Flusensieb Mini #86 - Drei übersehene Metal-Platten

Veröffentlicht am 18.09.2021

Manchmal muss es der kleine Happen für zwischendurch sein. Das FLUSENSIEB MINI bietet kleine Ohrenfreuden oder schwer verdauliche Schwermetall-Partikel - das kommt einzig und allein auf den Genießenden an. Auf jeden Fall schneller zur Hand (oder am Ohr) als der berüchtigte Gang zum Kühlschrank - zumindest fällt das Sich-Schwerfällig-Von-Der-Couch-Erheben weg. Viel Spaß mit den drei fast überhörten (unerhört-en!) Platten, die hier noch einmal die letzte Möglichkeit haben, zu gefallen. 


 

OCTOHAWK – Animist

Der Achtfalke? Oder eine Kreuzung aus Habicht und Oktopus? Egal! OCTOHAWK waren schließlich vor kurzem noch ein MAMMÜTH. Nach 13 Jahren musste ein neuer Name her, unter dem jetzt das dritte bzw. erste Album erscheint: „Animist“. Die letzte Silbe des Titels soll jedoch nicht die Wertung vorwegnehmen. Aufs Ohr gibt es Stoner Metal, der sich groovig und progressiv präsentiert. Das kommt oft machtvoll, mal psychedelisch, nie so richtig mit bleibendem Eindruck daher. Wer aber Komplexität recht eingängig mag, Stoner-Stuff nicht ausschließlich in die Kiffer-Ecke packt und dabei nicht auf Wucht verzichten möchte, sollte den Norwegern eine Runde zuhören. (jazz)


 

MOURN THE LIGHT – Suffer, Then We're Gone

Die in Connecticut/USA beheimateten Heavy Doomsters debütieren langrillig mit "Suffer, Then We're Gone", und das keinesfalls schlecht. Die Tracks pendeln musikalisch zwischen Epic Doom und klassischem Heavy Metal, wobei die Truppe um Fronter Andrew Stachelek zuweilen klingt, wie eine härte Variante von UNTO OTHERS (formerly known as IDLE HANDS). Ein paar Schwächen im Songwriting und in der technischen Umsetzung gibt es zwar (noch), dafür ist Andrew stimmlich über jeden Zweifel erhaben, und mit "I Bare The Scars" hat man sogar einen kleinen Hit an Bord. Doom Fans dürfen also gern ein Ohr riskieren. (EL)


 

COLOSSUS OF DESTINY – Last Call

Dem grünen Wesen wachsen Kristalle aus Rücken und Stirn. Ihr Haar verfängt sich in der floralen Umwelt. Ihr Blick fixiert dich. Schon das Cover von „Last Call“, der zweiten LP der französischen COLOSSUS OF DESTINY, zieht in seinen Bann. Die einlullende Musik zwischen Stoner Metal und Progressive Sludge baut diese Stimmung aus und lockt in die Tiefen eines exotischen und psychedelischen Musikwaldes. Doch das dritte herauszuhörende Hauptgenre ist der Melodic Hardcore, der durch ungehobelte Shouts und thrashiges Geholze wie eine Holzfällerarmee durch das florale Paradies schreddert und Friedenstraumwelten auf staubige Pressholzsplitter reduziert. Bezaubernd schön schmerzhaft. (jazz)

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