08.04.2018, Posthof - Grosser Saal, Linz

KREATOR & SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH & BLACK INHALE & INSANITY ALERT

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 15.04.2018

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Nach langer Zeit ist der kleine Schreiberling endlich wieder einmal im Posthof Linz zu Gast, einer der schönsten Konzertlocations, die Oberösterreich zu bieten hat. Wie schon Kollege Rosenberger kürzlich in seinem Liebesbrief an KVELERTAK anmerkte, würde man sich sehnlichst wünschen, viel häufiger so hartes Programm im Posthof genießen zu können, wie beispielsweise das Abschädel-Paket rund um KREATOR an diesem lauen Samstagabend. Ein so ziemlich volles Haus im großen Saal lässt jedenfalls Hoffnungen zu, dass die Besuche in der Landeshauptstadt bald wieder häufiger werden könnten!


Der größte Wahnsinn des Abends brach gleich zu Auftakt über das Publikum herein: Nämlich der Crossover-Thrash der Tiroler von INSANITY ALERT. Kürzlich ihres Bassisten Moosi verlustig gegangen, konnte glücklicherweise rechtzeitig vor der Tour ein Ersatzmann rekrutiert werden, der bereit war mit Heavy-Kevy und seinen Mitstreitern die Bühnen zu zerstören. Zudem feierten die bei der Impericon-Tour abhanden gekommenen, bereits so etwas wie zur Legende gewordenen Bühnenutensilien ihre Rückkehr – Zwangsjacke, Krabbenscheren, Joints und die berühmten Schilder – alles da, was eine INSANITY ALERT-Show benötigte. Und es war dann auch entsprechend großartiger Lärm, der beim schon recht zahlreichen Publikum im Posthof für so einige Fragezeichen über dem Kopf sorgte. Klar, wer den abgedrehten Hochgeschwindigkeits-Thrash mit den unnachahmlich beknackten Texten noch nie gehört hat und auch einen entfesselten Kevy noch nie auf der Bühne abgehen sah, der braucht einfach einige Zeit, um zu realisieren was da eigentlich gerade passiert. Aber genau das macht INSANITY ALERT aus und genau dafür wurden die vier Tiroler nach ein wenig Eingewöhnungszeit seitens des Publikums dann auch amtlich abgefeiert. Fuck that shit, let's circle pit!


Nach der Portion Irrsinn als Vorspeise, wurde als nächster Gang ein feines Thrash-Filet serviert: BLACK INHALE. Die Wiener Modern-Thrasher fuhren einen gewaltigen Sound und konnten das Publikum innerhalb kürzester Zeit auf ihre Seite ziehen. Da wurden gleich einmal zu den fetten Walzen, die da aus den Boxen dröhnten, die Mähnen kräftigst geschüttelt und fleißig im Takt mitgeklatscht. Die gewaltige Mischung aus Thrash, ein wenig melodischem Todesblei und ein bißchen Progressivität fiel im Posthof auf fruchtbaren Boden und bescherte bestimmt so einigen kräftigst abgehenden Fans an diesem Abend ein verfrühtes, selbstverschuldetes Schleudertrauma. Für den Lacher des Abends sorgten vorwitzige Besucher, die BLACK INHALE einige Snickers-Riegel auf die Bühne warfen und die Stimmung damit noch zusätzlich ein wenig auflockerten. Das war schon ziemlich fett, was BLACK INHALE da auffuhren, großen Respekt! Das Publikum sah das ähnlich und deckte die Wiener mit tosendem Applaus ein.


Vorm Headliner gab es dann noch eine gepflegte Dosis Oldschool-Krawall, von Urgestein Martin Schirenc persönlich mitten in die Eier geschossen. SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH lautete die Devise und unter diesem Banner wurden dann auch die ganzen sattsam bekannten Krawall- und Hassbatzen (exemplarisch sei hier zB „Shrunken and Mummified Bitch“ erwähnt) mit sichtlicher Freude an der Sache in die Zuschauermenge gepfeffert – auch wenn die Performance des Dreiers dann doch etwas statisch ausfiel. Aber - wenn wir einmal ganz ehrlich zu uns selbst sind – für alljene die die Brachial-Attitüde und die Sicko-Bühnenshow der originalen PUNGENT STENCH noch erleben durften, ist das dann doch, trotz technisch deutlich gereifter Performance, nur ein lauwarmer Aufguss. Das darf man nun allerdings nicht falsch verstehen – das Gerumpel knallt natürlich noch immer wie eh und jeh und die PUNGENT STENCH-Variante von Romantik sorgt noch immer für Freudentränen in den Augen aller Oldschool-Krawallfetischisten, aber unterm Strich merkt man dem Ganzen schon ein wenig die Jährchen an, nüm? Aber sei's drum, hören wir auf damit, auf hohem Niveau zu meckern: Hirn ausknipsen, abschädeln, fertig! Das derbe abgehende Publikum sprach Bände.

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Fuck Bizarre
  • Happy Re-birthday
  • Deadly Medley
  • Bonesawer
  • Rip You Without Care
  • A small Lunch
  • Extreme Deformity
  • Shrunken and Mummified Bitch
  • Viva la Muerte

 

Apropos derbe abgehen: Bei KREATOR gab es dann für den rappelvollen Saal kein Halten mehr – nach dem ersten Stoß der Konfettikanonen (Thrash Metal und Konfetti – der Berichterstatter kommt noch immer nicht darüber hinweg...) öffnete sich auch schon der Pit und die erste Wall Of Death des Abends sorgte für schweißtreibendes Gewühl im Publikumsbereich. Ja, man kann von KREATOR halten was man will, man kann sie auch gerne als die Popstars des Thrash Metal bezeichnen, doch anhand dessen was die Essener bei den Zuschauern auszulösen vermögen, kann es nicht so ganz verkehrt sein, was die Truppe da abzieht. Klar, die Ansagen von Mille strotzen nicht gerade vor Abwechslung und der gute Herr scheint nach wie vor ständig etwas auf dem Bühnenboden zu suchen, aber dafür schob der Sound so amtlich aus den Boxen, dass es eine Freude war. Und wer zu Klassikern wie „Hordes Of Chaos“ oder „Flag Of Hate“ still stehen kann, der gehört definitiv mit dem nassen Fetzen aus der Halle gejagt – aber natürlich erst, nachdem er in einem der zahlreichen Moshpits des Abends angemessen unter die Räder gekommen ist! KREATOR geben live einfach brutal Gas und machen dabei richtig Spaß – sowohl bei kräftigem Geknüppel oder auch durchaus melodischen Songs wie dem Tribute-Song an die verstorbenen Musikgötter, „Fallen Brother“. Eine ultra-tighte Show, unterstützt von Dampf und Konfettiregen (zugegeben, die sich in der Hallentechnik an der Decke verfangenen Papierschlangen sahen schon irgendwie stylisch aus und brachten so ein wenig postapokalyptisches Feeling in den Posthof...), mehr brauchte es nicht, um die Meute bis in die hintersten Reihen glücklich zu machen. Hail To The  Hordes, 'coz Satan Is Real!

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Mars Mantra
  • Phantom Antichrist
  • Hail to the Hordes
  • Enemy of God
  • Satan Is Real
  • Civilization Collapse
  • People of the Lie
  • Flag of Hate
  • Phobia
  • Gods of Violence
  • Total Death
  • From Flood Into Fire
  • Hordes of Chaos
  • Violent Revolution
  • Totalitarian Terror
  • Fallen Brother
  • Betrayer
  • Pleasure to Kill

 

Weitere Fotos des Abends gibt es bei Images Of Pain And Pleasure.


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