HEAVEN SHALL BURN

TRIVIUM + TESSERACT + FIT FOR AN AUTOPSY
Mittwoch, 15.12.2021 | Beginn: 17:30 Uhr

Es ist vollbracht: Nach zweijähriger Pause kehren HEAVEN SHALL BURN am 20. März 2020 mit dem Doppelalbum „Of Truth And Sacrifice“ zurück. Ein janusköpfiger Koloss, auf dem sich die Thüringer Metal-Band mit den drängenden Fragen der Zeit beschäftigt – und gleichzeitig so vielseitig und radikal klingt wie noch nie. Wir können uns also auf das bislang ambitionierteste, umfangreichste und vielseitigste Album in der Karriere von HEAVEN SHALL BURN freuen. Ein Doppelalbum, für das die Band ihre Tugenden auf den Punkt brachte und herausragende HSB-Signature-Songs aufnahm, sich aber auch neuen Einflüssen öffnete und eine ganze Reihe von Experimenten unternahm. So fuhr die Band etwa nach Minsk, um dort Orchesterpassagen mit dem Dirigenten Wilhelm Keitel und dem Komponisten und Mitbegründer der Dresdner Sinfoniker Sven Helbig aufzunehmen, der bereits mit Rammstein, den Pet Shop Boys und zahlreichen anderen gearbeitet hat. HEAVEN SHALL BURN haben Freunde wie Chris Harms von Lord Of The Lost, Andreas Dörner von Caliban und Matthi von der belgischen Band Nasty eingeladen und ganz allgemein alle losen Enden ihrer über zwanzigjährigen Karriere zusammengeführt. Insofern darf man „Of Truth And Sacrifice“ durchaus zu gleichen Teilen als Resümee der bisherigen HSBGeschichte wie auch als Beginn einer neuen Ära begreifen: HEAVEN SHALL BURN wollten ihren Fans alles geben, was in ihnen steckt und noch ein bisschen mehr. Das ist ihnen mit „Of Truth And Sacrifice“ eindrucksvoll gelungen. Durchaus beachtlich, wenn man bedenkt, dass die Band 2018, nach der Tour zu ihrem achten Studioalbum „Wanderer“, ja eigentlich Pause machen wollte. „Wir haben durchaus Pause gemacht“, sagt HSB-Gitarrist Maik Weichert. „Eine Weile lang hat sich jeder um seinen Kram gekümmert. Aber wir sind halt privat immer noch sehr gute Freunde. Wenn Polizisten einen Stammtisch haben, reden die ja auch unweigerlich über Verbrecher.“ Und wenn HEAVEN SHALL BURN sich treffen, machen sie eben Musik. So entstand in überaus entspannter Atmosphäre über einen Zeitraum von fast zwei Jahren ein Album, für das sich die Musiker alle Freiheiten nahmen. Alle Mitglieder der Band waren mehr denn je in sämtliche Phasen der Produktion involviert. Wo sonst Maik und der zweite Gitarrist Alexander Dietz zunächst alleine im Studio die Songs und Demos ausarbeiteten und die anderen erst bei den finalen Aufnahmen dazukamen, wurden dieses Mal durch das opulente Zeitpolster bereits während des Entstehungsprozesses alle Mitglieder integriert und brachten sich auf verschiedenen Ebenen ein. Losgelöst von Deadlines und Terminkalendern entwickelte sich aus den vielen guten Songs und Ideen irgendwann ein konzeptueller Überbau für ein Doppelalbum: „Das Album ist in zwei Platten unterteilt, ‚Of Truth‘ und ‚Of Sacrifice‘“, erklärt Maik. „Während die erste Platte Zuversicht und Kampfbereitschaft signalisiert, ist die zweite eher nachdenklich und befasst sich mit den Opfern und Kämpfen, welche man für die Wahrheit bereits auf sich genommen hat und auch künftig nicht scheuen wird.“ Die traditionell haltungsstarke Band nimmt hier also aktuelle gesellschaftliche und politische Diskurse auf und spannt auf „Of Truth And Sacrifice“ einen breiten Bogen von persönlichen Verlusten im Ringen um die Wahrheit bis zur philosophischen und gesellschaftlichen Komponente dieser Themenkomplexe. „Ich nehme es aktuell so wahr, dass viele Leute ganz froh sind, aus verschiedenen alternativen Wahrheiten wählen zu können, weil sie sich dann für die Version der Wahrheit entscheiden können, die am wenigsten Auswirkungen auf ihr eigenes Leben hat“, sagt Maik. Es geht natürlich um alternative Wahrheiten in den verschiedenen Filterblasen der sozialen und sonstigen Medien, um die Spaltung der Gesellschaft, das Erstarken rechter Bewegungen, um die Klimakrise und die Schattenseiten von Kapitalismus, Globalisierung und Digitalisierung. Durchaus lokal und global: HEAVEN SHALL BURN erzählen von Journalisten, die auf der Suche nach Wahrheit ermordet werden, sowie von den Attacken religiös-fundamentalistischer Gruppen auf Bildungseinrichtungen und Lehrpersonal in vielen afrikanischen Ländern, aber auch von den Erfolgen der AFD in der Thüringer Heimat der Musiker. „Ich brauche nicht über globale Themen zu texten, wenn ich nicht auch vor der eigenen Haustüre kehre“, sagt Maik. Zumal der Gitarrist natürlich durch seine Herkunft besonders prädestiniert ist, sich mit diesen Themen zu beschäftigen. „Wenn irgendwelche westdeutschen Komiker sich über den dummen Osssi ereifern, der die AFD wählt, nehme ich das als den gleichen Ausgrenzungsmechanismus wahr, wie ihn die AFD betreibt“, sagt Maik. Natürlich sei bei strammen Neonazis jedes Argument verloren, aber sonst gibt der Gitarrist so schnell niemanden auf: „Ich habe einen Haufen Freunde bei Facebook und im richtigen Leben, die überhaupt nicht ideologisch auf meiner Linie stehen“, sagt er. „Aber mit denen bin ich teilweise aufgewachsen, und wenn ich denen jetzt auch noch die Freundschaft kündige, haben sie überhaupt niemanden mehr, der ihnen auch mal eine andere Meinung nahebringt. Das will ich einfach nicht, denn dann haben die Menschenfänger von der AFD gewonnen. Die wollen die Leute ja separieren.“ Der gemeinschaftliche Geist, der während der Produktion von „Of Truth And Sacrifice“ zum Tragen kam, ist durchaus beachtlich. Seit über 20 Jahren spielt Maik bereits mit dem harten Kern der Band, also dem Sänger Marcus Bischoff und seinem Cousin, dem Bassisten Eric Bischoff, zusammen. Immerhin 15 Jahre ist der Gitarrist Alexander Dietz bereits dabei, Schlagzeuger Christian Bass kam 2013. Nach so einer langen Zeit würden die meisten Bands sich über eine ausgedehnte Pause freuen, in der sie die Kollegen einmal nicht sehen. Zumal einiges passiert ist, seitdem HEAVEN SHALL BURN 1996 gegründet wurden. Nach einer EP und einer Split-LP erschien 2000 das Albumdebüt „Asunder“. In den frühen und mittleren Nullerjahren traten HEAVEN SHALL BURN dann in ihre erste kreative Hochphase ein: Mit Alben wie „Antigone“, „Deaf To Our Prayers“ und der „Iconoclast“-Trilogie erweiterte die Band kontinuierlich ihre Metalcore-Wurzeln und wurde mit zahlreichen Konzerten und Festivals auf der ganzen Welt zu einer der wichtigsten Stimmen im internationalen Metal. In den Zehnerjahren konnten sie ihren Erfolg mit den Alben „VETO“ und „Wanderer“, die Platz zwei und drei der Charts erreichten, sogar noch ausbauen. Insofern läutet „Of Truth And Sacrifice“ nun zu Beginn des neuen Jahrzehnts ein weiteres spannendes Kapitel in dieser Karriere ein. Das neue Album fasst alle musikalischen Stränge im Wirken dieser Band konsequent zusammen und ergänzt bislang Ungehörtes. Das wie gewohnt im Studio von Alexander Dietz produzierte und im Herbst 2019 in den dänischen Antfarm Studios von Tue Madsen abgemischte Album ist ein gewaltiger Epos mit überaus vielschichtigen Songs. Mit diesen dramaturgisch perfekt ausgefeilten Erzählbögen, den dynamisch ausgewogenen Laut-Leise-Passagen, diesem ständig an- und abschwellenden Heaven-Shall-BurnOrkan und der zärtlichen Brutalität im Growl von Markus Bischoff. „Of Truth And Sacrifice“ ist ein Album, das Aufmerksamkeit fordert. Der Einstieg wird Fans der Band vor allem durch Songs wie dem bereits ausgekoppelten „Protector“, „Thoughts And Prayers“ oder „My Heart And The Ocean“ versüßt, die nicht nur eingängig sind, sondern alle klassischen HSB-Tugenden bündeln: hochmelodische Gitarren-Arrangements treffen auf schleppende Mosh-Parts, High-Energy-DoublebassDrumming und das irrwitzige Screaming von Marcus Bischoff. In der zweiten Hälfte – „Of Sacrifice“ – ist dann tatsächlich eine verstärkte Hinwendung zu elegischen, in Teilen beinahe introspektiven Stücken zu beobachten. HEAVEN SHALL BURN öffnen hier gewaltige Räume für die erwähnten Streicherarrangements – kein wagnerianischer Bombast, wie so oft im Metal, sondern intime, emotionale Passagen –, für Spoken Word, Klavierpassagen, elektronische Soundscapes und klare Gesangspassagen, so etwa in „The Sorrows Of Victory“. Eine Vorgehensweise, die dafür sorgt, dass die Wirkung der zuverlässig einsetzenden Metal-Passagen stets umso heftiger ist. Unterm Strich steht mit „Of Truth And Sacrifice” also ein Doppelalbum, das die Energie, die Urgewalt, die Kreativität und den Spirit dieser einmaligen Band kongenial auf den Punkt bringt, das durchaus Aufmerksamkeit und tiefgründige Beschäftigung fordert, HSB-Fans aber reich belohnt. Aber ist ein derart monumentales Doppelalbum in Zeiten verminderter Aufmerksamkeitsspannen nicht auch ein Wagnis? „Ich weiß natürlich, dass aktuell alle nur EPs machen, um immer ganz fresh in den StreamingPlaylists dabei zu sein“, sagt Maik. „Wir aber wollten den Leuten ganz bewusst so einen Brocken hinstellen, mit dem sie sich beschäftigen müssen.“ Die Beschäftigung mit HEAVEN SHALL BURN und „Of Truth And Sacrifice“ ist allerdings alles andere als ein reines Fanvergnügen. Das verdeutlicht nicht zuletzt eine parallel zum Album erscheinende 80-minütige Filmdokumentation, die die Band mit dem Regisseur Ingo Schmoll realisiert hat. „Mein grünes Herz in dunklen Zeiten“ beleuchtet vor dem Hintergrund der aktuellen Albumproduktion die Geschichte der Band und ihrer Mitglieder, ihre Beweggründe und Herkunft. Hier erfährt man auch, wie es HEAVEN SHALL BURN gelungen ist, ihre besondere Band-Chemie zu konservieren und über die Musik hinaus befreundet zu bleiben. „Das hängt damit zusammen, dass wir uns auch in den aktiven Bandphasen nicht so oft sehen wie andere Bands“, sagt Maik. „Ami-Bands spielen 300 Shows im Jahr, wir gehen da sehr dosiert vor. Sich auf einer aufregenden fünftägigen Japan-Reise gut zu verstehen ist einfacher, als auf der 20. Deutschland-Tour mit zig Shows. Natürlich streiten wir uns, aber irgendwann haben wir uns immer wieder vertragen. Und wir gehen bis heute außerhalb der Band zusammen auf Konzerte und zum Fußball.“ Noch wichtiger ist aber vielleicht die Tatsache, dass HEAVEN SHALL BURN ihre Tätigkeit als Band bis heute ganz bewusst gewissermaßen als Hobby anlegen. Natürlich gehen sie bei Aufnahmen und Konzerten gewissenhaft und mit maximaler Professionalität und Hingabe vor. Aber alle Mitglieder haben eben auch noch ein Leben außerhalb der Band, ein berufliches und ein privates. So studiert der promovierte Staatsrechtler Maik aktuell noch Kulturgeschichte, Markus Bischoff ist Krankenpfleger, sein Cousin Eric Ergotherapeut, Schlagzeuger Chris ist Pädagoge und entwickelt Lernspielzeug und Alex betreibt sein Studio. Ihre bürgerlichen Berufe haben sie nicht aus wirtschaftlichen Gründen beibehalten, sondern es ist ihnen wichtig, eine andere Ebene im Leben zu haben, mit der Normalität verankert zu bleiben. „Wir haben mal auf dem Summer Breeze gespielt und wurden von 30.000 Leuten abgefeiert“, erinnert sich Maik. „Danach haben wir unseren Sänger direkt zur Frühschicht im Krankenhaus abgeliefert, waren aber fünf Minuten zu spät. Der hat sofort einen Riesenanranzer von der Oberschwester bekommen, da hat man dann gar keine Zeit, auf Wolke sieben zu schweben, sondern ist sofort wieder in der Realität. Das finden wir gesund.“ Es ist dieses Fundament, diese feste Verortung, aus der die Band ihre Kraft und Haltung bezieht. HEAVEN SHALL BURN gehen dahin, wo es weh tut. Auch und gerade mit „Of Truth And Sacrifice“. Das spürt man mit jeder bebenden Note.

Quelle: https://press.centurymedia.de/

Ticketinfos

Weitere Termine


WERBUNG: Hard
ANZEIGE