KREATOR - das 'Hate über alles' Gangbang-Review

Im 38. Jahr des Bestehens der deutschen Thrash Metal-Institution erscheint das Jubiläumsalbum (Nummer 15) von KREATOR. Es ist schon eine bemerkenswerte Leistung, fast vier Dekaden lang zur Speerspitze des Teutonic Thrash zu gehören (und nach Meinung des Rezensenten mittlerweile klar die die Führungsrolle eingenommen zu haben).

Die Entwicklung, die Mille und seine Jungs seit dem Debüt "Endless Pain" (1985) bis zur aktuellen Veröffentlichung "Hate über alles" genommen haben, kann durchaus als gewaltig bezeichnet werden, auch wenn KREATOR ihren Roots niemals untreu geworden sind. Und einige Fans der ersten Stunde, die sich schon nicht mit "Phantom Antichrist" (2012) und erst recht nicht mit "Gods Of Violence" (2017) anfreunden konnten, werden auch am neuen Release keine Freude haben. Denn KREATOR sind anno 2022 mehr denn je im traditionellen Metal angekommen, der von immer wieder mal mehr, mal weniger starken Einflüssen ihres Ursprungs-Genres durchzogen ist. Aber "Hate über alles" macht ganz deutlich klar, ein zweites "Pleasure To Kill" oder "Extreme Aggression" wird es mit dem Essener Quartett in diesem Leben sicher nicht mehr geben.

Dafür haben KREATOR, wie schon auf dem Vorgänger, einmal mehr ganz viel richtig geilen Metal zu bieten. Ob Heavy oder Thrash, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, die Genrefixierung steht bei den elf aktuellen Stücken absolut im Hintergrund.

"Hate über alles" beginnt mit dem akustisch-atmosphärischen Intro "Sergio Corbucci Is Dead", das eben diesem italienischen Spagetti-Western-Regisseur (Sergio Corbucci), bzw. seinen (Western)Filmen gewidmet ist, ehe der eigentliche Opener und gleichzeitig der Titeltrack ungemein wuchtig aus den Boxen ballert. KREATOR legen mit dieser Nummer erst mal richtig thrashig los, lassen aber bereits im ersten Stück die Melodiosität der letzten Scheiben in die harten Riffs einfließen. "Hate über alles" rockt wie die Hölle, und präsentiert sich als perfekter Einstieg in das Album. Kleine Krittelei des Schreibers: Die Deutsch/Englisch-Kombi im Titel und den Lyrics klingt irgendwie doof, hier wäre eine klare Linie ala Hass über alles die bessere Wahl gewesen.

Ähnlich gelagert und auch im Melodic Thrash Bereich angesiedelt sind die Kracher "Killer Of Jesus" und "Conquer And Destroy", das außergewöhnliche "Midnight Sun", bei dem KREATOR sich vokale Unterstützung bei Sofia Portanet geholt haben, sowie "Demonic Future". All diese Songs sind die konsequente Fortführung des zeitgenössischen Thrash Metal, den KREATOR auch und gerade auf "Gods Of Violence" in absoluter Perfektion auf die Metalgemeinde losgelassen hatten.

Doch nach den ersten drei Nummern vollziehen KREATOR äußerst gekonnt erst mal einen massiven Kurswechsel. Auch wenn die ersten Sekunden der einleitenden Trommeln ein wenig wie SEPULTURA-Gedächtnis-Drums anmuten, kaum dass das erste Riff ertönt, befindet man sich bei "Crush Of The Titans" mitten in einem epischen Breitwand-True Metal Song in allerbester MANOWAR Manier, sogar die Shouts von Mille erinnern immer wieder ein wenig an das Organ von Eric Adams. Eine hammergeile Nummer, die aber nur den Beginn eines grandiosen Heavy Metal-Trios markiert. "Strongest Of The Strong" ist energiegeladener Heavy Metal in Reinkultur, die Melodyline im Chorus einfach nur zum Niederknien! Und als wäre das nicht schon Freude genug, spendieren uns KREATOR uns mit "Become Immortal" auch noch einen Track, der mehr PRIEST-Feeling enthält als so manches spätere Stück der Originale ("Firepower" natürlich zu einhundert Prozent ausgenommen!). Die Nummer läuft supereingängig in die Gehörgänge hinein, was natürlich auch für die beiden vorgenannten Stücke, wie eigentlich für die gesamte Platte, gilt.

"Pride Becomes Before The Fall" dreht die Segel dann erneut in den Wind des melodischen Thrash Metal und punktet mit vielen Tempowechseln und enormem Abwechslungsreichtum. Der Album-Closer "Dying World" ist dem Titel entsprechend in Musik und Text ziemlich düster ausgefallen und beschließt ebenso hochwertig, wie die vorangegangenen zehn Stücke eine exzellente Scheibe, die definitiv mit zum Besten gehört, was Metal-Deutschland in den letzten Jahren zu bieten hat(te).

Fazit:

Fast vierzig Jahre, und kein bisschen leise. KREATOR wissen auch nach so langer Zeit noch, wie man harten, aber dennoch eingängigen Metal zockt und überzeugen dabei auf ganzer Linie. Vom Songwriting über die Texte, die musikalische und vokale Umsetzung bis hin zum perfekten Sound, Mille, Sami, Frédéric und Ventor lassen auf "Hate über alles" nichts anbrennen und präsentieren uns ein Album, das seinem mittlerweile auch schon wieder fünf Jahre alten Vorgänger "Gods Of Violence" absolut ebenbürtig ist und sich seine dementsprechende Wertung durch und durch verdient hat.

4,5 / 5,0 - Ernst Lustig


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Anthalerero
Seite 3: Christian Wiederwald
Seite 4: Ernst Lustig
Seite 5: Jörn Janssen
Seite 6: Lord Seriousface
Seite 7: Martin Weckwerth
Seite 8: Peter Haider
Seite 9: Fazit


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Nordic Union
ANZEIGE