KREATOR - das 'Hate über alles' Gangbang-Review

Die Stormbringer-Horde nimmt also KREATOR in die Zange. Nun, dann wird auch ein kleines Schreiberlein trotz gesundheitlicher Problemchen nicht zurückstecken und sich des neuesten Langdrehers der Teutonen-Thrasher mit Inbrunst annehmen. Selbiges „Hate Über Alles“ betitelt, startet mit einem durchaus überraschenden Western-Intro namens „Sergio Corbucci Is Dead“ – nun, der Kultregisseur ist tatsächlich schon mehr als 30 Jahre von uns gegangen, beglückte uns aber mit prägenden und teilweise herrlich sadistischen Italowestern wie dem kultigen „Django“ oder „Leichen pflastern seinen Weg“. Eventuell schlägt das thematisch die Brücke zu den musikalischen Riffschlachten von KREATOR – zumindest ist das jetzt einfach meine Theorie.

Fragen sind aber weggeblasen, sobald Mille geifernd vor Hass den namensgebenden Chorus des Titeltracks „Hate Über Alles“ über die leistungsfähige Anlage ins heimische Wohnzimmer plärrt. Pfeilschnell galoppieren die Riffs dahin, während die Drums präzise im Nähmaschinenmodus dahinrattern – Genickzerstörung inklusive. Der vielleicht nicht kreativste, aber gerade dadurch am heftigsten durch Mark und Bein gehende Refrain des Jahres vertont die allgegenwärtigen, seit mehr als zwei Jahren aufgestauten Aggressionen in Perfektion, und man fühlt sich befleißigt seinen Wohnraum möglichst schnell, möglichst gründlich und vor allem mit möglichst viel sinnloser Gewalt umzugestalten. HATE ÜBER ALLES!!!

Nachdem die Gemüter solcherart in Wallung gebracht wurden, kann man sich zum nächsten Hochgeschwindigkeitssong „Killer Of Jesus“ gleich das nächste Mal die Nackenwirbel aushängen. Das recht klassisch-metallisch ausgerichtete „Crush Of The Tyrants“ verspricht eine groovende Verschnaufpause, während „Strongest Of The Strong“ gar ein bisschen NwoBHM-Charakter im Riffing mitbringt und für KREATOR-Verhältnisse einen veritablen Ohrwurm indiziert. „Become Immortal“ zieht dann nicht nur aufgrund seines cheesy Chors überhaupt nicht, dafür holzt „Conquer And Destroy“ nach epischem Aufbau im Intro nochmal die Bude weg.

Auch „Midnight Sun“ wäre ein ähnlich starker Song, wäre da nicht der erschreckend belanglose Refrain und der nicht unbedingt songdienliche Einsatz einer Frauenstimme – ein interessantes und mutiges Experiment, das aber leider überhaupt nicht aufgeht. Was „Midnight Sun“ nicht konnte, das liefert dann das galoppierende „Demonic Future“ ab, pfeilschnelle Strophen und ein Midtempo-Groove-Refrain, so wie man KREATOR kennt und liebt.

Mit „Pride Comes Before The Fall“ und dem ausladenden, ziemlich sperrigen „Dying Planet“ geht „Hate Über Alles“ dann hinten raus aber doch ein wenig die Luft aus. Die Songs wirken schleppender und speziell der abwechslungsreiche Rausschmeißer beraubt sich seiner Brecher-Qualitäten durch ein Quäntchen des Zuvielwollens und steht sich somit letztendlich selbst im Weg.

Sieht man über den schwachen Schluss und die zwei verunglückten Refrains hinweg, bieten KREATOR aber einen herrlich starken Hassbatzen, zu dem es sich richtig heftig eskalieren lässt. Speziell der Titeltrack „Hate Über Alles“ selbst, wird wohl zu einer der Hymnen des Jahres 2022 aufsteigen, wenn auf den kommenden Sommerfestivals in der nächsten Wall Of Death die Metalheads geifernd und mit Schaum vor dem Mund aufeinander zu stürmen.

HATE > ALLES! Und überhaupt!

4.0 / 5,0 - Anthalerero


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Anthalerero
Seite 3: Christian Wiederwald
Seite 4: Ernst Lustig
Seite 5: Jörn Janssen
Seite 6: Lord Seriousface
Seite 7: Martin Weckwerth
Seite 8: Peter Haider
Seite 9: Fazit


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Nordic Union
ANZEIGE