Funeral-Doom-Reise: Etappe 21: Iran

Text: Jazz Styx
Veröffentlicht am 30.09.2021

Intro

Lebensfreude und Vergnügen – Funeral Doom ist nichts davon. Vielmehr fokussiert das traurige, depressive oder auch nihilistische Genre das genaue Gegenteil der Glückseligkeit. Die Langsamkeit des Dooms und die Gewalt des Death Metal vermischen sich und werden beispielsweise mit Noten von Monotonie, Orchestralem oder auch Sakralem verfeinert.
Diesem wunderbaren Genre soll hiermit ein schriftliches Denkmal gesetzt werden: eine fortgesetzte Reise durch den aktuellen Funeral Doom – nun auch über die Grenzen Europas hinaus.
Die Grenzziehung zu anderen Genres, insbesondere dem Death Doom wurde hierbei der Encyclopaedia Metallum überlassen, die als hauptsächliche Quelle für diesen Überblick herangezogen wurde. Die Aktualität wurde grob auf die vergangenen fünf Jahre festgelegt.
Sollten Bands oder Projekte übersehen worden sein, nehme ich sehr gerne entsprechende Hinweise entgegen. Allerdings kann das mitunter auch darin begründet liegen, dass manch Künstler in seiner Trveness gar nicht so gerne gefunden werden möchte.

Iran

Der Iran hat etwa so viele Einwohner wie Deutschland. Die Metal-Archive führen für Deutschland über 12.000 Metalbands (knapp 15 Bands pro 100.000 Einwohner), für den Iran hingegen nur etwas mehr als 120 (also knapp 0,15 Bands pro 100.000 Einwohner). Sechs davon spielen oder spielten Funeral Doom, also knappe 5%. In Deutschland sind es 32 und damit nur etwa 0,27%. Der Iran ist also eine ziemlich krasse Funeral-Doom-Nation – mehr oder weniger!

ROARING EMPYREAN

Brüllender Lichthimmel. Ja, ich weiß auch nicht, was das bedeuten soll, aber der Teheraner, der sich selbst Doomed Shinobi nennt, hat seinem Musikprojekt den Namen ROARING EMPYREAN gegeben. 2019 erschien sein erstes Album in voller Länge: „Monuments“. Es ist sehr atmosphärisch, kann durchaus als neoclassical bezeichnet werden und verzichtet auf Gesang. Dadurch tritt die Musik vollkommen in den Vordergrund, was ihr eigentlich gut tut. Allerdings ist sie relativ ungeschliffen, fast ein bisschen industrial, was eine Stimme vielleicht etwas verschleiern könnte. So quiekt, scheppert und dröhnt es doch manchmal ein bisschen zu stark in den Ohren.

SPARKLE

Das nächste Projek, das wir besuchen wollen, ist Parviz Shabrangs SPARKLE, das Glitzern bzw. Funkeln. Kein sehr doomiger Name. Aber Funeral Doom ist auch nicht das einzige Genre, das sich der Mann aus Isfahan auf die Fahne schreibt. Post-Black-Metal, Dark Ambient und Post-Rock gehören beispielsweise auch dazu. Seit der Gründung des Projekts im Jahr 2018 sind sieben EPs und 21 (in Worten: einundfuckingzwanzig) LPs entstanden. Eine der neuesten heißt „Chaos Erebus“. Erebus bzw. Erebos ist der griechische Gott der Finsternis. Die Tracks des Album sind die Flüsse der griechischen Unterwelt. Das ist sehr gelungen umgesetzt, da die Musik zwar traurig, aber nicht klagend, eher wie natürliche Tatsachen anmuten. Natürliches durch den Blick eines Künstlers. Natur nachahmen, aber auch darauf aufbauen. Da kann man schon echt gut mal reinhören!

TEARS OF FIRE

TEARS OF FIRE starteten 1998 als Black-Metal-Band, lösten sich nach ihrem ersten Konzert aber auf, das damit endete, dass die Polizei Bandmitglieder verhaftet hat. 2016 wurde das Projekt wiederbelebt und spielt jetzt in Berlin eine Art Raw Blackend Middle Eastern Funeral Doom. 2019 kam es zur ersten LP: „Aeon कल्प kalpa“. Der typische jammernde Gesang des nahen Osten bekommt eine zusätzliche Portion klagenden Schmerzes und macht sich neben dem Black-Metal-Winseln echt gut! Die Musik ist allerdings ein ziemlich roher Krach-Bumm-Schepper-Zimmermannsmetal – trve as fuck, tut aber schon etwas in den Ohren weh. Muss man mögen!

URNSCENT

Nach dem Leid für die Ohren beenden wir unsere Iran-Etappe mit Leid für die Nase: URNSCENT, Urnengeruch. Das Trio aus Teheran hat 2020 ihren LP-Erstling „Of Simurgh And Ascent“ veröffentlicht – „von Simurgh und Aufstieg“. Simurgh ist ein Fabelwesen und König der Vögel in der parsischen Mythologie. Der Funeral-Doom-übliche zurückhaltende Death-Gesang fügt sich gut in die minimalistische Musik, die sich eher wie der leise Atem einer verzauberten Welt als wie wehleidige Begräbnisbegleitung anhört. Für meinen Geschmack könnte auch hier ein wenig sauberer produziert werden, aber künstlerisch ist das definitiv wertvoll – und auch wirklich schön!

Iran, es war schön, deinen Funeral Doom kennenzulernen. Doch wir ziehen weiter. Nächste Woche reisen wir quer durch Asien, um den restlichen Beerdigungslärm des Kontinents aufzusaugen.

Alle Etappen unserer Funeral-Doom-Reise gibt es hier.


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