KREATOR - das 'Hate über alles' Gangbang-Review

Mittlerweile pendeln sich neue Studioalben von KREATOR in einem Fünfjahres-Rhythmus ein. 2012 gab es "Phantom Antichrist", 2017 "Gods Of Violence", und nunmehr steht aktuell "Hate Über Alles" an. Was ich vom Titel halten soll, weiss ich nicht so recht. Zwar angeblich inspiriert vom DEAD KENNEDYs Klassiker "California Ueber Alles" aber dennoch in heutiger Zeit ein leicht irreführender Titel und eher Marke "Billigprovokation" in geschmackloser RAMMSTEIN-Art.  Aber seis drum.

Eingeleitet wird der neue Langdreher mit einem klassischen Intro, der einer geilen Thrash-Metal-Scheibe zu Ehren gereicht. "Sergio Corbucci Is Dead" soll wohl an das Ennio-Morricone-Stück "The Ectasy Of Gold" erinnern, welches METALLICA seit Urzeiten zur Konzerteinleitung nutzen. Sergio Corbucci war zudem ein Italo-Western-Regisseur. Da schließt sich dann der Kreis.

Der Titelsong ist purer Old-School-Thrash in bester Manier, rasend schnelle Stakkato-Riffes wechseln sich mit den aggressiven Mille-Vocals ab, der melodische Refrain lässt Zeit zu verschnaufen. Ein Strickmuster, das bei KREATOR-Songs aber auch oftmals etwas überstrapaziert wird. Dennoch ein sehr geiler Start!

"Killer Of Jesus" setzt die schnelle, aber dennoch melodische Knüppelei hochwertig fort, ein Fest nicht nur für KREATOR-Fans.

Das schleppende "Crush The Tyrants", welches sich ebenfalls durch einen einprägsamen Refrain auszeichnet, drosselt dann das schnelle Tempo erst einmal etwas und es wird Zeit für die "normalen" metallischen Stücke.

Traditionellen Metal bietet "Strongest Of the Strong", der melodischste Titel des Albums, der sich als weitere Auskopplung geradezu aufdrängt. 

"Become Immortal" lässt die Anfangstage der Band Revue passieren, wenngleich lyrisch etwas arg platt mit Zeilen wie "Remember Where You Came From" aus der ONKELZ-"Wir gegen den Rest der Welt"-Klischee-Kiste, nur eben auf Englisch. Nunja, der beste Lyriker war Mille ja noch nie. Musikalisch eher im Durchschnitt anzusiedeln, was die doch etwas peinlichen Kosaken-Chöre am Ende noch zusätzlich betonen.

"Conquer And Destroy" beginnt mit langsamen zweistimmigen Gitarren a'la IRON MAIDEN, ehe wieder gethrashed werden darf, was das Zeug hält. Im Refrain und mit dem bombastischen Chor zum Ende hin geht es dann wieder melodisch-gediegener zur Sache. Einer der besten, weil abwechslungsreichsten Songs auf "Hate Über Alles".

"Midnight Sun" fällt etwas aus dem Rahmen, taucht hier erstmals in der KREATOR-History eine Zusammenarbeit mit einer weiblichen Künstlerin auf, welche die Bridge zum Chorus trällern darf. SOFIA PORTANET nennt sich die Gute, war mir bislang kein Begriff, macht aber den Song auch nicht zu einem Evergreen. Eher etwas zum Skippen.

Beim Schlußtrio geht der Scheibe ein wenig die Luft aus: Der Brecher "Demonic Future" ist noch der beste davon, wenngleich auch nach der Machart "pfeilschnelles Riff, langsamer melodischer Chorus, Solo, fertig" gestrickt. "Pride Comes Before The Fall" ist eher von der unspektakulären Sorte, bei dem relativ wenig im Ohr hängen bleibt. Plätschert eher so vor sich hin.

Der knappe Siebenminüter "Dying Planet" ist wohl als der epische Moment des Albums mit entsprechend aktuellem Umwelt-Thema konzipiert, kann bei mir aber irgendwie nicht die Spannung über die volle Distanz halten, zumal der Refrain hier viel zu sperrig daherkommt. Nicht übel aber auch nicht sensationell

Fazit: Auch wenn nicht alles Gold ist, was glänzt, ist "Hate Über Alles" durchaus ein ansprechend gutes bis sehr gutes KREATOR-Album. Die Scheibe ist für ihre Genregrenzen ziemlich abwechslungsreich, die besten Stücke befinden sich in der ersten Hälfte. So verbleiben letztlich gute 3,5 Punkte. 

3,5 / 5,0 - Martin Weckwerth


Inhaltsverzeichnis:

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Seite 6: Lord Seriousface
Seite 7: Martin Weckwerth
Seite 8: Peter Haider
Seite 9: Fazit


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