21.06.2019, Rockhouse, Salzburg

CANNIBAL CORPSE + CARNATION + STORMRAGE + SCAPEGOD

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 01.07.2019

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Und schon wieder sowas Verspätetes! Ja ist es denn die Möglichkeit, dass die beim Stormbringer jetzt so langsam arbeiten? Mitnichten! Wie bereits bei dem am Vortag stattgefundenen Blastbeat-Highlight von KEEP OF KALESSIN, war der hartnäckige Bazillus, der ein kleines Schreiberlein für einige (ungewöhnlich lange!) Zeit komplett ausknockte, an der Verzögerung des Berichtes schuld. Ganz bestimmt nicht das Konzert selbst, das einen ausverkauften Rockhouse-Saal sah und vermutlich zum Jahreshighlight aller Krawallfetischisten avancierte. Wer anderer als die Oldschool-Todesgurgler von CANNIBAL CORPSE hätte es schaffen können, dass sich die Veranstalter bereits Monate im Voraus das „Ausverkauft!“-Schild an die Türe nageln konnten? Eben.

Passend zu den Weltenvernichtenden Klängen die von gleich vier Bands entfesselt werden sollten, erlaubte sich auch der Wettergott seinen Spaß und sandte nach einem schwülheißen Nachmittag pünktlich zu Konzertbeginn apokalyptische Regenfälle. Ganz böse konnte man dem gehässigen Wetter dann doch nicht sein, denn die Wassermassen die draußen über den Metalheads ausgegossen wurden, spülten bereits zur ersten Band des Abends eine äußerst große Menge an Zuschauern ins Rockhouse.


Das kam vor allem den Buben von SCAPEGOD aus dem Pinzgau zu Gute, die ob der großen Kulisse sichtlich nervös auf die Bühne wankten, aber dann wahrscheinlich den Gig ihres Lebens herunterzockten. Zwar agierte das Publikum zu Beginn, ob der Crossover-lastigen Death-Klänge, die da zunächst ein klein wenig übersteuernd auf es einprasselten, etwas reserviert, doch der durchaus etwas punkige Unterton im amtlich groovenden Liedgut des Vierers fiel bereits nach kurzer Zeit auf fruchtbaren Boden. Als die durchwegs positiven Rückmeldungen der Zuschauer kamen, gaben SCAPEGOD erst richtig Gas und legten einen wirklich starken Auftritt hin, der sich sehen lassen konnte. Sänger Mäx konnte sich gar nicht genug für die großartige Kulisse im Rockhouse bedanken, die den Opener mit lautem Applaus nach getanem Zerstörungswerk von der Bühne trug.


Die aus derselben Gegend stammenden STORMRAGE hatten zunächst kleinere Probleme beim Aufbau, die den Tausch eines Amps erforderten, räumten aber im Anschluss für eine Vorband ganz gewaltig ab. Inzwischen war, dank der Sintflut vor den Toren, das Publikum fast vollzählig anwesend und schüttelte zu den garstigen Abrissbirnen aus dem Death/Thrash-Universum bereits ordentlich die Rüben. Bereits beim zweiten Song warf sich Sänger Heimo mit Vehemenz kopfüber ins Publikum, wo er einen rabiaten Moshpit anzettelte, der für kräftig Bewegung im Auditorium sorgte. Das Eis durch solcherart direkten Kontakt gebrochen, ließen sich STORMRAGE vom auf Krawall gebürsteten Publikum ordentlich feiern, schwangen Ketten und Schädel und tränkten den Bühnengraben geradezu mit Blut. Und das bereits, bevor die Hauptacts des Abends überhaupt die Bühne betreten hatten! Der anhaltende Applaus war STORMRAGE für ihren energiegeladenen Auftritt sicher! Gut gemacht, Burschen!


Ab jetzt hieß es nur noch Vollgas, als das belgische Abrisskommando CARNATION ohne Rücksicht auf Verluste so richtig reinhaute. Während es draußen noch immer vom Himmel herab pisste, kotzte drinnen in der Halle ein entfesselt agierendes Abrisskommando, angeführt von einem blutgetränkten, kettenbehangenen Sänger mit Brutalo-Organ, den Besuchern die derbsten Schwedentot-Walzen vor die Füße. Eine brutale Soundwand schob sich einmal quer durch den Rockhouse-Saal und animierte gar viele Zuschauer in der inzwischen proppenvollen Halle dazu, sich zu dem brutalen Gekeife gepflegt die Schädel abzuschrauben. Dass einer der beiden Gitarristen stilecht im PUNGENT STENCH-Shirt auf die Bühne kletterte (zuletzt sichtete man die Sicko-Belgier auch im Schlepptau der heimischen Edel-Prügler) freute die Freunde des gepflegten musikalischen Abrisses sichtlich und auch sonst konnte man an der genickstrapazierenden Oldschool-Raserei von CARNATION nichts auszusetzen finden. Auch wenn der Jubel schon laut und anhaltend war – das Beste stand ja erst bevor...


Apokalyptisches Wetter für apokalyptische Klänge war die Devise des Abends! Und die Maschinerie funktionierte – und wie! Hatte man beim letzten (ebenfalls ausverkauften) Gastspiel 2015 an gleicher Stelle noch mehr das Gefühl einem eher lieblos heruntergezockten Gig von CANNIBAL CORPSE beizuwohnen, so stimmte die Chemie an diesem Abend zu 100%. Vom Fleck weg war das Rockhouse ein Dauer-Moshpit, in dem sich die komplett steil gehenden Leute reihenweise die Nackenmuskeln ruinierten, während eine Brutalo-Nummer nach der anderen auf die komplett ausrastende Menge einprasselte. Natürlich, eigentlich sind CANNIBAL CORPSE unfassbar stumpf und drücken dir ihre Oldschool-Todesblei-Walzen mit fettem Sound direkt ins Cerebrum – aber gerade deswegen funktionieren die Death Metal Veteranen auch immer wieder so blendend. Und überhaupt – niemand kann so erotisch Grunzen wie der Corpsegrinder himself, wirklich nicht! Jener erwies sich trotz seiner Leibesfülle (Resonanzraum den man braucht, Baby! Von nichts kommt nichts!) in blendender Laune, unterhielt das schwitzende Publikum mit witzigen Ansagen und pushte es immer wieder zu neuen Höchstleistungen. Ab der Hälfte des Gigs schlug dich das geballte Testosteron in der zunehmend stickiger werdenden Halle wahrscheinlich rückwärts wieder bei der Türe raus und die diversen Ausdünstungen der zunehmend Oberkörperfreier werdenden Metalheads hätte man vermutlich als chemische Kampfstoffe klassifizieren können. Doch genau SO muss das auch! Selbst die Security schüttelte zu den Abrissbirnen von CANNIBAL CORPSE freudig die Schädel – sofern sie nicht gerade Crowdsurfer aus dem Graben klauben musste, oder kurzfristig Betrunkene aus der Halle eskortieren musste, die ihre Gliedmaßen nicht mehr so ganz unter Kontrolle hatten. CANNIBAL CORPSE hinterließen in Salzburg nur noch verbrannte Erde, schmerzende Gliedmaßen und wunde Kehlen – Spiel, Satz und Sieg! Wer nicht dabei war, geht sich jetzt eine Runde Schämen und schreite sofort zur Selbstgeißelung – denn CANNIBAL CORPSE haben ihren Status als Band mit Abrissgarantie mit diesem Auftritt im Rockhouse zementiert.

Over and Out! Der Berichterstatter geht nun auch seine Wunden pflegen...
 

Ihr habt noch nicht genug? Fein! Mehr Fotos des Konzertes findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure!


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