EDENBRIDGE - Sabine Edelsbacher & Lanvall

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Wenn die Musik nicht im Vordergrund steht, dann kannst du alles Andere vergessen.

In einem gemütlichen Restaurant in Linz schnappten wir uns Sängerin Sabine Edelsbacher und EDENBRIDGE-Mastermind Lanvall, um sie getrennt von einander... quatsch., natürlich haben wir sie zusammen befragt!

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 14.02.2017

Ihr habt ja wieder ein neues Album am Start, das inzwischen neunte (wenn ich richtig gezählt habe) – das ist ja schon eine ordentliche Anzahl an Alben, die beileibe nicht jede Band schafft. Fühlt man sich da nicht auch schon ein bißchen „alt“, wenn man so lange im Geschäft ist?

Lanvall: Unendlich alt!

 

 

Ihr seht aber noch frisch aus.

 

Lanvall: Danke!

 

Sabine: Mir ist das letztens mit einer neuen Bekanntschaft passiert, die meinte sie kennt die Band ja schon lange, aber wusste nicht dass ich die Sängerin bin. Als sie dann die Fotos von mir gesehen hat, meinte sie „Boah, ich war in meiner Jugend ja ein Fan von euch!“. Und ich habe mir gedacht, ich glaub ich spinne!

 

Lanvall: Es ist ja toll, wenn man nach fast 20 Jahren das neunte Album macht und erstens noch immer dabei ist, und zweitens die Musik machen kann, die man wirklich machen will. Und dabei von den Fans weltweit getragen wird. Das ist auch glaube ich das Schönste, dass die Fans auch immer mitgehen und das auch unterstützen, weil sie sehen, dass wir authentisch sind. Das waren wir eigentlich immer.

 

Sabine: Und dass wir nicht mit Sängerin unterwegs sind, weil Female Fronted Bands gerade angesagt sind.

 

Lanvall: Die Fans lassen sich vielleicht kurzfristig verarschen, aber bestimmt nicht ewig, wenn du nicht das präsentierst was du wirklich bist. Da sind die Entwicklungsschritte bei uns auch sehr gut dokumentierbar. Da ist jedes Album ein neuer Schritt, eine neue Entwicklungsstufe, eine neue Höhe die du erklimmst, und der Weg muss stetig vorangehen - beziehungsweise er sollte. Und es passiert ja automatisch, wenn man inspiriert ist, sich leiten lässt und gerade in diesem „Flow“ drinnen ist, dann kommt dementsprechend auch immer das gerade Richtige heraus. Da muss man auch gar nicht mehr lange überlegen ob man Dieses oder Jenes macht, wie das vielleicht andere Bands machen, die ihre Alben am Reißbrett konstruieren. Dadurch ist es eigentlich ein ganz natürlicher Prozess, der auch noch lange nicht zu Ende ist.

 

 

Kommen wir aber jetzt zu eurem neuen Album. Der Opener „Shiantara“ - der erste Song den man bisher vorab hören konnte - ist von „Stark Trek“ inspiriert – bist du ein Fan der Serie weil du die Thematik sogar in einem Song verarbeitest?

 

Lanvall: Ja, total! Ich bin „Next Generation“ und „Deep Space Nine“ Fan! Das sind meine favorisierten Serien aus „Star Trek“, auf die Filme stehe ich eher weniger, denn das sind eher so diese typischen Baller-Sachen. Aber „The Next Generation“ und „Deep Space Nine“ haben durchgehend einen sehr spirituellen Hintergrund und dort gibt es auch einen so riesigen Pool an Ideen, den ich auch in der Vergangenheit schon genutzt habe. Und den ich eben nun auf dem neuen Album auch wieder auf zwei Episoden habe einfließen lassen, weil ich mir die Serie ende letzten Jahres wieder einmal komplett anschauen habe müssen.

 

 

Du sagtest, dass sich gleich zwei Songs mit diesem Thema beschäftigen. Kannst du auch noch etwas näher auf die Hintergründe eingehen?

 

Lanvall: Ja, der Zweite Titel ist „The Visitor“.

 

Aber um zuerst zu „Shiantara“ zu kommen: Es gibt eine Lebensform auf "Deep Space Nine“, die Trill. Dabei handelt es sich um symbiontische Lebewesen, der Symbiont ist Ding das irgendwie aussieht wie ein Organ und dann gibt es auch einen Wirt. Der Symbiont lebt quasi ewig, er muss nur rechtzeitig, wenn der Wirt stirb, transferiert werden. Das Ritual „Shiantara“ heißt, dass der jetztige Wirt, beziehungsweise dessen Vorleben in aktuelle Freunde transferiert wird – das ist eben dieses Ritual „Shiantara“ - wodurch er seinen vorherige Wirten anhand seiner Freunde, denen er Auge in Auge gegenübersteht, besser kennen lernt. Das finde ich einen ganz tollern Ansatz, der mich zu diesem Song inspiriert hat.

 

Und „The Visitor“ ist auch eine interessante Geschichte, weil sie eigentlich – wozu wir später wahrscheinlich auch noch mit dem Albumtitel kommen werden - noch viel mehr in dieser Thematik drin hängt. Es geht darum, dass Kapitän Sisko und sein Sohn einen Transporterunfall haben, bei dem der Kapitän im Subraum verschwindet. Allerdings verschwindet er nicht komplett, sondern taucht über die Jahre hinweg immer wieder kurz auf. Dadurch bleibt sein Alter quasi immer gleich, während sein Sohn, der ja in einer anderen Zeitdimension lebt, immer älter wird. So versucht er quasi sein ganzes Leben seinen Vater zurückzuholen, nach einer Technologie zu forschen, die ihm das ermöglicht, aber er vergisst darüber eigentlich komplett sein eigenes Leben. Das ist ein sehr berührender Aspekt und eine tolle Story gleichzeitig. Das waren quasi zwei aufgelegte Songs.

 

 

Gefühlt verwendet ihr auf dem neuen Album weniger Orchester als noch auf „The Bonding“, wodurch aber die Arrangements, finde ich, prägnanter durchkommen und das Album insgesamt „härter“ wirkt, vor allem weil der Gitarrensound auch ordentlich fett geraten ist. Ein bewusster Schritt?

 

Lanvall: Es war sicher aus musikalischer Sicht so, nachdem wir ja 2014 das „Voiciano“-Projekt gemacht haben, das sehr ruhig war. Das war auch gewollt so, weil ich nach „The Bonding“ wieder musikalisch etwas Anderes machen wollte, weil es ja doch ein ziemlich großes Projekt war. Nachdem aber dann „Voiciano“ abgeschlossen war, hatte ich wieder Lust darauf, die Sau raus zu lassen. Dementsprechend haben sich da auch einige fettere Riffs angesammelt und es hat sich als natürlicher Prozess so entwickelt.

 

Aber du hast recht, ich wollte es noch prägnanter einsetzen und noch mehr Dynamik erzeugen damit. Denn wenn du das Orchester die ganze Zeit spielen lässt, dann hast du einerseits keine Dynamik und du hast andererseits weder den wirklichen Bombast, aber auch keine Heavyness, weil die Gitarren permanent zugedeckt werden. Mit Orchester und Gitarren hast du zwei Dinge die sich Frequenztechnisch fast immer im Weg sind. Dadurch haben wir für die Gitarren einen anderen Amp genommen, was in dem Fall ziemlich gelungen ist, weil der untenrum mehr zumacht und dadurch oben, wo Vocals, Chöre und Orchester liegen, mehr Freiraum lässt. Dadurch kommt dann der Eindruck, dass der Sound härter ist und die Gitarren mehr im Vordergrund sind, weil von den Frequenzen her der Platz da ist.

 

Was das Orchester angeht ist es ja ein lebenslanges Lernen, in dem man versucht es immer besser zu integrieren. Ich sehe da jetzt auch keinen Sinn darin, es immer spielen zu lassen. Bei uns ist es ja größtenteils... ich will jetzt nicht sagen ein Effektmerkmal, denn dafür kommt es zu oft vor – aber wenn es spielt, dann muss es wirklich knallen. Dann muss auch alles andere in den Hintergrund treten. Ich glaube das sieht man recht gut bei zwei Choruses, „The Die Is Not Cast“ und „A Turnaround In Art“, wo du zuerst diesen großen Chorsatz mit den Vocals hast und dann schiebt sich das Orchester dazwischen. Das kann man dann nicht einfach auch noch über den Vocals spielen lassen, da braucht einfach alles seinen Platz. Das ist eben dieser laaaange Arrangierprozess, wo bei mir dann zum Beispiel der ganze Prozess, Songwriting und Arrangieren, im günstigsten Fall ungefähr ein Jahr dauert, wo man dann fast Tag für Tag damit beschäftigt ist das Ganze zu perfektionieren.

 

 

Ihr habt ja auf „The Great Momentum“, diesmal nicht als Titeltrack, aber doch wieder als Abschluss einen epischen Longtrack, wie schon auf allen Alben seit „The Grand Design“ (ok, ausgenommen „Solitaire“...). Ist das inzwischen schon so etwas wie eine Tradition geworden, eine Trademark von EDENBRIDGE?

 

Lanvall: Eigentlich nicht, aber es ergibt sich einfach. Würde es sich nicht ergeben, so wie es bei „Solitaire“ war, dann machen wir es auch nicht. Bis jetzt hat es sich aber bei fast jedem Album so ergeben. Bei „The Greatest Gift Of All“ war es zum Beispiel so, dass ich im Prinzip die beiden Teile bis zum Beginn des Orchesterparts relativ schnell fertig hatte. An dem Punkt habe ich aber gemerkt, dass ich einfach eine Pause brauchte, weil ich mir dachte, dass das, was ich bis jetzt habe, an diesem Punkt nicht einfach aufhören kann, aber für einen normalen Song ist es einfach schon wieder zu lang und zu episch. Aber man muss bei solchen Sachen zusehen, dass man das Thema auch weiterführt – und das ist dann auch wieder so ein natürlicher Prozess, wie diese Themen weitergeführt werden und wie sie sich im Song dann in veränderter Form wiederholen. Da hast du zum Beispiel das Thema des Gitarrensolos vorne, was dann wiederkehrt als ruhiger Part mit Englischhorn (Anm. d. Verf.: Ein Holzblasinstrument, ähnlich einer Oboe) im Orchesterpart. Es ist fast so aufgebaut wie eine kleine Sinfonie, wo die Themen immer wiederkehren und durchexerziert werden.

 

Sabine: Echt, das ist eine Symphonie?

 

Lanvall: (lacht) Naja, vom Aufbau her ist es natürlich anders! Aber es ist ja doch der Sinn und Zweck einer Symphonie, dass Themen vorgestellt und dann immer wieder durchgeführt werden.

 

 

Ich finde es persönlich gut, dass diese Art von Song bei euch fast immer am Ende des Albums steht und nicht mittendrin, weil diese Songs den Hörer ja doch etwas mehr fordern.

 

Lanvall: Natürlich könnte man das Album auch mit so einem Song anfangen, aber das bringt nicht wirklich etwas - ich glaube die Songs stellen sich oft einfach von selbst auf. Ich habe mich aber dieses Mal von Johannes inspirieren lassen, der beim Mix gemeint hat, dass wir oft so ein System haben mit Opener, dann meistens Video und dann die Ballade. Das war so meistens unsere Song-Reihenfolge. Aber dieses Mal hatten wir den Eindruck, da gehört noch ein Song dazwischen. Also nicht gleich wieder zu „The Moment Is Now“ und dann die Ballade „Until The End Of Time“, sondern wir schieben noch einen Song dazwischen. Und da hat sich Johannes eingebracht, „The Die Is Not Cast“ an zweite Stelle zu schieben, was eine irrsinnig gute Idee war.

 

 

Apropos „Trademarks“: Der erste vorab zu hörende Song, „The Moment Is Now“ ist ja wieder „typisch“ EDENBRIDGE - catchy, mit knackigen Gitarren, träumerischen Arrangements und großem Refrain. Man erkennt sofort, welche Band dahinter steht, da man den Stil erkennt. Siehst du das Attribut „typisch“ manchmal auch als etwas abwertend, oder doch eher positiv?

 

Sabine: Ich sehe das total positiv.

 

Lanvall: Ich sehe das so, dass man uns als Band erkennt sobald Sabine ein Wort singt, und das ist unglaublich positiv.

 

Sabine: Nicht jeder! (lacht)

 

Lanvall: Ok, wer uns nicht kennt natürlich nicht, das ist klar! Aber diejenigen die uns kennen, würden uns sofort erkennen wenn Sabine auch nur einen Ton singt. Trademarks sind gut und wichtig, denn sie definieren dich auch irgendwie. Das ist das woran dich die Fans erkennen und wofür dich die Fans auch schätzen. Aber es muss trotzdem auch mit jedem Album etwas Neues passieren, es darf nicht stehenbleiben. Einen Song, den ich schon einmal gemacht habe, versuche ich natürlich zu vermeiden zu wiederholen!

 

In der Hinsicht hast du aber natürlich recht, dass „The Moment Is Now“ Reminiszenzen an „Higher“ oder „Alight A New Tomorrow“ in sich trägt – aber es war auf den letzten Alben irgendwie immer so, dass mir stets ein Song in diesem Stil eingefallen ist. Und hat der Song dann auch noch einen super-eingängigen Chorus, dann wäre ich ja blöd, wenn ich das nicht machen würde! (lacht) Und es sind ja trotzdem im Arrangement genug Unterschiede vorhanden.

 

 

Es ist ja auch nicht so, dass ein Song jetzt ein komplettes Album definieren würde.

 

Lanvall: Das ist richtig! Wir haben zum Beispiel mit „Higher“, zu dem wir unser erstes Video gedreht haben, über dreieinhalb Millionen Klicks, was ja doch schon von einer gewissen Resonanz zeugt. Mit eingängigeren Nummern sprichst du einfach ein größeres Publikum an, aber letztendlich macht es die Mischung aus. Wenn ich nur solche Nummern schreiben würde, dann würde mich das auch irgendwann langweilen.

 

 

Ich nehme an, es wird auch wieder ein Video zum neuen Album geben? Habt ihr da schon was fertig – wenn ja, wann können wir uns darauf freuen?

 

Sabine: Ja, wir haben schon etwas gefilmt und es ist derzeit noch in Arbeit!

 

Lanvall: Derzeit ist das Video in der Post-Produktion. Es ist auch das bisher aufwändigste, das wir gemacht haben, da alles Greenbox ist, also die kompletten Hintergründe animiert sind. Momentan sind etwas mehr als die Hälfte, also gut zwei Drittel bis drei Viertel fertig – und es sieht wirklich fantastisch aus! So etwas hatten wir bisher noch nie. Es unterstützt natürlich perfekt diesen Song „The Moment Is Now“, da es sich in einer Art Uhrenwelt abspielt. Der Titel „The Moment Is Now“ ist im Prinzip nichts anderes als der Albumtitel „The Great Momentum“, was für uns so etwas wie das zeitlose, absolute Jetzt bedeutet. Das haben wir natürlich versucht im Video so gut es geht rüberzubringen! Aber derzeit sind wir wirklich unter Zeitdruck, da das Video am 15.2. Premiere hat und eigentlich spätestens am 8.2. fertig sein sollte. Da ist die Post-Produktion schon enorm aufwändig, was da alles in den Hintergründen erst noch entstehen muss.

 

 

Das macht schon sehr neugierig!

 

Sabine: Die Thematik ist, dass eine Businessfrau dargestellt wird, oder beziehungsweise ich eine Businessfrau darstelle, die unter enormem Stress steht und sich von dunklen Mächten verfolgt fühlt. Im Sinne dessen, dass sie wie in einem Hamsterrad läuft. Es geht auch darum wie man aus diesem Rad wieder aussteigt und sich einfach einmal auf den Moment konzentriert. In dem Fall ist die Sängerin diejenige, die die Fähigkeit hat die Uhren anzuhalten, wodurch dann die Transformation passiert, dass man endlich einmal innehalten kann und nach Innen, in sich selbst geht.

 

 

Habt ihr nach dem Weggang von Wolfgang Rothbauer schon wieder einen neuen Bassisten gefunden?

 

Lanvall: Für die Tour haben wir schon einen neuen Bassisten, den wir jetzt erst einmal einige Zeit mitnehmen und dann sehen wie es funktioniert, ob die Chemie stimmt. Jetzt haben wir Stefan Gimpl von CRYSTALLION, aus Bayern, da es in Österreich ein wirklich schwieriger Prozess war jemanden zu finden. Es ist uns nicht gelungen, so haben wir nun einen aus Bayern! Ich war schon mit einigen Leuten aus Österreich in Kontakt, aber da kam es immer wieder zu Terminkollisionen, oder dass die Leute ihre jeweiligen Bands nicht verlassen wollten, beziehungsweise eine weitere Band einfach zu viel für sie gewesen wäre. Es glauben ja bei uns doch viele, oder gewinnen den Eindruck, dass wir sechs Monate lang auf Tour wären – was aber nicht der Fall ist – wodurch sich aber doch viele die Sache einfach nicht zutrauen.

 

Dadurch dass Thomas Strübler, den wir von JUVALIANT kennen, wo er mit zwei unserer Ex-Musiker gemeinsam spielt, dieses Mal die Chöre eingesungen hat – fantastischer Typ übrigens, wir sind total happy dass wir ihn gefunden haben! - sind wir durch ihn auf Stefan gekommen, beziehungsweise hat er ihn uns empfohlen, da sie sich von CRYSTALLION kennen. Das war auch schon extrem eng, da wir für Vietnam eine schnelle Entscheidung treffen mussten was Reisepässe und Visas angeht. Ich war gerade noch in England zum Mix, bin dann am Samstag nach Hause gekommen und am Sonntag hat Stefan schon eine Audition bei mir gespielt. Es hat super gepasst mit den vier Nummern die wir ihm geschickt haben, wir hatten auch den Eindruck dass er vom Wesen her super zu uns passt, also dachten wir, wir probieren es einfach einmal aus. Da haben wir gleich nächste Woche auf der "70.000 Tons Of Metal"-Kreuzfahrt Gelegenheit dazu! Wir hatten zwar bisher nur eine Probe zusammen, aber nachdem er unsere Songs schon super drauf hat, mache ich mir da keine Sorgen.

 

 

Funny Fact – euer neuer Drummer Johannes spielt ja in der gleichen Band, in der auch euer Gitarrist Dominik und Wolfgang spielen. Ein heiteres Bäumchen-wechsel-dich-Spielchen mit Musikern?

 

Lanvall: (lacht) In unserem Raum hast du einfach nicht so viele Möglichkeiten. Die wirklichen Top-Musiker die wir in der Band brauchen, die findest du nicht an jeder Ecke. Johannes war im Prinzip gleich der nächste Ansprechpartner nach Max, der aus privaten Gründen ausgestiegen ist. Aber bereits da hat schon die Zeit gedrängt, weil klar war, dass er auf jeden Fall das Album einspielen muss und danach würden wir schon sehen was passiert. Zuerst war er noch ein wenig unschlüssig, da er doch noch einige weitere Bands hat, aber dadurch dass die eher im Underground verwurzelt sind, der Zeitaufwand dort auch nicht so groß ist.

 

 

Johannes kommt ja eigentlich auch aus einer anderen Stilrichtung, war das vielleicht auch anfangs ein Hindernis?

 

Lanvall: Das war witzigerweise überhaupt kein Problem! Ich habe ihm die neuen Songs einmal vorgespielt und er war gleich total begeistert und hat sich auch richtig hinein gelebt. Ich habe ihn auch im Studio das erste Mal überhaupt spielen gehört und musste mich da total darauf verlassen, obwohl wir uns natürlich vorher schon einige Male getroffen haben um Sachen durchzugehen und er auch einige Teile aufgenommen hat und mir geschickt hat. Wie er die Songs dann wirklich spielt wusste ich ja noch nicht. Und dann hat er innerhalb von neun Stunden das komplette Album eingespielt, das war wirklich unglaublich!

 

Johannes ist nicht nur ein super Schlagzeuger und ein super Mensch, sondern er hat außerdem noch die Super-Begabung 3D-Grafiker zu sein – so hat er gleich zusammen mit Anthony Clarkson das Cover des neuen Albums kreiert. Und auch das Lyric-Video, die Artworks, T-Shirt-Designs, die neue Website, und so weiter und so fort... das habe ich ihm gleich alles anvertraut! Wenn man schon so ein Talent in der Band hat, dann sollte man es auch nutzen! Ich glaube Johannes hat auch viel zu dem positiven Prozess im Zuge dieses Albums beigetragen, denn wir hatten noch nie eine so stressfreie Produktion wie dieses Mal. Und ich glaube, das hat er mit seiner Art auch unterstützt. Wir haben uns ohnehin schon einen relativ großen Zeitrahmen gelassen für die Aufnahmen, doch durch ihn hatte ich zum Beispiel noch nie so viel Spaß bei den Schlagzeug-Aufnahmen. Ich habe noch nie so gegrinst, die ganze Zeit über! Er hat einfach gespielt, und man kann sagen, pro Stunde war ein Song im Kasten. Was kannst du da noch sagen...?

 

 

Und jetzt muss ich natürlich noch kurz zu einem Thema kommen, das gerade brennend ist – ihr steckt ja gerade mitten in den Vorbereitungen zur "70.000 Tons of Metal"-Kreuzfahrt, und fliegt schon in wenigen Tagen weg. Aufgeregt?

 

Sabine: Jaaaaa... schon ein bißchen!

 

Lanvall: Also ich hatte ja schon das gesamte Monat Stress durch das ganze Organisieren! Das Angebot kam ja erst Anfang Januar, dann ging es sofort los mit Flügen suchen, und so weiter...

 

 

Das ist ja schon sehr kurzfristig...

 

Lanvall: Extrem kurzfristig! Vor allem, du must ja alles noch mit den Airlines abchecken puncto Gepäck, da wir nicht nur ein paar Gitarren mit im Gepäck haben, sondern auch noch Amps – vom technischen Aspekt ist es bei uns ja doch ein bisschen komplizierter. Dann noch die Hotelsuche, wenn du einen Tag früher ankommst. Die ganzen Shuttles organisieren... und wir mussten auch die Proben vorverlegen, logischerweise! Eigentlich hätten wir erst Anfang Februar zu proben begonnen, für die Österreich-Gigs und Vietnam – so gesehen war der Monat fast schon ein bißchen zuviel. Aber Gottseidank ist das Festival perfekt organisiert und durchgestylt bis ins letzte Detail! Wir haben dort zwei Shows à 45 Minuten, aber nachdem die Songs bei uns schon gut sitzen mache ich mir da keine Sorgen, das wird bestimmt ein Spaß! Und die Geschichten die man so hört vom "70.000 Tons Of Metal", sind schon auch lustig!


Sabine: Ich kann mir das noch gar nicht so richtig vorstellen. Das ist ja doch etwas ganz Anderes als eine normale Show.

 

Lanvall: Das wird bestimmt eine spannende Reise. Ich denke als Band musst du das einfach einmal gemacht haben und es ist natürlich super, dass es dieses Jahr geklappt hat! Wir hätten ja letztes Jahr schon spielen können, aber da war das Angebot eine Woche vorher! Da waren wir erstens nicht eingespielt und mit ganz anderen Dingen wie der Albumproduktion beschäftigt, und andererseits wäre es auch zeitlich absolut unmöglich gewesen. Daher umso schöner, dass es dieses Jahr geklappt hat!

 

 

Glaubst du es macht es in einer Band einfacher oder schwerer, wenn man sich auch im Privatleben näher steht, anstatt „nur“ miteinander zu arbeiten?

 

Sabine: Also es macht es schon einerseits leichter, aber auch schwerer. Es sind sicherlich beide Aspekte vertreten. Grundsätzlich ist es schon so, dass die Band auch unser Baby ist und die Musik insgesamt auch für uns etwas Verbindendes hat. Der Vorteil überwiegt dementsprechend!

 

Lanvall: Da ist selbstverständlich ein kreativer Prozess im Gange. Ich weiß zum Beispiel, wenn ich komponiere, immer wie das Endresultat dann klingen wird, weil ich Sabines Stimme einfach immer im Kopf habe. Ich bin da vollkommen frei von den Tonarten her, weil ich weiß was für eine große Vocal Range sie mit Hingabe und Power abdeckt. Natürlich weiß ich dann auch, dass ich sie nicht irgendwo notieren kann, wo ihre Stimme einfach nicht liegt. Das wäre ja bescheuert.

 

Wir haben auch dieses Mal bei EDENBRIDGE das erste Mal gemeinsam an den Lyrics gearbeitet, insgesamt fünf von neun Songs, was wir bei VOICIANO bereits angefangen hatten. Da sind ganz neue Aspekte mit hinein gekommen, als wir uns die Worte und die Sätze quasi zugeworfen haben... (Sabine bricht in Gelächter aus)

 

Sabine: Wo es sich eben reimen soll, aber auch einen Sinn ergeben muss!

 

Lanvall: Die Lyrics sind ja auch keine seichten Wald- und Wiesengeschichten, sondern sollen schon mit dem Cover und dem ganzen Drumherum eine Einheit bilden. Da müssen die Reime auch über die klassischen „fire-desire“-Geschichten hinausgehen. Man arbeitet ja an einem Gesamtkunstwerk und da darf man auch im kleinen Bereich nicht einfach locker lassen. Das hört man dann ja dem Endprodukt auch an, wenn man irgendwo locker lässt und sich zu früh zufrieden gibt - und das vielleicht immer wieder. Ich bin einfach Perfektionist, ich kann es nicht ändern.

 

Sabine: (lacht) Stimmt.

 

 

Angenommen ihr dürftet jemandem nur einen einzigen Song von euch vorspielen - welchen würdet ihr auswählen? Nicht nur vom aktuellen Album, sondern auf eure komplette Diskografie bezogen.

 

Lanvall: Das ist echt eine super Frage! Ich glaube, das kann ich auf die Schnelle gar nicht sagen. (überlegt lange) Könnte man die Frage vielleicht zweiteilen? Wobei das trotzdem wieder schwierig wird. Für mich ist derzeit „The Greatest Gift Of All“ vom neuen Album so das Herzstück, da es genau das ist, was die Band im Jahr 2017 am besten repräsentiert. Diese große Bandbreite die wir fahren, wo von den zartesten Passagen, diesen power-balladesken Passagen die nur aus Stimme, Klavier und Akustikgitarre bestehen, bis hin zu diesem totalen orchestralen Inferno mit Blastbeats einfach alles drinnen ist. Besser könnte man die Band zum jetztigen Zeitpunkt nicht beschreiben.

 

Wenn man es vom kommerziellen Aspekt her sieht, ist natürlich „Higher“ eine Nummer an der man nicht vorbei kann. Das sieht man auch bei den Konzerten, es hat so viele Klicks und es kennt einfach fast jeder – bei der Nummer geht es immer richtig ab, weswegen wir sie natürlich immer als letzte Zugabe spielen, was sich eben so entwickelt hat. So würde ich das jetzt definieren, oder wie siehst du das?

 

Sabine: Das kann ich eigentlich so unterschreiben.

 

 

Welches, speziell jetzt von euren älteren Songs, ist eines von euren Lieblingsliedern? Vielleicht auch eine Nummer, die ihr noch nicht so oft live gespielt habt, oder gerne einmal spielen würdet...

 

Lanvall: Das ist auch eine interessante Frage...

 

Sabine: Da weiß ich jetzt schon, was kommt! (lacht)

 

Lanvall: Es ist schon insofern eine interessante Frage, weil ich gerne einmal, wenn die Rahmenbedingungen passen, eine richtige Epic-Tour machen würde. Epic im Sinne davon, dass wir wirklich nur unsere Epic-Tracks, also die Longtracks spielen. Das würde mich total reizen und herausfordern, weil die Songs einfach so abwechslungsreich und herausfordernd sind. Da gibt es zum Beispiel diese eine Nummer von „Shine“, „And The Road Goes On“, die wir wirklich nur auf der „Shine“-Tour gespielt haben, und auch da nur auf einigen wenigen Konzerten.


Sabine: Genau die! Ich wusste es! Von der redet er noch immer! (lacht)

 

Lanvall: Ich glaube das ist eine Nummer die ziemlich unbeachtet geblieben ist, aber die mir immer wieder Gänsehaut beschert. Einerseits weil Sabine grenzgenial singt – natürlich nicht nur auf dieser Nummer, aber hier eben ganz besonders! - und andererseits weil sie mit diesen orientalischen Arrangements auch so abwechslungsreich ist.

 

Es gibt aber noch eine Menge anderer Songs - einige davon sind quasi unspielbar, das muss man auch zugeben. Nummern die zum Beispiel als Duett aufgebaut sind, da muss man sehen inwieweit man die umsetzen kann und auch der Titeltrack vom letzten Album „The Bonding“ ist in seiner Gesamtheit sehr schwierig live umzusetzen. Genau wie „The Greatest Gift Of All“ komplett, oder „Red Ball In Blue Sky“ mit D.C .Cooper, die wir zwar geprobt haben im Proberaum, aber die einen wirklich an die Grenzen bringen.

 

Sabine: Ich würde mir zum Beispiel „Brothers Of Diamir“ wünschen.

 

Lanvall: Den hatten wir doch auf der letzten Tour gespielt?

 

Sabine: Aber ohne den langen Mittelteil. Ich stehe zwar schon auf die epischen Songs, aber Abwechslung ist mir auch wichtig. Ich bin ja ein Fan von Balladen und Duetten – wenn es nach mir ginge, dann hätten wir auch viel mehr Duette!

 

Lanvall: Und nur Balladen! (lacht)

 

Sabine: Stimmt doch gar nicht! Aber „The Grand Design“ zum Beispiel, hatte ich fast gar nicht mehr in Erinnerung. Da habe ich mich kürzlich wieder durchgehört und da sind ja auch sehr viele überdurchschnittlich gute Songs drauf...

 

Lanvall: „Flame Of Passion“ zum Beispiel, der live sehr gut gegangen ist. Und den Titelsong von „The Grand Design“ hatten wir auf der Tour in England und China im Set, auch eine super Nummer.

 

Sabine: Das ist jetzt ein Song den ich nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählen würde. Das ist eigentlich der Einzige wo mir die Chor-Passagen nicht so gut gefallen.

 

Lanvall: Naja, „Terra Nova“ war jetzt auch nicht so der Bringer.

 

Sabine: „Arcana“ ist auch nach wie vor ein Song der uns sehr gut repräsentiert. Dieses vom Himmel auf die Erde bringen, was gerade im epischen Bereich noch viel mehr und besser rüberkommt.

 

Lanvall: Es wird sowieso immer schwerer, aus inzwischen neun Alben auszuwählen. Dadurch haben wir inzwischen auch einen Schnitt gemacht, weil uns vielleicht einerseits die ersten drei Alben heute nicht mehr so gut repräsentieren, wir aber andererseits die Leute in den 90 Minuten Set auch nicht mit ewig gleichen Nummern langweilen wollen. Es gibt so viele Nummern, die spielenswert sind und natürlich muss das neue, beziehungsweise aktuelle Album auch seinen Platz finden mit vier bis fünf Nummern. Da müssen natürlich immer wieder Nummern aus der Vergangenheit weichen.

 

 

Wo wir schon gerade in einem Restaurant sitzen: Wenn ihr eure Musik mit einem Gericht vergleichen müsstet – welches würde das sein?

 

Sabine: Puuuuh. Das ist schwierig.

 

Lanvall: Fondue! Weil es eine meiner Lieblingsspeisen ist. Außerdem ist es wie ein Spiel, aber trotzdem auch ein Essen. Du hast wahnsinnig viele Zutaten die du in einen Topf wirst, es ist ein kommunikativer Prozess und letztendlich wird es immer gut.

 

Sabine: Und man muss sich Zeit nehmen dafür.

 

Lanvall: Genau! Also hast du letztendlich viele Gemeinsamkeiten mit unserer Musik. Nur Käsefondue darf es nicht sein! (Gelächter)

 

 

Last but not least – ihr habt mit EDENBRIDGE schon so viel erreicht, dass es müßig wäre zu fragen, wo ihr euch in zehn Jahren oder so seht. Deshalb frage ich lieber, welche Dinge ihr hauptsächlich aus eurer bisherigen Zeit mit EDENBRIDGE mitgenommen hast – im postitiven wie im negativen.


Sabine: Sich einfach einmal der größten Angst stellen und auch auf die Bühne gehen! Das war speziell in der Anfangszeit eine große Überwindung. Nachdem ich mich immer damit auseinander setze, was mir am meisten Angst macht, war das ein sehr wichtiger Aspekt für mich. Und natürlich auch ein großer Wunsch von mir, diese Angst zu überwinden. Und andererseits auch den Kontakt zum Publikum zu sehen, zu spüren und Gänsehaut auf der Bühne zu bekommen - um dann im Nachhinein festzustellen, dass die Momente die gleichen waren wie bei den anderen Musikern. In die unterschiedlichsten Länder zu reisen und als Nicht-Tourist die Kultur kennenzulernen und Menschen kennenzulernen, mit denen man ansonsten nie in Kontakt kommen würde. Musikerkollegen kennenzulernen, und einfach, ja... Spaß zu haben! Und dabei natürlich auch einen kreativen Prozess voranzubringen, das sind eigentlich die Hauptpunkte. Passend zum Fondue. (lacht)

 

Lanvall: Ich sehe das ganze letztendlich so, heruntergebrochen auf das Wesentliche, dass es nur um die Musik geht. Alles andere sind super Dinge, aber wenn die Musik nicht im Vordergrund steht, dann kannst du alles andere vergessen. Würde sich die Musik nicht weiterentwickeln, würde man sich nicht immer wieder neu definieren und stattdessen wie manche andere Bands wie in einem Hamsterrad drinnen sitzen – was übrigens im Song „A Turnaround In Arts“ vorkommt – und sich keine Zeit mehr für die Alben nehmen, für die eigentliche Musik und nur noch auf der Bühne stehen wollen, oder müssen um Geld zu verdienen... Wenn die Musik dann so weit in den Hintergrund tritt, das ist genau das, was wir immer versucht haben zu durchbrechen. Dass die Musik an erster Stelle steht, auch wenn wir es uns dadurch vielleicht selbst schwerer gemacht haben, weil wir auch nicht flächendeckend unterwegs waren, wie Andere. Vielleicht ist es schwerer, aber es ist auch ein Rezept mit dem man längerfristig überlebt, wie man anhand unserer Fans weltweit sehen kann, und der Resonanz, die ein neues Album nach sich zieht, wenn man lange und hart daran arbeitet und dafür sein Bestes gibt. Ich glaube es ist der richtige Weg, und es wird auch in Zukunft der richtige Weg sein, hoffe ich.

 

 

Nachdem ihr ja auch in Bälde wieder einige Auftritte in Österreich spielen werdet, möchtet ihr unseren Lesern und euren Fans noch ein paar Worte übermitteln?

 

Lanvall: Ja, kommt zu den Gigs! Wir spielen ja auch nur zwei in Österreich, in der Spinnerei in Traun und in der ((szene)) Wien – es wird ein interessantes Programm geben, wir spielen viele Songs vom neuen Album! Für die "70.000 Tons Of Metal" haben wir uns ja eher auf eine Hit-Setlist konzentriert, bei den Auftritten in Traun und Wien werden dann auch einige epischere Sachen mit an Bord sein. Ich freue mich schon auf die Gigs!

 

Sabine: Ich freue mich natürlich auch schon auf die Konzerte. Darauf, dass ich dort vielleicht wieder einige neue Gesichter sehe, und natürlich auch bekannte! Es wäre natürlich auch schön wenn die Hallen gut gefüllt sind, und die Stimmung gut ist! Damit wir dann auch die Energie des aktuellen Albums transportieren können, den Moment zu leben!

 

 

Dann sage ich vielen Dank für eure Zeit! Und, ihr habt es gehört Leute – zahlreich erscheinen, sonst weinen!

 

Das Review zum neuen Album findet ihr hier!


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