ALICE COOPER - 40 Jahre „Special Forces”

Veröffentlicht am 30.08.2021

„Who do you think we are? Special Forces in an armoured car?” Ein Satz, der die New Wave Phase von Alice Cooper nach „Flush The Fashion“ fortführen sollte. Doch nicht nur musikalisch hatte sich bei dem Schockrocker einiges geändert – auch der Kokainkonsum hinterließ seine Spuren. 

Altbekannte Markenzeichen wie die Guillotine, die Spinnennetze, Zylinder, Fracks und Schlangen wurden weggepackt. Minimalismus war das neue Ziel. So minimalistisch wie es bei ALICE COOPER eben sein kann. Stattdessen stand alles im Zeichen der Camouflage, der ‚Special Forces‘ eben, einer Sondereinheit des amerikanischen Militärs. Dass COOPER damit nicht unbedingt einen Blumentopf gewinnen konnte, ist rückblickend klar, die 125. Position in den amerikanischen Billboard-Charts spricht für sich. Während „Flush The Fashion“ noch lyrisch beeindruckende Texte wie in „Pain“ aufzuweisen hatte oder die Single „Clones“, ging es bei „Special Forces“ weiter bergab. 

Das zweite der insgesamt vier Blackout-Alben, wie der Künstler sie selbst nennt, da er sich nach eigener Aussage weder an das Schreiben, Aufnehmen, noch Touren großartig erinnert, beinhaltet neben einem Cover von LOVES „Seven And Seven Is“ auch eine Live-Version (die tatsächlich im Studio aufgenommen wurde) von „Generation Landslide“, das zusammen mit der originalen Band 1973 erschienen war. Während kurz zuvor im Mai seine erste Tochter Calico geboren wurde, begab sich COOPER im Laufe des Jahres wieder auf Tour, um seine neue Platte zu promoten. Doch schaut man sich Material aus der Zeit an, fragt man sich, ob der generell schmal gebaute Rocker zu diesem Zeitpunkt überhaupt feste Nahrung zu sich nahm. „Ich bin so fit wie in meinen Läufertagen zu Schulzeiten“, behauptete er, angesprochen auf seinen Gewichtsverlust. Doch die Spuren des Kokainkonsums waren nur schwer zu übersehen. Mit diesem sollte er sich erst viele Jahre später abfinden und darüber sprechen, dass Alkohol nicht die einzige Droge war, die eine Rolle in seiner Abwärtsspirale spielte.

Während das Album nicht zu den Favoriten der Öffentlichkeit gehörte und auch bis heute kaum Songs ihren Weg in die Live-Setlist finden, sind einige Die-Hard-Fans der Meinung, es seien die besten Texte, die er je geschrieben habe. Denn gräbt man ein bisschen tiefer, entdeckt man COOPERS Humor in Tracks wie dem übertrieben arroganten „You‘re A Movie“, das sich selbst kein bisschen ernst nimmt oder die Liebeserklärung in „You Look Good In Rags“, die mit echten Gewehrgeräuschen kaum authentischer sein könnte.

Ursprünglich sollte es noch ein elfter Track auf die Platte schaffen, doch in letzter Sekunde fiel die Entscheidung „Look At You Over There Ripping The Sawdust From My Teddy Bear“ nicht zu veröffentlichen, da es einfach nicht mit dem Rest des Albums mithalten konnte. Auf einigen frühen Pressungen ist der Titel jedoch noch auf der Rückseite gelistet. Und im Rahmen des Boxsets „The Life And Crimes Of Alice Cooper“ wurde es schließlich doch 1999 veröffentlicht. Dass es den Weg auf die Platte nicht geschafft hatte, war kein großartiger Verlust. 

Obwohl auch das standardmäßige Makeup in dieser Ära nicht zum Equipment gehörte, ging COOPER selbstverständlich nicht ohne auf die Bühne. Der weiße Lidschatten, die stark betonte Augenbraue in Kombination mit falschen Wimpern, deren Kleber das Haltbarkeitsdatum schon länger überschritten hatte, verlieh COOPER eine Art Grusel, den er mit all seinen regelmäßigen Accessoires nicht erreichen konnte. Denn er sah ernsthaft krank aus. Und schaut man sich Konzerte aus der Zeit an, scheint da auch der Wahnsinn (oder das Kokain?) aus seinen Augen zu blitzen. Der letzte Auftritt der Special-Forces-Tour in Glasgow wurde aufgezeichnet und zum Record Store Day 2020 auf Vinyl veröffentlicht.  

Während die Freude auf COOPERS Seite und auch auf Fan-Seite überwiegt, dass er nicht so weitermachte, da er sonst vermutlich ein verspätetes Mitglied des Club 27 geworden wäre, ist es doch ein Vergnügen, sich diese Platte anzuhören und deren Deep Cuts zu genießen. Deep Cuts, die es ohne schwierige Zeiten des Künstlers so nicht gegeben hätte.

 


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