste ich, dass es Zeit war, mich komplett vom Acker zu machen, hahahaha. Mein Bruder teilte mir später noch mit, dass er AMORPHIS gar nicht angeschaut habe.

 


 

Vielen Dank an Naddel und Robin! Für alle, die noch weitere Metalheads und Wackenfans kennenlernen mögen, gab es am Mittwoch, Donnerstag und Freitag schon Interviews.


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